Franz Eduard Hirsch (geboren 5. März 1898 in Dresden; gestorben 1982 in Chicago, USA) war ein deutsch-US-amerikanischer Gynäkologe, der sich in der Weimarer Republik in der Sexualreform-Bewegung engagierte.
Leben Geboren in Dresden als Sohn des Kaufmanns Julius Hirsch und dessen Frau Elise, geb. Graumann, studierte Hirsch von 1919 bis 1923 in Leipzig, Freiburg im Breisgau und Jena. Seine Approbation erlangte er 1923, 1927 promovierte er in Berlin. Er war Assistenzarzt an der Frauenklinik Dresden unter Erwin Kehrer und betrieb später eine Praxis in Berlin.
Gemeinsam mit Ernst Gräfenberg, Max Hirsch, Hans Lehfeldt und Hertha Riese gehörte Franz Hirsch zu den jüdischen Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, die sich in der Sexualreform-Bewegung als entschiedene Befürworter der Kontrazeption hervortaten, das Thema wissenschaftlich bearbeiteten und sich für die allgemeine Verfügbarkeit der entsprechenden Mittel einsetzten. Nach seiner Niederlassung in Berlin richtete Hirsch zusammen mit Lehfeldt und dem Dermatologen Felix A. Theilhaber, dem Direktor der Gesellschaft für Sexualreform (GESEX), in Berlin-Mitte eine Sexualberatungsstelle ein. Die GESEX engagierte sich für die Beratung ungewollt schwangerer Frauen und trat für die Abschaffung des Paragrafen 218 ein.
In der kontroversen Diskussion zur Kontrazeption auf dem DGG-Kongress 1931 appellierte Hirsch an die Mitglieder, namentlich „führende Universitätsprofessoren“ wie Walter Stoeckel und Georg August Wagner, sich in allen relevanten Gremien für die Verordnung von Kontrazeptiva als Kassenleistung einzusetzen. Der DGG-Vorstand hatte im Vorfeld des Kongresses den von Lehfeldt und Hirsch vorgelegten Entwurf einer entsprechenden Resolution abgelehnt. Zudem berichtete Hirsch auf diesem Kongress über seine Erfahrungen mit dem Abortivum „Interruptin“ an 20 Frauen, das seiner Ansicht nach der mechanischen Erweiterung der Zervix vorzuziehen war. 1929 nahm Hirsch am dritten Kongress der Weltliga für Sexualreform in London teil, wo er über die Möglichkeiten des damals neuen AB0-Blutgruppensystems zur Feststellung bzw. zum Ausschluss einer Vaterschaft referierte.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Hirsch mit seiner Ehefrau Adelheid (* 1903), die er im Oktober 1934 noch in Deutschland geheiratet hatte, nach London und am 26. August 1937 von Southampton in die USA, wo Hirsch in Chicago in einer Praxis als Arzt tätig war. Er hatte zwei Kinder, Violet (* 1937 in Großbritannien) und Jack (* 1940 in Chicago).Fritz Dross, Wolfgang Frobenius, Andreas Thum: »Wir können ihr Geschick nicht wenden« Die jüdischen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie im Nationalsozialismus. (Herausgegeben von Anton Scharl) Hentrich & Hentrich, Berlin 2020, S. 110 ff.
Einzelnachweise
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