Die Belagerung von Maiozamalcha war eine Anfang Mai 363 n. Chr. im Rahmen seines Perserfeldzugs ausgetragene militärische Konfrontation des römischen Kaisers Julian mit dem persischen Befehlshaber Nabdates, der die 18 km oberhalb Ktesiphons in Mesopotamien gelegene stark befestigte Stadt Maiozamalcha gegen das römische Heer verteidigte. Nach viertägigem hartnäckigem Widerstand fiel die Festung und wurde von Julians Soldaten zerstört.

Vorgeschichte Kaiser Julian brach Anfang März 363 mit einem großen Heer von Antiochia am Orontes zu seinem Feldzug gegen das von Großkönig Schapur II. regierte Sassanidenreich auf. Er zog entlang des Euphrats in südöstlicher Richtung gegen die sassanidische Hauptstadt Ktesiphon und eroberte auf dem Weg dorthin Ende April 363 unter großen Schwierigkeiten die relativ große Stadt Pirisabora. Der einflussreiche Surenas, der dem nach dem Königshaus zweithöchsten dynastischen Geschlecht im Sassanidenreich angehörte, sollte im Auftrag des Großkönigs den Vormarsch der Römer behindern. Er war ihnen bisher in einiger Entfernung gefolgt, sah sich aber nach dem Verlust Pirisaboras gezwungen, fortan energischer gegen die Feinde vorzugehen, ehe Schapur II. mit dem Hauptheer eintraf. Er überfiel einen unvorsichtig operierenden römischen Voraustrupp, wobei mehrere römische Krieger umkamen. Julian versuchte, seine Armee durch eine harte Vorgangsweise gegen die Surenas’ Überfall entkommenen Soldaten zu disziplinieren. Er ließ zehn der entwichenen Soldaten hinrichten und zwei Tribune aus dem Heer ausstoßen. Allerdings vermochte er nicht mehr den Surenas zu verfolgen, da dieser sich rasch genug entfernt hatte.Klaus Rosen: Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, 2006, S. 355.

In der Nähe von Pirisabora hatte Kaiser Julian mit seinen Streitkräften den Euphrat verlassen und zog nun südlich des Naarmalcha („Königskanal“), eines Verbindungskanals zwischen Euphrat und Tigris, in östlicher Richtung weiter. Das mit Weinbergen, Obstgärten und Palmenhainen bestandene fruchtbare Gelände war von den Bewohnern dieser Gegend teilweise überflutet worden, um den Römern den Vormarsch zu erschweren. Julians Soldaten mussten verschiedene Wasserläufe auf selbst errichteten Stegen oder auf Holzflößen und aufgeblasenen Fellschläuchen überqueren. Die von ihren Bewohnern verlassene jüdische Siedlung Nearda brannten die Römer nieder. Auch die Festung Phissenia und die von ihren jüdischen Einwohnern aufgegebene Stadt Bithra wurden von den Soldaten in Brand gesteckt.Klaus Rosen: Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, 2006, S. 355–356.

Belagerung und Erstürmung von Maiozamalcha Als Kaiser Julian mit seinem Heer bald darauf Anfang Mai 363 gegen Maiozamalcha vorrückte, begab er sich selbst mit wenigen Leichtbewaffneten in die Nähe dieser Stadt, um Angriffsmöglichkeiten auszukundschaften. Bei diesem waghalsigen Manöver wäre er beinahe einer unvermuteten feindlichen Attacke zum Opfer gefallen. Zehn persische Krieger schlichen sich an Julian und dessen Begleiter heran, und zwei der Angreifer gingen sofort auf den Kaiser los. Dieser wehrte sich zunächst mit seinem Schild gegen Stiche und streckte einen der beiden Angreifer mit seinem Schwert nieder. Julians Begleiter stürzten sich auf den zweiten Angreifer und vertrieben die übrigen am Überfall beteiligten Perser. Der römische Historiker Ammianus Marcellinus, der die Hauptquelle für Julians Perserfeldzug darstellt, verglich diese Tat des Kaisers mit den siegreichen Zweikämpfen römischer Helden der Republikszeit.Klaus Rosen: Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser, 2006, S. 356.

Der Befehlshaber von Maiozamalcha, Nabdates, kam der Aufforderung Julians, die Stadt zu übergeben, nicht nach. Er vertraute auf die starke Befestigung der auf einer Anhöhe gelegenen Stadt, die von einem doppelten Mauerring mit einem tiefen Graben umgeben war. Daraufhin feuerten römische Infanteristen drei Tage lang ständig Geschosse gegen die Stadt. Andere Fußsoldaten waren in dieser Zeit mit der Auffüllung des Grabens beschäftigt. Die Römer gingen auch mit einem Rammbock gegen die Stadtmauer vor und brachten damit einen ihrer Türme zum Einsturz. Außerdem gruben Männer einer Heeresabteilung, unbemerkt von den sassanidischen Verteidigern, einen Tunnel unter die Stadtmauer hindurch und führten ihn so weit fort, bis sie unter einem Haus in der Stadt wieder an die Oberfläche gelangten. Am Morgen des vierten Tages der Belagerung stürmten sie aus diesem Haus hinaus, überwältigten die Wachen und öffneten dem römischen Heer die Stadttore. Julians Truppen richteten unter den Verteidigern ein Blutbad an, durchstreiften die Stadt und nahmen schließlich Nabdates gefangen. Dieser wurde vor Julian geführt. Der Kaiser verschonte Nabdates, ließ ihn aber mit 80 seiner Männer, die ebenfalls überlebt hatten, in Gewahrsam nehmen. Die römischen Truppen plünderten die Stadt und äscherten sie ein. Danach setzte Julian seinen Feldzug mit dem weiteren Vormarsch gegen Ktesiphon fort.

Quellen Ammianus Marcellinus, Res gestae 24, 4, 2–30. Zosimos, Historia Nea 3, 20 f. Libanios, Rede 18, 235–241.

Literatur Klaus Rosen: Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser. Stuttgart 2006, ISBN 3-608-94296-3, S. 356.

Anmerkungen

Kategorie:Schlacht der Römisch-Persischen Kriege Kategorie:363 Kategorie:Schlacht (4. Jahrhundert)