Sophie Bosede Oluwole (* 1935 in Igbara-Oke, Ondo, Nigeria; † 23. Dezember 2018) war eine nigerianische Philosophin und Hochschullehrerin sowie eine bedeutende Vertreterin afrikanischer und yorubischer Philosophie. Als erste Frau aus Nigeria erwarb sie an einer nigerianischen Universität einen Doktorgrad in Philosophie und machte die Bedeutung afrikanischer mündlicher Überlieferungen als philosophische Quellen öffentlich bekannt.

Leben Oluwole wurde als Abosede Olayemi in Igbara-Oke im heutigen Bundesstaat Ondo in eine anglikanische Händlerfamilie mit Edo-Wurzeln geboren. Bei ihrer Taufe im Alter von ungefähr acht Jahren erhielt sie von einem Schulleiter den Namen Sofia, dessen Schreibweise sie später zu Sophie änderte. Nach einer 1954 abgeschlossenen Ausbildung am Women Training College in Ilesha arbeitete sie zunächst als Lehrerin. Ab 1963 studierte sie in der Sowjetunion und lebte danach zeitweise in Deutschland und den Vereinigten Staaten, bevor sie 1967 nach Nigeria zurückkehrte. An der Universität Lagos erwarb sie 1970 ihren ersten Hochschulabschluss und 1974 den Mastergrad; 1984 wurde sie an der Universität Ibadan mit einer Arbeit über Metaethik und die Goldene Regel promoviert. Seit 1972 lehrte sie an der Universität Lagos, stieg dort zur Professorin auf und amtierte als Dekanin für studentische Angelegenheiten, ehe sie 2002 in den Ruhestand trat. Danach arbeitete sie an der Lagos State University und gründete das Centre for African Culture and Development. Sie starb am 23. Dezember 2018.

Wirken Oluwoles Arbeit richtete sich gegen die eurozentrische Annahme, Afrika besitze keine rationale und kritische Denktradition, weil diese vielfach nicht schriftlich fixiert worden sei. Sie untersuchte insbesondere das Ifá-Korpus und behandelte dessen mündlich überlieferte Verse, Mythen, Sprichwörter und Erzählungen als philosophische Quellen. In Socrates and Ọ̀rúnmìlà: Two Patron Saints of Classical Philosophy stellte sie Ọ̀rúnmìlà und Sokrates als vergleichbare Begründer dialogischer Traditionen dar, die selbst keine Schriften hinterließen. Ihr komplementärer Dualismus fasst Materielles und Nichtmaterielles nicht als unvereinbare Gegensätze, sondern als untrennbare Aspekte der Wirklichkeit; daran knüpfte sie eine inklusive Logik und ein relationales Verständnis des Personseins. Sie bezeichnete sich als kritische Traditionalistin, die afrikanische Traditionen philosophisch erschließen wollte, ohne sie zu romantisieren. Werke wie Witchcraft, Reincarnation and the God-Head und Philosophy and Oral Tradition dienten ihrer Kritik an kolonial geprägten Vorstellungen über afrikanisches Denken. Sie forderte, indigene Sprachen als Bildungsmedien aufzuwerten und überliefertes Wissen mit brauchbaren importierten Erkenntnissen zu verbinden. In ihren Arbeiten zur Geschlechterordnung hob sie die eigenständigen wirtschaftlichen, religiösen und politischen Rollen von Frauen in vorkolonialen Yoruba-Gesellschaften sowie die gegenseitige Abhängigkeit der Geschlechter hervor. Durch Bücher, Vorträge und Medienauftritte machte sie afrikanische Philosophie auch außerhalb akademischer Fachkreise bekannt.

Einzelnachweise

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