Bruno Glatzl (getauft 16. Dezember 1721 in Passau; † 18. Februar 1773 in Traiskirchen/NÖ) war ein Benediktiner im Stift Melk und Virtuose an der Maultrommel.

Leben Die Familie Glätzl (oder Glatzl) war eine vom 17. bis in das 19. Jahrhundert in Passau lebende Patrizierfamilie und verkehrte dadurch in den obersten bürgerlichen Kreisen der Stadt. Sie waren Tuchhändler und besaßen eine Weingaststätte. Bruno Glatzl war der Neffe von Franz Ignaz Glätzl, Roman Glätzl und Franz Xaver Glätzl, die in der Wiener Hofmusikkapelle angestellt waren.

Der Sohn Georg Ferdinand Glätzls und seiner Gattin Maria Clara (geb. Moser) wurde auf den Namen seines Großvaters Johannes Sebastian Glätzl am 16. Dezember 1721 in der Passauer Pfarrkirche St. Paul getauft. Bei seinem Eintritt in das Benediktinerkloster Melk wählte er den Ordensnamen Bruno. Bald zeigte sich dort seine musikalische Begabung. Bereits kurze Zeit nach seiner feierlichen Profess am 1. Jänner 1745 und seiner Primiz am Kolomanitag, dem 13. Oktober 1747, wurde P. Bruno als directore chori psallentis mit der Verantwortung betraut, den Choralgesang der Mönche zu leiten. Darüber hinaus unterrichtete er bald an der Hauslehranstalt des Klosters.Stiftsbibliothek Melk, Professbuch, fol. 85.

Mit 28. Februar 1763 setzte Abt Urban II. Hauer Glatzl als Vikar in der Melker Stiftspfarre Weikendorf ein. Im Jahr darauf wurde er als Pfarrer nach Traiskirchen transferiert. Am 18. Februar 1773 fand Bruno Glatzl im Alter von nur 51 Jahren den Tod, als er im Pfarrhof von Traiskirchen von zwei Räubern mit fünf Messerstichen getötet wurde. Einer der beiden hatte zuvor bei Glatzl als Hausknecht gearbeitet.Stiftsbibliothek Melk, Professbuch, fol. 85. Das Begräbnis hielt P. Caspar Ebner von Ebenthal, der häufig gemeinsam mit P. Bruno musiziert hatte.

Wirken Bis heute ist Bruno Glatzl für sein virtuoses Spiel der Maultrommel bekannt, bei dem er mitunter auch auf zwei Instrumenten gleichzeitig spielte („[...] lusit in 2 Maultrommeln, nemlich er spielt den Prim und Secund zugleich und schlagt aus den Noten Minueter, Concerter, und tausend schön künstliche Sachen.“). Wo er das Instrument erlernte, ist bislang nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass seine Meisterschaft großen Eindruck machte, weshalb er immer wieder aus seiner Pfarre ins Stift geholt wurde, um dort zu konzertieren. So wurde etwa nach seinem ersten Auftritt für den Wiener Hof anlässlich der Durchreise zur Königskrönung Josephs II. in Frankfurt 1764 verlangt, dass Glatzl von nun an immer bei Besuchen des Kaiserhauses zu spielen habe.AT-StiAM (Stiftsarchiv Melk), Prioratsephemeriden, Bd. XX, S. 27 [22.04.1764].

Für Bruno Glatzl und den Melker Benediktiner und Lautenisten Caspar Ebner von Ebenthal entstanden vermutlich zwischen 1769 und 1771, vielleicht aber auch bereits davor, Kompositionen für Maultrommel und Mandora des vormaligen Melker Stiftsorganisten Johann Georg Albrechtsberger (Somfai 7–10) Er trug damit zum Brückenschlag zwischen gehobener Musikkultur und Volksmusik bei.

Einzelnachweise

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