Die Unión de Trabajadores de la Economía Popular (UTEP) ist einer der argentinischen Gewerkschaftsbünde.
In Argentinien sind viele arme Menschen mit geringfügiger oder multipler Beschäftigung auf Nachbarschafts-Netzwerke und Suppenküchen angewiesen, doch letztere bekommen aktuell keine oder nur geringe staatliche Hilfe. Es existiert aber eine starke Interessenvertretung von Arbeiter und Arbeiterinnen in prekären Verhältnissen. Ihre Vertreter bezeichnen die Arbeit derjenigen, die in Kooperativen arbeiten oder in Gemeinden Hilfsaufgaben wahrnehmen, bewusst nicht als „informelle Wirtschaft“, sondern als Economía Popular (wörtlich: Volkswirtschaft). Mittlerweile sind 35 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer außerhalb der formellen Wirtschaft tätig, d. h. sie besitzen keine Arbeitsrechte wie Rentenbeiträge, bezahlten Urlaub oder eine Sozialversicherung.
Verschiedene soziale Bewegungen gründeten daher die UTEP als eigene Gewerkschaft. Die Hauptaufgabe besteht darin, diese neue Arbeitsrealität sichtbar zu machen und als Interessenvertretung zu fungieren.Friedrich-Ebert-Stiftung, Argentinien Gewerkschaftsmonitor 2025 (Juli), abgerufen am 13. Juli 2026
Die Organisierung der Arbeiterinnen und Arbeiter in der informellen Wirtschaft begann in den neoliberalen 1990er Jahren während der Präsidentschaft Carlos Menems und nahm nach der Wirtschaftskrise von 2001 an Bedeutung zu. Die Cartoneros (Papiersammler) erlangten in der Stadt Buenos Aires eine offizielle Anerkennung sowie Zugang zu einer Reihe von Geld- und Sachleistungen. 2011 entstand die Confederación de Trabajadores de la Economía Popular (CTEP), die sich im Dezember 2019 gemeinsam mit anderen Interessenvertretungen zur UTEP weiterentwickelte und im März 2021 staatlich anerkannt wurde. Es ist die erste erfolgreiche institutionelle Anerkennung einer gewerkschaftlichen Vertretung von Arbeitern ohne Arbeitgeber. Nach Schätzungen des nationalen Statistikinstituts INDEC beläuft sich die informelle Wirtschaft auf etwa 3,5 Millionen Menschen, was elf Prozent der städtischen Bevölkerung und fast sieben Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht (die UTEP hingegen spricht von sechs Millionen). Es gibt Gespräche zwischen der UTEP und Confederación General de Trabajadores (CGT) über die Aufnahme der UTEP in den Gewerkschaftsverbund. Dies ist jedoch politisch sensibel, da die UTEP mit ca. drei Millionen Mitgliedern die CGT-Machtverhältnisse stark verändern würde und die bis jetzt stärksten Mitgliedsgewerkschaften (v. a. Metall, Handel, Transport, öffentlicher Sektor) erhebliche interne Machtverluste erleiden würden. In jedem Fall ist die Gründung der UTEP für die traditionellen Verbände eine neue Realität, auf die bisher noch eher achselzuckend oder traditionell („sie sollten formalisiert werden“) geantwortet wird.
Weblinks Friedrich-Ebert-Stiftung, Argentinien Gewerkschaftsmonitor 2025 (Juli), PDF, 6 S., zuletzt abgerufen am 13. Juli 2026 Über die "Economía Popular", Artikel auf https://amerika21.de/, abgerufen am 13. Juli 2026
Einzelnachweise
Union de Trabajadores de la Economia Popular