Roman Zenkteler, auch Zenkteller, (* 2. August 1889 in Buk, Powiat Poznański, Polen;Präzises Geburtsdatum und -ort nach: Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, Frankfurt am Main 2013, S. 448. † 19. Juli 1975 in Posen) war ein polnischer Militärarzt, der Häftlingsarzt im KZ Auschwitz war.

Leben Zenkteler absolvierte ein Medizinstudium und wurde promoviert. Er nahm als Sanitätsoffizier der deutschen Armee am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende diente er als Militärarzt in der polnischen Armee.Bogdan Musiał: »Lagermedizin« in Auschwitz. Funktion und Dilemmata der Häftlingsärzte 1940–1945, Hamburg 2024, S. 636

Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 geriet er in Kriegsgefangenschaft und wurde zunächst im Offizierslager Neu-Brandenburg interniert. Durch die Geheime Staatspolizei wurde er im September 1941 als „Intelligenzpole“ in das KZ Auschwitz verbracht. Zunächst wurde er als Häftlingspfleger im Russenlager eingesetzt. Im März 1942 wurde er in das KZ Auschwitz-Birkenau verlegt, wo er als Häftlingsarzt im Krankenbau des Männerlagers arbeiten musste. Zenkteler wurde dort leitender Häftlingsarzt, der Vertrauensmann der Lager-SS war und auch an Selektionen teilnahm. Von Auschwitzüberlebenden wurde Zenkteler als antisemitisch eingestellt beschrieben. Insbesondere gegenüber kranken Häftlingen soll er sich äußerst brutal und sadistisch verhalten haben; aber auch Funktionshäftlinge wurden von ihm in gleicher Weise behandelt:Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Frankfurt 1980, S. 251f

Im Herbst 1944 wurde er in das Zwangsarbeitslager Ohrdruf überstellt. Kurz zuvor wurde er fast durch andere Häftlinge gelyncht, als er sich bereits in einem Eisenbahnzug an der Rampe in Auschwitz-Birkenau zur Überstellung in ein anderes Lager befand. Zenkteler soll – während bereits andere Häftlinge auf ihn einschlugen – um Hilfe gerufen haben und dann durch einen ihm bekannten SS-Arzt wieder ins Lager zurückgebracht worden sein.Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Frankfurt 1980, S. 219f

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde er aufgrund einer Anzeige wegen Kriegsverbrechen durch die amerikanischen Besatzungsbehörden nach Polen ausgeliefert, wo er 1948 freigesprochen wurde. Zenkteler starb 1975 im Alter von 85 Jahren und wurde in Posen auf dem Friedhof Sołacki, dem Pfarrfriedhof des Heiligen Johannes Vianney, beigesetzt.

Literatur

Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz.Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2. Bogdan Musiał: »Lagermedizin« in Auschwitz. Funktion und Dilemmata der Häftlingsärzte 1940–1945. Hamburger Edition, Hamburg 2024, ISBN 978-3-86854-394-0.

Einzelnachweise

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