Die Cerebras Systems Inc. mit Sitz in Sunnyvale im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt Halbleiter, Supercomputer und zugehörige Software für Anwendungen der künstlichen Intelligenz und des Deep Learning, darunter Inferenzsysteme.

Produktpalette Zu den Produkten gehören die Halbleiter Wafer Scale Engine 3 (WSE-3), die Supercomputer CS-3 sowie Programmierschnittstellen für eine „AI Inference Cloud“ und eine „AI Training Cloud“. Über diese Dienste können Kunden die Rechenleistung des Unternehmens nutzen, ohne dessen Hardware erwerben zu müssen. Cerebras errichtet zudem Rechenzentren mit eigenen Prozessoren und Supercomputern, um Kunden unmittelbar Cloud-Computing-Dienste anzubieten.

Die quadratischen WSE-3-Halbleiter haben eine Kantenlänge von 215 Millimetern und gelten als die bislang größten für KI-Anwendungen gebauten Halbleiter. Sie nehmen jeweils einen vollständigen Wafer ein und verwenden Wafer-Scale Integration sowie eine geschaltete Netzwerkstruktur. Gegenüber GPU-Clustern sollen dadurch die Latenzzeit und Engpässe bei der Verbindung der Recheneinheiten verringert werden. Die Chips nutzen SRAM anstelle von DRAM. Die Halbleiter und Computersysteme von Cerebras bieten eine hohe Rechenleistung, sind wegen ihrer Abmessungen, einer Leistungsaufnahme von 25 kW und Kosten von bis zu drei Millionen US-Dollar je Rechenknoten jedoch mit Nachteilen verbunden.

Kundenkreis Zu den vier wichtigsten Kunden des Unternehmens zählten 2025 die Mohamed bin Zayed University of Artificial Intelligence, auf die 62 Prozent des Umsatzes entfielen, und G42 mit 24 Prozent. Hinzu kamen OpenAI und Amazon Web Services, mit denen Cerebras 2026 Verträge schloss.

Niederlassungen Cerebras unterhält Niederlassungen in Sunnyvale, San Diego, Toronto und Bengaluru.

Fertiger Die Halbleiter werden von TSMC gefertigt, das nach Angaben des Unternehmens gegenwärtig als einziges Unternehmen über die technischen Möglichkeiten zur Herstellung der Cerebras-Chips verfügt.

Wettbewerber Als wichtigste Wettbewerber im Hardwaregeschäft nennt das Unternehmen Nvidia, AMD, Intel und Broadcom. Bei Cloud-Computing-Diensten konkurriert Cerebras unter anderem mit Amazon Web Services, Microsoft Azure, der Google Cloud Platform, der Oracle Corporation und CoreWeave.

Geschichte Cerebras Systems wurde 2015 von Andrew Feldman, Gary Lauterbach, Michael James, Sean Lie und Jean-Philippe Fricker gegründet. Die fünf Gründer hatten zuvor gemeinsam bei SeaMicro gearbeitet. Das 2007 von Feldman und Lauterbach gegründete Unternehmen war 2012 für 334 Millionen US-Dollar an AMD verkauft worden.

Die Gründer gingen davon aus, dass Grafikprozessoren für anspruchsvolle Rechenprozesse nicht optimal geeignet seien. Für den Bau eines Halbleiters in Wafergröße mussten sie jedoch neuartige Kühlverfahren entwickeln, um eine Überhitzung bei der Stromaufnahme zu verhindern, sowie Software, die gewöhnliche mikroskopische Fertigungsfehler umgehen konnte. Außerdem entwickelten sie eine Maschine, die gleichzeitig 40 Schrauben in den Wafer einsetzen konnte, ohne diesen zu beschädigen.

Besondere Schwierigkeiten bereitete das Packaging des integrierten Schaltkreises, also die Verbindung des Siliziums mit einer Hauptplatine, die Stromversorgung, die Kühlung und die Leitungen für den Datentransport. Das Unternehmen verbrauchte zeitweise acht Millionen US-Dollar pro Monat und investierte rund 200 Millionen US-Dollar in die Lösung dieser Probleme. Nach umfangreichen Versuchsreihen stellte Cerebras im Juli 2019 erstmals ein funktionsfähiges Produkt her.

Im August 2019 stellte Cerebras mit dem WSE-1 die erste Generation seiner Wafer-Scale-Engine-Halbleiter sowie das Supercomputersystem CS-1 vor. Der CS-1 ist für den Einbau in ein 19-Zoll-Rack ausgelegt und enthält einen einzelnen WSE-Hauptprozessor mit 400.000 Rechenkernen, 1,2 Billionen Transistoren, zwölf 100-Gigabit-Ethernet-Anschlüssen und 18 Gigabyte Speicher.

Zu den ersten Kunden gehörten Bildungseinrichtungen und Unternehmen aus den Biowissenschaften, die Supercomputer unter anderem für die Arzneimittelforschung, numerische Strömungsmechanik, genetische und genomische Forschung, die Vorhersage von Reaktionen auf Arzneimittel sowie für die COVID-19-Forschung einsetzten. Frühe Kunden waren unter anderem GlaxoSmithKline, AstraZeneca, das National Energy Technology Laboratory, das Lawrence Livermore National Laboratory, das Pittsburgh Supercomputing Center und das Edinburgh Parallel Computing Centre.

Im September 2020 eröffnete das Unternehmen eine Niederlassung in Japan und ging eine Partnerschaft mit Tokyo Electron ein.

Im April 2021 brachte Cerebras das System CS-2 auf den Markt. Es basierte auf der Wafer Scale Engine Two (WSE-2) mit 850.000 Rechenkernen. Der CS-2 wurde von TSMC im 7-Nanometer-Verfahren gefertigt. Das System war rund 66 Zentimeter hoch und nahm etwa ein Drittel eines gewöhnlichen Rechenzentrumsracks ein. Der WSE-2 verfügte über 850.000 Kerne und 2,6 Billionen Transistoren. Ein einzelnes System sollte KI-Modelle mit mehr als 120 Billionen Parametern unterstützen können. Gegenüber dem Vorgänger erhöhte Cerebras den auf dem Chip befindlichen SRAM auf 40 Gigabyte, die Speicherbandbreite auf 20 Petabyte pro Sekunde und die gesamte Netzwerkbandbreite auf 220 Petabit pro Sekunde. Zu den Kunden gehörten TotalEnergies, das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) und das Leibniz-Rechenzentrum.

Im Juni 2022 meldete Cerebras einen Rekord für die größten bis dahin auf einem einzelnen Gerät trainierten KI-Modelle. Ein CS-2-System mit einem Cerebras-Wafer trainierte Modelle mit bis zu 20 Milliarden Parametern. Das System konnte Modelle der Verarbeitung natürlicher Sprache mit mehreren Milliarden Parametern trainieren, darunter GPT-3XL mit 1,3 Milliarden Parametern, GPT-J 6B, GPT-3 13B und GPT-NeoX 20B. Nach Angaben des Unternehmens verringerte sich dabei die Komplexität der benötigten Software und Infrastruktur.

Ebenfalls im August 2022 eröffnete Cerebras eine Niederlassung in Bengaluru.

Im September 2022 kündigte Cerebras an, mehrere seiner Chips zu einem besonders großen Rechencluster für KI-Anwendungen verbinden zu können. Ein Wafer-Scale-Cluster kann bis zu 192 CS-2-Systeme umfassen. Ein Verbund aus 16 CS-2-Systemen erreicht 13,6 Millionen Rechenkerne für die Verarbeitung natürlicher Sprache. Für das Training wird Datenparallelität eingesetzt.

Im Oktober 2022 begannen die zur National Nuclear Security Administration gehörenden Sandia National Laboratories, den CS-2 für Berechnungen zur Verwaltung des US-amerikanischen Kernwaffenbestands einzusetzen. Damit sollte simuliert werden, ob Kernwaffen wie vorgesehen funktionieren würden.

Im November 2022 stellte Cerebras den Supercomputer Andromeda vor. Das System verband 16 WSE-2-Chips zu einem Cluster mit 13,5 Millionen für KI optimierten Rechenkernen und erreichte eine Rechenleistung von bis zu einem Exaflop, also mindestens einer Trillion Rechenoperationen pro Sekunde. Das Gesamtsystem benötigte 500 kW und verbrauchte damit deutlich weniger Strom als annähernd vergleichbare, GPU-beschleunigte Supercomputer.

Im Juli 2023 erklärte sich G42 bereit, rund 100 Millionen US-Dollar für den ersten von möglicherweise neun Supercomputern von Cerebras zu zahlen. Der erste Rechner, Condor Galaxy 1 (CG-1), erreichte eine Rechenleistung von vier Trillionen Gleitkommaoperationen pro Sekunde beziehungsweise vier Exaflops und enthielt 54 Millionen Rechenkerne. Im November 2023 wurde mit Condor Galaxy 2 (CG-2) ein zweiter Rechner mit ähnlichen Leistungsmerkmalen angekündigt. Im März 2024 begannen die Unternehmen mit dem Bau von Condor Galaxy 3 (CG-3), der acht Exaflops erreichen und 58 Millionen für KI optimierte Kerne enthalten sollte.

Im August 2023 veröffentlichten Cerebras, die Mohamed bin Zayed University of Artificial Intelligence und die G42-Tochtergesellschaft Inception das arabischsprachige Large Language Model Jais.

Im März 2024 stellte Cerebras die Architektur Wafer Scale Engine 3 (WSE-3) vor. Der im 5-Nanometer-Verfahren gefertigte Chip enthielt vier Billionen Transistoren und 900.000 für KI optimierte Rechenkerne und bildete die Grundlage des CS-3. Seine Leistung war nach Unternehmensangaben doppelt so hoch wie die des CS-2. Das US-Magazin Time nahm den CS-3 in seine Liste der besten Erfindungen des Jahres 2024 auf.

Im Mai 2024 simulierte Cerebras gemeinsam mit Forschern der Sandia National Laboratories, des Lawrence Livermore National Laboratory, des Los Alamos National Laboratory und der National Nuclear Security Administration die Wechselwirkungen von 800.000 Atomen. Die Berechnung erfolgte in Zeitschritten von jeweils einer Femtosekunde. Jeder Schritt benötigte auf dem Cerebras WSE-2 lediglich einige Mikrosekunden und war damit wesentlich schneller als auf dem Supercomputer Frontier.

Im Juni 2024 kündigte Cerebras eine Zusammenarbeit mit Dell Technologies bei Recheninfrastruktur für generative KI an. Im Januar 2025 kündigte die Mayo Clinic eine Zusammenarbeit mit Cerebras an. Genomische Daten sollten mit anonymisierten Daten aus Patientenakten und medizinischen Erkenntnissen zusammengeführt werden, um zu untersuchen, ob sich die Reaktion eines Patienten auf Behandlungen und damit der Verlauf einer Erkrankung vorhersagen lässt.

Im März 2025 gab Cerebras Pläne für sechs neue Rechenzentren in Dallas, Minneapolis, Oklahoma City, Montreal, New York und Frankreich bekannt. Dadurch sollte die Inferenzkapazität um den Faktor 20 auf mehr als 40 Millionen Tokens pro Sekunde steigen. Das Unternehmen erwartete insbesondere durch Llama 4 und DeepSeek eine höhere Nachfrage. Im April 2025 vereinbarte Meta Platforms, Cerebras-Produkte für seine Llama-Programmierschnittstelle einzusetzen.

Im Mai 2025 erzielte Cerebras bei der Inferenz des Sprachmodells Llama 4 Maverick mit 400 Milliarden Parametern in einem Test eines unabhängigen Benchmarking-Unternehmens mehr als 2.500 Tokens pro Sekunde und Nutzer. Nvidias Blackwell erreichte in dem Vergleich 1.000 Tokens.

Im Januar 2026 schloss Cerebras mit OpenAI einen Vertrag über die Bereitstellung von 750 Megawatt Rechenleistung bis 2028 im Wert von zehn Milliarden US-Dollar. Im Rahmen der Vereinbarung war Cerebras zeitweilig untersagt, seine Produkte an Anthropic zu verkaufen.

Im März 2026 vereinbarte Amazon Web Services den Kauf von CS-3-Systemen. Sie sollten zusammen mit Trainium-basierten Servern in den Rechenzentren des Unternehmens für Amazon Bedrock eingesetzt werden.

Am 14. Mai 2026 wurde Cerebras durch den größten Börsengang eines US-Technologieunternehmens seit 2019 zu einer börsennotierten Gesellschaft. Das Unternehmen nahm durch den Verkauf von 30 Millionen Aktien zu je 185 US-Dollar insgesamt 5,55 Milliarden US-Dollar ein. Der erste Kurs an der Nasdaq lag bei 350 US-Dollar und bewertete Cerebras mit 95 Milliarden US-Dollar. Die CBRS-Aktie stieg am ersten Handelstag um 68 Prozent.

Einzelnachweise

Kategorie:Unternehmensgründung 2015 Kategorie:Unternehmen (Sunnyvale, Kalifornien) Kategorie:Fabless