Lena Kästner (* 1986) ist eine deutsche Philosophin und Kognitionswissenschaftlerin. Sie ist seit Februar 2022 Inhaberin der Professur für Philosophie, Informatik und Künstliche Intelligenz an der Universität Bayreuth. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Wissenschaftsphilosophie und der Philosophie des Geistes, insbesondere in den Bereichen mechanistische Erklärungen, erklärbare Künstliche Intelligenz (XAI) sowie Philosophie der Neuro- und Kognitionswissenschaften.

Leben und Werdegang Kästner studierte von 2006 bis 2010 Kognitionswissenschaft an der Universität Osnabrück (B.Sc.) und anschließend Cognitive Neuroscience am University College London (M.Sc., Abschluss 2010). 2014 wurde sie an der Ruhr-Universität Bochum in Philosophie promoviert; ihre Dissertation trägt den Titel Philosophy of Cognitive Neuroscience: Causal Explanations, Mechanisms & Empirical Manipulations und erschien bei De Gruyter.

Nach der Promotion war sie ab 2014 als Assistant Professor an der Berlin School of Mind and Brain der Humboldt-Universität zu Berlin tätig, ab 2017 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Von Januar 2019 bis Januar 2022 hatte sie die Juniorprofessur für Philosophie des Geistes und der kognitiven Systeme an der Universität des Saarlandes inne. Anfang 2022 wechselte sie kurzzeitig als Assistant Professor (Tenure Track) für Wissenschaftsphilosophie mit Schwerpunkt Daten und digitale Gesellschaft an die Universität Tilburg, bevor sie im Februar 2022 dem Ruf auf die neu geschaffene Professur für Philosophie, Informatik und Künstliche Intelligenz an der Universität Bayreuth folgte.

Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem an die Washington University in St. Louis, nach London, San Diego und an die Australian National University in Canberra (2019). 2023 war sie Visiting Scholar an der Universität Cambridge, 2024 Research Fellow am Weizenbaum-Institut in Berlin.

Wirken Kästner forscht an der Schnittstelle von Philosophie, Kognitionswissenschaft und Künstlicher Intelligenz. Ein zentrales Thema ihrer Arbeit sind wissenschaftliche Erklärungen – insbesondere Erklärungen natürlicher und künstlicher Kognition –, Kausalität sowie wissenschaftliche Entdeckung und Experimente. In jüngerer Zeit beschäftigt sie sich insbesondere mit der Erklärbarkeit von KI-Systemen, mechanistischer Interpretierbarkeit sowie Fragen der KI-Governance und Verantwortungszuschreibung bei KI-vermittelten Schäden.

Sie ist leitende Principal Investigator des von der VolkswagenStiftung geförderten interdisziplinären Projekts „Explainable Intelligent Systems“ (EIS) und leitet das Projekt „For the Greater Good? Deepfakes in der Strafverfolgung“ (FoGG).

Kästner ist Mitgründerin und Co-Direktorin des Bayreuther „Research Center for AI in Science and Society“ (RAIS²), das die interdisziplinäre KI-Forschung an der Universität Bayreuth bündelt; dort verantwortet sie den Bereich zu den gesellschaftlichen Auswirkungen des KI-Einsatzes. Seit dem Wintersemester 2024/25 leitet sie zudem den interdisziplinären Masterstudiengang „Philosophy & Computer Science“ an der Universität Bayreuth.

Daneben arbeitet Kästner zur Philosophie der Psychiatrie, unter anderem zur Modellierung psychischer Erkrankungen.

Auszeichnungen 2025: Lehrpreis der Universität Bayreuth für digital unterstützte Lehre für das interdisziplinäre Seminar „AI, Robots, Superintelligence: Philosophy in Fiction“

Schriften (Auswahl) Philosophy of Cognitive Neuroscience: Causal Explanations, Mechanisms and Experimental Manipulations. De Gruyter, Berlin/Boston 2017 (Dissertation). mit Philipp Haueis: Discovering Patterns: On the Norms of Mechanistic Inquiry. In: Erkenntnis. Band 86, Nr. 6, 2021, S. 1635–1660, doi:10.1007/s10670-019-00174-7. mit Markus Langer u. a.: What Do We Want from Explainable Artificial Intelligence (XAI)? In: Artificial Intelligence. 2021. Modeling Psychopathology: 4D Multiplexes to the Rescue. In: Synthese. Band 201, 2023, doi:10.1007/s11229-022-04008-y. mit Barnaby Crook: Explaining AI Through Mechanistic Interpretability. In: European Journal for Philosophy of Science. Band 14, Nr. 4, 2024.

Weblinks Persönliche Website Lena Kästner an der Universität Bayreuth Google-Scholar-Profil

Einzelnachweise

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