Bernd Engelhardt (* 16. November 1945 in Erlangen; † 18. Mai 2017 in Landshut) war ein deutscher Prähistoriker und Denkmalpfleger. Von 1980 bis 2010 war er am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die Bodendenkmalpflege in Niederbayern verantwortlich. Seine Forschungsschwerpunkte lagen im Neolithikum, besonders im Jung- und Endneolithikum sowie bei der Glockenbecherkultur.

Leben und Wirken Engelhardt studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Hauptfach Ur- und Frühgeschichte. Während des Studiums nahm er unter anderem an den Ausgrabungen des Instituts für Ur- und Frühgeschichte Erlangen in der Sesselfelsgrotte bei Essing teil. 1976 wurde er bei Gisela Freund mit der Dissertation Die Jungsteinzeit in Mittelfranken promoviert. Die Arbeit erschien 1981 unter dem Titel Das Neolithikum in Mittelfranken. I: Alt- und Mittelneolithikum in der Reihe Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte.Das Neolithikum in Mittelfranken. I: Alt- und Mittelneolithikum. (= Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte. Reihe A, Band 42). Michael Laßleben, Kallmünz 1981, ISBN 3-7847-5042-7.

Seit 1976 war er für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege tätig. In seinen ersten Dienstjahren betreute er die Archäologischen Ausgrabungen beim Bau des Main-Donau-Kanals. Im Jahr 1980 übernahm er als Nachfolger des Prähistorikers Rainer Christlein die Leitung der damaligen Außenstelle Landshut des Landesamts. Dort befand sich zu dieser Zeit auch das für ganz Bayern zuständige Luftbildarchiv.

Seine Amtszeit fiel in eine Phase, in der die Zahl archäologischer Rettungsgrabungen infolge einer verstärkten Bautätigkeit deutlich zunahm. Zugleich führte die sich etablierende Luftbildarchäologie zur Entdeckung zahlreicher bis dahin unbekannter Fundstellen. Engelhardt wirkte am Ausbau des von Christlein angeregten Netzes kommunaler archäologischer Einrichtungen mit. Seit der Gründung der Kommission für Kommunalarchäologie des Verbands der Landesarchäologien in der Bundesrepublik Deutschland gehörte er dieser als Mitglied an.

Engelhardt beteiligte sich maßgeblich an der Etablierung des Niederbayerischen Archäologentages. Gemeinsam mit dem Deggendorfer Kreisarchäologen Karl Schmotz förderte er den grenzüberschreitenden fachlichen Austausch mit tschechischen Archäologen. Daraus entstand 1990/1991 die Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/West- und Südböhmen. Darüber hinaus initiierte Engelhardt internationale Kooperationen bei Ausgrabungs-, Restaurierungs- und Forschungsprojekten.

Nach einer Strukturreform des Landesamts im Jahr 2003 leitete Engelhardt als Hauptkonservator das für Niederbayern und die Oberpfalz zuständige „Referat B II Ostbayern“. Mit der Zusammenlegung der Zuständigkeiten wurde die selbstständige Landshuter Dienststelle 2007 aufgelöst und nach Regensburg verlegt. Engelhardt war dort bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahre 2010 als Referatsleiter tätig.

Forschung und Wissenschaftsvermittlung Engelhardt beschäftigte sich insbesondere mit dem bayerischen Neolithikum. Neben grundlegenden Arbeiten zum Alt- und Mittelneolithikum in Mittelfranken untersuchte er die Schnurkeramik, die Glockenbecherkultur und die Chamer Kultur. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten der prähistorische Feuersteinabbau und das neolithische Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen.

Als Denkmalpfleger befasste sich Engelhardt darüber hinaus mit Fundplätzen zahlreicher anderer Epochen, von der Bronze- und Eisenzeit über die römische Epoche bis zum Mittelalter. Allein im Jahrbuch Das archäologische Jahr in Bayern gibt es 22 Beiträge von Engelhardt. Bei seinem Eintritt in den Ruhestand umfasste sein Schriftenverzeichnis 166 Titel. Mit der Reihe Beiträge zur Archäologie in Niederbayern schuf er zudem eine Publikationsmöglichkeit für umfangreichere wissenschaftliche Untersuchungen anderer Autoren.

Auszeichnung 2015 wurde Engelhardt mit der Rainer-Christlein-Medaille der Gesellschaft für Archäologie in Bayern ausgezeichnet. Publikationen (Auswahl)

Monografien Das Neolithikum in Mittelfranken. I: Alt- und Mittelneolithikum. (= Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte. Reihe A, Band 42). Michael Laßleben, Kallmünz 1981, ISBN 3-7847-5042-7. Ausgrabungen am Main-Donau-Kanal. Archäologie und Geschichte im Herzen Bayerns. Verlag Marie Leidorf, Buch am Erlbach 1987, ISBN 3-924734-10-0.

Herausgeberschaften als Herausgeber: Bauern in Bayern. Von den Anfängen bis zur Römerzeit. (= Katalog des Gäubodenmuseums Straubing. Nummer 19). Gäubodenmuseum, Straubing 1992.

Aufsätze mit Alexander Binsteiner: Vorbericht über die Ausgrabungen 1984–1986 im neolithischen Feuersteinabbaurevier von Arnhofen, Ldkr. Kelheim. In: Germania. Band 66, Nummer 1, 1988, S. 1–28, doi:10.11588/ger.1988.91540. Die endneolithischen/frühbronzezeitlichen Gräber von Straubing-Öberau. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung. Band 91, 1989, S. 83–131. Kurze Einführung in die Glockenbecherkultur. In: Karl Schmotz (Hrsg.): Vorträge des 9. Niederbayerischen Archäologentages. Buch am Erlbach 1991, S. 65–84. Bäuerliches Wirtschaften in der Jungsteinzeit. In: Bernd Engelhardt (Hrsg.): Bauern in Bayern. Von den Anfängen bis zur Römerzeit. (= Katalog des Gäubodenmuseums Straubing. Nummer 19). Straubing 1992, S. 191–215. Die Altheimer Feuchtbodensiedlung Ergolding-Fischergasse bei Landshut und ihr Hinterland. Die Entwicklung eines Kleinraumes von der Linienbandkeramik bis zum mittleren Spätneolithikum. In: Karl Schmotz (Hrsg.): Vorträge des 12. Niederbayerischen Archäologentages. Buch am Erlbach 1994, S. 41–87. Die Jungsteinzeit. In: Johannes Prammer, Franz Schopper (Hrsg.): Gäubodenmuseum Straubing. Abteilung Vorgeschichte. Straubing 1997, S. 42–69. Bemerkungen zur Schnurkeramik in Straubing und im Landkreis Straubing-Bogen. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung. Band 100/I, 1998, S. 27–84. Anthropomorphe und zoomorphe Darstellungen des 5. Jahrtausends v. Chr. aus dem südöstlichen Bayern. In: Karl Schmotz (Hrsg.): Vorträge des 28. Niederbayerischen Archäologentages. Leidorf, Rahden/Westfalen 2010, ISBN 978-3-89646-239-8, S. 47–84. Der südbayerische Raum im 3. Jahrtausend v. Chr. – Forschungsfortschritte der letzten 20 Jahre. In: Fines Transire. Band 20, 2011, S. 149–186. Fünf Einheimische und eine Immigrantin. Der Glockenbecher-Begräbnisplatz von Mintraching-Klärwerk, Lkr. Regensburg. In: Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg. Band 10, 2013, S. 81–98 Ein Grab aus grabloser Zeit – Die spätneolithische Bestattung von Straubing-Alburg, Hochwegfeld. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung. Band 111, 2009, S. 31–38. Brotlaibidole from Bavaria. In: Annali Benacensi. Band 15, 2015, S. 137–142.

Literatur Doris Ebner: Nachruf für Dr. Bernd Engelhardt. In: Denkmalpflege Informationen. Nummer 166, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2017, S. 72 (PDF). Doris Ebner: Nachruf auf Bernd Engelhardt: 16. November 1945 – 18. Mai 2017. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. Band 82, 2017.

Weblinks

Publikationen von Bernd Engelhardt im digitalen Archiv von Das archäologische Jahr in Bayern Literatur von und über Bernd Engelhardt im Bibliothekskatalog ZENON des Deutschen Archäologischen Instituts Würdigung anlässlich der Verleihung der Rainer-Christlein-Medaille

Einzelnachweise

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