Die angolanisch-serbischen Beziehungen umfassen das zwischenstaatliche Verhältnis von Angola und Serbien. Sie unterhalten seit 1977 diplomatische Beziehungen.
Ihre Beziehungen gelten traditionell als gut und gehen zurück auf die Unterstützung der angolanischen Unabhängigkeitsbewegung und folgenden Einheitspartei MPLA durch Jugoslawien seit den 1960er Jahren. Bis heute bestimmen die Zusammenarbeit in der Hochschulbildung, vor allem aber in Diplomatie und Politik ihre Beziehungen. So unterstützt Angola die serbische Position in der Kosovo-FrageVucic: Angola supports Serbia's territorial integrity, bilateral relations have never been called into question, Artikel vom 9. Juni 2026 des Portals Kosovo-Online.com, abgerufen am 13. Juli 2026 und die beiden Länder arbeiten in einigen multilateralen Gremien zusammen, darunter Interpol, wo sie besonders eng miteinander kooperieren,Cooperação no combate ao crime organizado e transnacional está mais reforçada entre os países membros da interpol - „Kooperation zwischen Interpol-Mitgliedsstaaten im Kampf gegen die internationale organisierte Kriminalität gestärkt“ (2. Absatz), Artikel vom 17. Oktober 2019 des Nachrichtenportals Club-K.net, abgerufen am 13. Juli 2026 und den verschiedenen UN-Organisationen. Seit 2018 hat Serbien Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, deren Gründungsmitglied Angola ist. Daneben besteht im Sport regelmäßiger Austausch, und auch ein wenig Handel gehört zu ihrem Verhältnis. Die Wirtschaftsbeziehungen sollen ausgebaut und neuer Schwerpunkt ihrer vielfältigen Beziehungen werden.
Bis zur Unabhängigkeit Angolas 1975 bestimmten die portugiesisch-serbischen bzw. die jugoslawisch-portugiesischen Beziehungen ihr Verhältnis.
Geschichte Nachdem die Unabhängigkeitsbewegung FNLA 1961 im Norden Angolas den bewaffneten Kampf gegen die portugiesische Kolonialherrschaft aufgenommen hatte, führte die marxistische MPLA zunächst nur einzelne Angriffe auf Gefängnisse durch und griff erst später selbst in den sich verstärkenden portugiesischen Kolonialkrieg ein, zunehmend als wichtigste Kraft. Sie wurde dabei von der Sowjetunion und anderen Ostblock-Staaten unterstützt, allerdings nicht immer und phasenweise auch eher zögerlich. Das ebenfalls sozialistische, seit 1948 aber blockfreie Jugoslawien unter seinem Präsidenten Tito dagegen sah in den seit den 1950er überall in Afrika aufkommenden Unabhängigkeitsbewegungen nicht nur einen Weg, sich zwischen den beiden herrschenden Blöcken (Ostblock und NATO) außenpolitisch zu profilieren, sondern fühlte sich ihnen auch besonders verbunden, weil es Tito und seine alten Mitstreiter im Bundes der Kommunisten Jugoslawiens an den eigenen antifaschistischen Partisanenkrieg gegen die blutige deutsch-italienische Besatzung (1941–1944) erinnerte, aber auch an die lange Geschichte des jugoslawischen Widerstands gegen imperiale Fremdbestimmung (Osmanisches Reich, Habsburgermonarchie). Die Initiativen der jugoslawischen Diplomatie trafen auf Seiten der afrikanischen Unabhängigkeitsaktivisten auf besonderes Vertrauen, weil sie sowohl handfeste Unterstützung als auch Gespräche auf Augenhöhe boten, da den jugoslawischen Vertretern die kolonialistische Prägung der anderen europäischen Diplomaten fehlte.Quando a Iugoslávia apoiava as lutas anticoloniais - „Als Jugoslawien die antikolonialen Kämpfe unterstützte“, Artikel vom 1. Oktober 2018 der brasilianischen Ausgabe der Le Monde diplomatique, abgerufen am 13. Juli 2026 mini|hochkant|Serbische Briefmarke von 2022 zum 100. Geburtstag von Agostinho Neto, erster Präsident des unabhängigen Angolas: die Beziehungen beider Länder sind seit der Unterstützung des angolanischen Unabhängigkeitskampfes durch Jugoslawien anhaltend freundschaftlich. So unterstütze Jugoslawien die MPLA vielfältig. Sie erhielt in Belgrad ein Informationsbüro, das als informelle Botschaft der MPLA fungierte, und MPLA-Kader erhielten Stipendien für Studien und Ausbildungen in Jugoslawien. Nach der Unabhängigkeit Angolas 1975 gehörte Jugoslawien zu den ersten Staaten, die die junge Volksrepublik anerkannten, gewährte der neuen MPLA-Regierung 1977 einen ersten Kredit über 14 Mio. US-Dollar und entsandte technisches Personal und Sicherheitskräfte nach Luanda. Nach der formellen Aufnahme diplomatischer Beziehungen am 25. April 1977Webseite zu den Beziehungen Serbiens zu Angola beim Außenministerium Serbiens, abgerufen am 13. Juli 2026 gingen beide Staaten ein erstes Abkommen über wirtschaftliche und technisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit ein, und Angola eröffnete seine Botschaft in Belgrad. Auch gehörte Tito zu den wenigen Staatschefs, die die massive kubanische Unterstützung für die MPLA im Bürgerkrieg in Angola öffentlich begrüßten. Auch nach Titos Tod 1980 behielt Jugoslawien die Unterstützung Angolas (und Mosambiks u. a.) aufrecht, und bis in die 1980er Jahren erhielten auch Angolaner und Mosambikaner in Militärschulen Jugoslawiens weitere Ausbildung für ihre Bürgerkriege gegen die vom Westen unterstützten Guerillabewegungen.Presidente João Lourenço faz visita oficial à Sérvia - „Präsident João Lourenço zum Staatsbesuch in Serbien“, Artikel vom 8. Juni 2026 der angolanischen Wirtschaftszeitung Mercado, abgerufen am 13. Juli 2026
Mit dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren nahmen zwar auch die Beziehungen zu Angola etwas ab, das sich nach dem Zerfall der Sowjetunion ab 1990 selbst veränderte (Umbau der MPLA zu einer sozialdemokratischen Partei, Einführung eines Mehrparteiensystems, zwischenzeitliches Ende des Bürgerkriegs). Dennoch hielten beide Seiten an ihren guten Beziehungen fest. Angola erkannte Serbien als Nachfolger Jugoslawiens an und sie unterzeichneten in den 1990er bis 2010er Jahren fast 20 Abkommen in Bereichen wie Sicherheit und öffentliche Ordnung, Landwirtschaft, verarbeitende Industrie, Diplomatie und vor allem der Bildung, mit angolanischen Studenten an jugoslawischen bzw. serbischen Hochschulen als einem der beständigsten Zeichen ihrer Beziehungen durch alle Dekaden. mini|hochkant|Serbiens Präsident Vučić beim 2026 AI Impact Summit in Indien: auch im KI-Bereich wollen Angola und Serbien zukünftig stärker kooperieren, zudem gehört die Beziehung zu Angola zu Serbiens Bemühungen, gute Verbindungen in den globalen Süden zu haben. In den 2020er Jahren erfuhren ihre Beziehungen dann eine stärkere Wiederbelebung. Im Jahr 2026 erreichte diese neue Annäherung einen ersten Höhepunkt. So wurde der neue angolanische Botschafter in Belgrad, Eduardo Bárber Octávio, vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić anlässlich seiner Akkreditierung am 3. Februar 2026 zu einem Beratungsgespräch empfangen, bei dem beide Seiten bekräftigten, ihre traditionellen guten Beziehungen deutlich ausbauen zu wollen.Angola e Sérvia desejam intensificar a cooperação - „Angola und Serbien möchten ihre Zusammenarbeit intensivieren“, Artikel vom 5. Februar 2026 vom der angolanischen Zeitung Jornal de Angola, abgerufen am 13. Juli 2026 Im Juni 2026 kam dann Angolas Staatspräsident João Lourenço zu einem zweitägigen Staatsbesuch, als erster angolanischer Regierungschef seit 49 Jahren. Der serbische Präsident Vučić erklärte dabei, dass sein Land immer Anteil am angolanischen Befreiungskampf nahm und das Land dabei stets unterstützte, er selbst nahe einer nach Agostinho Neto benannten Straße wohnte, angolanische Studenten in Serbien ein verlässliches Element ihrer langen Beziehungen seien, und beide Staaten bis heute die Werte des Multilateralismus teilten und sich dabei in ihrer territorialen Unverletzlichkeit und ihren nationalen Interessen unterstützten. Präsident Lourenço bestätigte seine Aussagen und hob hervor, dass beide Länder nach Kräften die regelbasierte internationale Politik und ihre Institutionen gegen die aktuellen Gefahren und Unsicherheiten verteidigen wollen, und dabei auch den UN-Sicherheitsrat durch eine Modernisierung zu einer durchsetzungsfähigen Instanz zur Lösung von Konflikten im Nahen Osten und Europa machen wollen. Die Weltlage mache auch mehr Investitionen in die Sicherheit nötig, und besonders hier wollen beide Länder stärker kooperieren. Lourenço erklärte, Angola werde die Unterstützung durch die Völker Jugoslawiens nie vergessen, wolle aber nicht nur diese freundschaftlichen Beziehungen zu Serbien weiterführen, sondern nun auch ihre Wirtschaftsbeziehungen deutlich ausbauen. Ihre jetzt unterzeichneten Investitionsschutzabkommen und Doppelbesteuerungsabkommen seien dafür ein guter Anfang. Beide waren sich dabei einig, dass ihre Wirtschaftsbeziehungen noch weit unter dem möglichen Niveau lägen und ausgebaut werden müssten, trotz bereits bestehender serbischer Investitionen in Angola. Sie unterzeichneten erste Vereinbarungen und besprachen weitere Kooperationen in Bereichen wie Künstliche Intelligenz und modernen Technologien, direkte Flugverbindungen und gegenseitigen Tourismus, und Angolas Präsident besuchte Unternehmen der Verteidigungsindustrie. Sie zeichneten sich als Zeichen gegenseitiger Wertschätzung mit hohen Staatsorden aus, und die mitgereisten Minister beider Seiten unterschrieben insgesamt zehn Abkommen in Bereichen wie Luftfahrt, Landwirtschaft, Diplomatie, Umweltschutz, Postwesen und Informationstechnologie.
In geopolitischer Hinsicht steht die neue Annäherung beider Staaten auf angolanischer Seite im Zusammenhang seiner verstärkten außenpolitischen Aktivität, insbesondere abseits seiner traditionellen Partner und in geopolitischen Regionen mit bisher schwacher angolanischer Präsenz, während auf serbischer Seite Angola damit weiterhin ein besonderer Aktivposten der Beziehungen Serbiens in Afrika bleibt und auch die anhaltenden serbischen Bemühungen um eine ausbalancierte Außenpolitik zwischen dem angestrebten EU-Beitritt und zukunftsträchtigen Verbindungen in den globalen Süden unterstützt wird.
Im Rahmen der bereits 2022 vereinbarten Kooperation im Bereich innere Sicherheit und Ordnung besuchte im Juli 2026 eine Delegation des angolanischen Zivilschutzes und der Feuerwehr Angolas Serbien, um mit ihren serbischen Kollegen Wissen und Erfahrungen auszutauschen und Besichtigungen vorzunehmen, vor allem aber, um die angestrebte institutionalisierte Zusammenarbeit in Aus- und Fortbildung in Bereichen wie Katastrophenschutz, Feuerbekämpfung und Strafvollzug vorzubereiten.Delegação do Ministério do Interior visita a Sérvia no âmbito da cooperação bilateral - „Delegation des Innenministeriums besucht Serbien im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit“, Artikel vom 10. Juli 2026 des angolanischen Diaspora-Nachrichtenportals VozDaDiaspora.com, abgerufen am 13. Juli 2026 Auch in vielen anderen Bereichen wollen beide Seiten nun verstärkt kooperieren, auf allen Ebenen.
Diplomatie Angola führt eine eigene Botschaft in der serbischen Hauptstadt Belgrad.
Serbien unterhält eine eigene Botschaft in der angolanischen Hauptstadt Luanda.
Gegenseitige Konsulate sind bisher nicht eingerichtet (Stand Mai 2026).
Wirtschaft mini|hochkant|Tabakverarbeitung in Serbien (1970): Tabakprodukte gehören traditionell zu den Ausfuhr-produkten Serbiens nach Angola. Der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen beiden Ländern ist erst schwach ausgeprägt, inzwischen aber im Wachstum begriffen. Im Jahr 2024 belief sich ihr bilaterales Handelsvolumen auf rund 2,24 Mio. US-Dollar, mit einem enormen Handelsbilanzüberschuss von gut 2,23 Mio. US-Dollar zu Gunsten Serbiens. Angola führte dabei Waren aus Serbien in Höhe von 2,23 Mio. US-Dollar ein, mit gerolltem Tabak für 423.000 US-Dollar als wichtigster Warengruppe, während Serbien Waren für 62.700 US-Dollar aus Angola importierte, ausschließlich Erdgas.Zahlen zum angolanisch-serbischen Handel des Observatory of Economic Complexity (OEC), abgerufen am 13. Juli 2026
Im Jahr 2025 erreichte ihr Handel dann 5,4 Mio. US-Dollar, wobei 5,2 Mio. US-Dollar serbischen Exporten nach Angola 224.000 US-Dollar angolanische Exporte nach Serbien gegenüberstanden.