Die Belagerung von Kowno (1658–1659) war eines der Ereignisse des Russisch-Polnischen Krieges von 1654–1667. Die russische Garnison unter dem Kommando von Afanasij Jurjew Nesterow hielt der Belagerung von Kowno durch Truppen des Großfürstentums Litauen mehr als drei Monate lang erfolgreich stand.

Vorgeschichte Ende des Jahres 1658 verschärften sich die Beziehungen zwischen den russischen Truppen im Großfürstentum Litauen und dem örtlichen Adel deutlich. Dies führte schließlich zum Bruch des Wilnaer Waffenstillstands von 1658 und zur Wiederaufnahme des Krieges. Gleichzeitig schloss sich im Zuge der Aufstände des Adels nach dem Abschluss des Vertrags von Hadjatsch ein Teil der Saporoger Garnisonen in Belarus unter Führung des Atamans Iwan Netschaj der Gegenseite an. Schon bald begannen in Litauen militärische Auseinandersetzungen, deren Höhepunkt die Schlacht bei dem Dorf Werki am 21. Oktober bildete. In dieser fügte die Armee Yury Dolgorukovs den litauischen Truppen unter Wincenty Gosiewski eine Niederlage zu. Trotz dieses Erfolges verließen die Hauptkräfte der russischen Armee Litauen, da ihre Nachschublinien durch die Kosaken bedroht wurden. Infolgedessen wurden die russischen Garnisonen in den größeren Städten im Herbst 1658 von den Truppen des Großfürstentums Litauen eingeschlossen.

Die an der Belagerung von Kowno beteiligten Streitkräfte des Großfürstentums Litauen bestanden aus Abteilungen des litauischen Adels, vor allem aus dem Kreis Kowno. Darunter befanden sich auch Angehörige des zuvor „vereidigten“ Adels, die früher auf der Seite der russischen Truppen gestanden hatten. Die Stärke des Belagerungskorps war nicht konstant.

Woiwode Nesterow nennt in seinem Bericht folgende „Obersten“ des Litauischen Heeres: Jerzy Karol Hlebowicz, Starost von Samogitien; Martian Aleksander Ogiński, litauischer Oberst; Hieronim Kryszpin-Kirszensztejn, Oberst und Großküchenmeister Litauens; Mikołaj Skorulski, Chorąży (Fahnenträger) von Kowno; Jan Stanisław Gieysztor, Starost von Kowno;

Die Stärke des litauischen Korps könnte mehrere Tausend Mann erreicht haben. Dem Bericht des russischen Woiwoden zufolge verfügten die Litauer über eine gewisse Anzahl von Geschützen, höchstwahrscheinlich Feldkanonen. Das Kommando führte zunächst Jerzy Hlebowicz, der jedoch bereits im Dezember in das Lager der litauischen Armee abreiste. Die russische Garnison von Kowno war klein und bestand aus mehreren Soldatenkompanien. Aufgrund schwerer Verluste durch eine Epidemie in den vorangegangenen Jahren war sie erheblich geschwächt. Unmittelbar vor Beginn der Belagerung erhielt sie eine geringe Verstärkung durch den Stolnik A. Nesterow und dessen bewaffnete Begleitung, die nach Verhandlungen mit dem Kurfürsten von Brandenburg nach Russland zurückkehrten. Nesterow übernahm schließlich die Leitung der Verteidigung.Prudowski, P. I. S. 342–347

Die Belagerung Die ersten litauischen Abteilungen erschienen am 7. November (28. Oktober) 1658 vor der Stadt. Im Laufe des Novembers erhielten sie fortlaufend Verstärkungen. In den ersten Tagen der Belagerung gelang es den litauischen Truppen, einer russischen Soldatenabteilung eine Niederlage zuzufügen. Anschließend unternahmen die Litauer drei Sturmangriffe auf die Festung. Nachdem diese gescheitert waren, forderten sie den russischen Woiwoden zu Verhandlungen auf und boten ihm eine ehrenvolle Kapitulation an. Nach seiner Ablehnung setzten die Litauer die Belagerung fort.

Weitere Sturmangriffe wurden von den litauischen Truppen am 26. und 29. Januar 1659 durchgeführt. Dabei brachten sie eine unter den Festungsmauern angelegte Mine zur Explosion. Die Belagerung der Festung mit verhältnismäßig geringen Kräften war möglich, weil die Hauptkräfte der russischen Armee durch Kämpfe am Dnepr gebunden waren. Mit der zunehmenden Festigung der russischen Positionen im Osten des Großfürstentums Litauen wurde die Belagerung jedoch immer aussichtsloser.

Ein Teil der litauischen Truppen musste das Lager aufgrund von Lebensmittelmangel verlassen. Die Blockade der Festung wurde schließlich nur noch von etwa 1.000 Mann aufrechterhalten, was einen erfolgreichen Entsatzversuch ermöglichte. Am 20. Februar 1659 näherte sich der Stadt eine 1.100 Mann starke Abteilung unter Oberst Jakow Urwin, die vom Woiwoden Michail Schachowskij aus Wilna entsandt worden war. Die Litauer stellten sich nicht zur Schlacht, sondern zogen sich zurück und hoben die Belagerung von Kowno auf.Акты Московского государства. — Т. 3. — S. 39—41

Literatur Prudowski, P. I. Не только пером: Отписка царского дипломата об обороне Ковна от польско-литовских войск в конце 1658 — начале 1659 г.// Единорог. Материалы по военной истории Восточной Европы эпохи Средних веков и Раннего Нового времени. — Выпуск 2. — М.: Квадрига, 2011

Einzelnachweise

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