mini|Je acht Hellebardenträger und Himmelslichträgerinnen begleiteten den Priester mit der Monstranz beim Patrozinium in Maria Lankowitz Die Gößnitzer Hellebardenträger, im regionalen Dialekt auch als Helmbarschtnträger bezeichnet, sind eine bis vermutlich in das 16. Jahrhundert zurückreichende Tradition bei eucharistischen Prozessionen in der Marktgemeinde Maria Lankowitz in der Weststeiermark. Dabei werden die Monstranz und der Priester von acht Hellebardenträgern aus Gößnitz begleitet. Diese Form der Begleitung entspricht der andernorts seit dem 13. Jahrhundert praktizierten Begleitung von Prozessionen durch Zünfte, Schützen- und andere Bruderschaften.
Beschreibung mini|Die Hellebardenträger neben dem Baldachin bei einer Andacht vor einem Altar als Teil des Patroziniums-Umzug Zu Fronleichnam und zu Mariä Heimsuchung (2. Juli) wird die Prozession in Maria Lankowitz von acht aus Gößnitz stammenden Hellebardenträgern begleitet. Diese sollen der Tradition nach ledig sein. Die von ihnen getragenen Hellebarden sind mit dem Laub von Eichen, Linden oder Buchsbaum und Nelken geschmückt. Während der Prozession marschieren sie auf beiden Seiten des als Himmel bezeichneten Baldachins mit, unter dem der Priester mit dem Allerheiligsten in der Monstranz geht. Die Hellebardenträger werden dabei von acht ebenfalls aus Gößnitz stammenden ledigen jungen Frauen begleitet, welche geweihte Lichter, auch als Himmelslichter bezeichnet, tragen und deshalb Himmelslichtträgerinnen genannt werden. Seit etwa dem Ende der 1970er-Jahre treten die Hellebardenträger auch bei Firmungen, Visitationen durch den Bischof und anderen besonderen Anlässen auf.
Die Kleidung der Hellebardenträger bestand ursprünglich aus einem schwarzen Anzug und einem schwarzen Hut mit breiter Krempe und Blumenanstecker, während die Himmelslichtträgerinnen weiße Kleider mit einer blauen Schärpe trugen. Seit 1955 tragen die Männer einen Steireranzug mit Ausseerhut und die Frauen ein Dirndl mit einem um die Schultern gelegten Seidentuch.
Geschichte Die genauen zeitlichen Ursprünge der Hellebardenträger sind unklar. Der Heimatforscher Peter Weißnar hält einen Einfluss durch die 1505 gegründete päpstliche Schweizergarde, die auch mit Hellebarden bewaffnet ist, sowie durch das zwischen 1545 und 1563 abgehaltene Konzil von Trient als Reaktion auf die Reformation für denkbar.
Durch das Konzil von Trient wurde von der katholischen Kirche die Prozession als eine Art Demonstration gegen Andersgläubige angesehen und auch aufwendig gestaltet. Viele der Grundherren im heutigen Bezirk Voitsberg nahmen den protestantischen Glauben an und verboten ihren Untertanen, Abgaben an die katholischen Klöster, darunter das Franziskanerkloster Maria Lankowitz, zu leisten. Das Kloster war aber auf diese Almosen (Terminieren), vor allem in Form von Lebensmitteln, angewiesen, so dass es in seiner Existenz bedroht war. Zudem kam es bei den Prozessionen immer wieder zu Ausschreitungen von Protestanten, welche die katholischen Feste stören wollten. Die Franziskaner erhielten materielle Unterstützung durch die Bevölkerung von Gößnitz, die großteils der Herrschaft Piber und damit dem katholischen Stift St. Lambrecht unterstand. Die Gößnitzer Bauern entsandten aber auch der Überlieferung nach acht Burschen mit Hellebarden, um bei den Prozessionen den Priester und die Monstranz vor Protestanten zu beschützen. Laut dem Historiker Heinrich Purkarthofer wurden die Hellebardenträger möglicherweise von Erzherzog Karl II. eingesetzt, der die Fronleichnamsprozessionen wieder einführte. Während des Zweiten Weltkriegs kam die Tradition zum Erliegen, da die meisten jungen Männer aus Gößnitz eingerückt waren. Nach dem Krieg lebte die Tradition wieder auf, so wurde der Priester in den Nachkriegsjahren auch bei Versehgängen von zwei Hellebardenträgern begleitet. Seit wann die Hellebardenträger von den acht Himmelslichtträgerinnen begleitet werden, ist ebenfalls unklar. Laut einem Erfahrungsbericht von Maria Gößler, einer ehemaligen Trägerin, kam diese Tradition gegen Anfang der 1960er-Jahre auf. Laut dem Heimatforscher Peter Weißnar dürfte sie auf die unterbrochene Tradition der Jungfrauenvereine zurückgehen, wobei jener in Maria Lankowitz 1851 gegründet worden war. Bereits die Mitglieder dieses Vereins begleiteten die Prozession mit Lichtern.
Die Hellebardenträger empfingen zusammen mit den Himmelslichtträgerinnen im Jahr 2007 Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Mariazell.
Der Brauchtumsverein „Hellebarden und Himmelslichtträgerinnen Gößnitz“ hat sich der Bewahrung der Tradition verschrieben.
Rezeption mini|Das Gemeindewappen der bis 2015 eigenständigen Gemeinde Gößnitz zeigt die Hellebarden Das von Heinrich Purkarthofer entworfene und am 3. Mai 1999 mit Wirkung vom 1. Juni 1999 verliehene Gemeindewappen der bis 2015 eigenständigen Gemeinde Gößnitz verweist auf die Tradition der Hellebardenträger und zeigt die geschmückten Hellebarden. Die Blasonierung (Wappenbeschreibung) lautet wie folgt: „In Gold wachsend vier mit roten Rosen und roten Bändern geschmückte, paarweise auswärts gekehrte blaue Hellebarden.“ Die Farbgebung in Blau, Rot und Gold wiederum ist ein Hinweis auf die Kirchenfeste, bei welchen die Hellebarden zum Einsatz kommen.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Gossnitzer Hellebardentrager Gossnitzer Hellebardentrager Kategorie:Prozessionswesen (Katholizismus) Kategorie:Personengruppenbezeichnung