Nina Baumstein, verheiratete Heissler (geboren 18. Oktober 1927 im 12. Arrondissement, Paris; gestorben 9. Januar 1994 in Chambéry, Département Savoie), war eine jüdische französische Psychologin und Widerstandskämpferin.
Leben Nina Baumstein war die Tochter russischer Einwanderer. Ihr Vater, Alexandre Baumstein (geboren 1899 in Odessa), ein Handelsreisender, wurde mit Kriegsbeginn 1939 einberufen und an der Maginot-Linie eingesetzt. Die Familie zog nach Toulouse um, wo sie nach eigener Erinnerung eine „zu behütete Kindheit“ hatte. Sie wurde von Mutter und Großmutter väterlicherseits bürgerlich aufgezogen. Sie besuchte ein Internat, beobachtete aber die Naivität oder Dummheit der anderen Mädchen. Die allererste Erinnerung an den Krieg waren jüdische Flüchtlinge, die in der Schule untergebracht waren.
Noch als Teenagerin wurde sie Verbindungsfrau für die Résistance. Am 22. Februar 1944 wurde sie in Toulouse als Mitglied der Mouvements unis de la Résistance (MUR) verhaftet und im Gefängnis Saint-Michel Interniert. Über das KZ Royallieu in Compiègne, das Sammellager Drancy und Internierungslager Fort de Romainville wurde sie am 18. April 1944 ins KZ Ravensbrück verbracht. Eingesetzt in den Außenlagern Siemenslager Ravensbrück und KZ Beendorf kam sie in letzterem im April 1945 frei. Nach ihrer Befreiung litt sie an Asthma und wurde in ein Sanatorium verlegt.
Während ihrer Lagerzeit lernte sie mitinhaftierte Kommunistinnen und Widerstandskämpferinnen kennen, die die junge Frau unter ihre Fittiche nahmen. Die Parti communiste français wurde für Baumstein zu einem wichtigen politischen und emotionalen Bezugspunkt. Sie wurde jedoch in 1950er Jahren aus der Partei ausgeschlossen, da sie wie andere die Existenz der Gulags angeprangert hatte.
Nach dem Krieg beendete sie ihr Studium heiratete sie Yves Heissler und führte den Namen „Heissler“ oder „Baumstein-Heissler“ und wurde als Wissenschaftlerin in Bereich der Psychologie tätig. Zwischen 1955 und 1967 veröffentlichte sie Arbeiten im Bereich Psychologie, insbesondere zu Entwicklungspsychologie und Psychosoziologie mit Schwerpunkt Rassismus und zur Rezeption sowjetischer psychologischer Forschung. In der Zeit war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Centre national de la recherche scientifique (CNRS).
Wohl um 1967 herum bot ihr das CNRS die Möglichkeit, nach Russland zu reisen. Die Gegebenheiten dort schockierten und desillusionierten sie sehr. Sei verließ ihre bisherigen Arbeitsbereich, stellte das wissenschaftliche Arbeiten ein und wurde 1968 im Kulturministerium eingestellt, um die Architekturausbildung zu reformieren. Danach war sie an einer Architekturhochschule tätig.
1990 unterzeichnete sie mit anderen Widerstandskämpfern den „Aufruf der 250“ gegen den Front National und dessen Ideen, woraus das antifaschistische Netzwerk Ras l'front (RLF) hervorging.
Sie starb vorzeitig und plötzlich 1994 im Zug, auf der Reise in den Urlaub in Chambéry.
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Wissenschaftliche Artikel
Einzelnachweise
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