Madeleine Dreyfus, geborene Kahn (geboren 1. März 1909 im 9. Arrondissement, Paris; gestorben 10. Januar 1987, 10. Arrondissement, Paris), war eine französische Psychologin und Widerstandskämpferin. Sie stammte aus einer assimilierten jüdischen Familie und pflegte Kontakte mit den Surrealisten André Breton und Jean Cocteau. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie in Lyon für das Œuvre de secours aux enfants (OSE). Sie gehörte dem Widerstandsnetzwerk Réseau Garel von Georges Garel an. Sie wurde verhaftet und mit dem Convoi n° 80 am 23. Juli 1944 vom Sammellager Drancy nach Bergen-Belsen deportiert. Sie überlebte den Holocaust und setzte nach dem Krieg ihre Arbeit beim OSE fort.

Leben Dreyfus stammte aus einer elsässischen assimilierten jüdischen Familie und war das erste von fünf Kindern von Félix Samuel Kahn (1881–1943) und Charlotte Jeanne Coblenz (1887–1982). Sie hatte drei Brüder, Henri Victor (1910–1912), Roger Rémy (1913–1979), René Gabriel (1918–2000) und Martine Félicia Alice (1922–2019).

Nach ihrem Abitur in Paris im Jahr 1927 verkehrte sie in surrealistischen Kreisen, insbesondere mit André Breton und Jean Cocteau. 1933 heiratete sie Raymond Dreyfus, geboren am 19. Januar 1903 in Lille, einen Geschäftsmann. Sie hatten drei Kinder: Michel (geboren 1934), Jacques (geboren 1937) und Annette (geboren 1943).

Mitte der 1930er Jahre begann sie, sich intensiv mit Psychologie bei Sophie Lazarsfeld zu beschäftigen.

Die Familie Dreyfus flüchtete 1941 vor den Deutschen nach Lyon. Angeworben von Elisabeth Hirsch, die den Lyoner Zweig des Œuvre de secours aux enfants (OSE) leitete, schloss sich Dreyfus dem Widerstandsnetzwerk Réseau Garel von Georges Garel an. Sie kümmerte sich darum, Familien oder Einrichtungen zu finden, in denen jüdische Kleinkinder oder Jugendliche untergebracht werden konnten. So gelangte sie in das Dorf Le Chambon-sur-Lignon und lernte dort den Pastor der reformierten Pfarrgemeinde, André Trocmé und seine Frau Magda sowie die Dorfbewohner kennen, die sich freiwillig für die Hilfe engagierten. Zwei Jahre lang pendelte Dreyfus zwischen Lyon und Le Chambon hin und her, brachte Kinder dorthin und blieb mit ihnen in Kontakt.

Eine der kooperierenden Einrichtungen war ein Heim für taubstumme Kinder in Villeurbanne. Dort wurden einzelne Kinder für einige Tage untergebracht. Im November 1943 erfuhr Dreyfus von einer dort unmittelbar bevorstehenden Razzia der Gestapo. Sie begab sich zum Heim, um ein dort verweilendes jüdisches Kind zu retten. Die Gestapo war jedoch bereits eingetroffen und Dreyfus, die zu der Zeit ihre eigene, zwei Monate alte Tochter noch stillte, wurde verhaftet. Es gelang ihr aber noch, ihre Familie über ihre Verhaftung zu informieren, so dass diese aus der Familienwohnung in Villeurbanne fliehen konnte.

Sie wurde mit dem Transport „I.296“, der aus jüdischen Widerstandskämpfern bestand, ins Deutsche Reich deportiert und im KZ Bergen-Belsen in eine Baubrigade gesteckt. Im Mai 1945 wurde sie aus Bergen-Belsen befreit und kehrte nach Frankreich zurück. Mit Dekret vom 31. März 1947 erhielt sie die Médaille de la Résistance.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Dreyfus als Psychologin weiterhin beim OSE. Außerdem führte sie eine Privatpraxis. Sie war 1963 eine der Gründerinnen des Institut de Formation et d’Études en Psychopédagogie et Psychosociologie (IFEPP).

Dreyfus starb am 10. Januar 1987 im 10. Arrondissement in Paris.

Weblinks Fotografien aus dem von Dreyfus geführten Notizbuch zu ihren jüdischen Schützlingen auf der Website Conspiracy of Goodness: How French Protestants Saved Thousands of Jews During WWII des Harriet & Kenneth Kupferberg Holocaust Centers. Eintrag zu „Madeleine Dreyfus“ auf der Website der Gedenkstätte Stille Helden.

Einzelnachweise

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