mini|Hertz und Yvonne Jospa Yvonne Jospa, geborene Have Groisman, Pseudonym in der belgischen Résistance Yvonne Jaspar (geboren 3. Februar 1910 in Păpăuţi, Rajon Rezina, Gouvernement Bessarabien; gestorben 29. Januar 2000 in Brüssel, Belgien), war eine jüdische, belgische Widerstandskämpferin.Sofern nicht explizit anders referenziert, folgt die Darstellung der angegebenen Literatur. Sie war im September 1942 Mitgründerin und führende Organisatorin des Comité de Défense des Juifs, in dem sie zusammen mit ihrem Ehemann Ghert (Hertz) Jospa über 3.000 jüdische Kinder vor der Deportation und dem Tod rettete.
Leben Groisman wurde in eine linksgerichtete, wohlhabende jüdische Familie in Bessarabien geboren und besuchte das jüdische Gymnasium in Chişinău. Sie kam nach Belgien mit der Absicht, an der Universität Lüttich Philosophie und Literatur zu studieren. Da sie ihre Abschlussprüfungen nicht bestand, wechselte sie zur École Centrale de Service Social in Brüssel und absolvierte eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin. Anschließend arbeitete sie für das Institut für Soziologie der Université libre de Bruxelles (ULB), für das sie verschiedene Forschungsarbeiten und Feldstudien in ganz Belgien durchführte. 1933 heiratete sie Ghert Jospa, der ebenfalls zum Kreis der aus Bessarabien nach Westeuropa gekommenen jüdischen Bildungsbürger gehörte. Jospa erhielt Ende November 1937 die belgische Staatsangehörigkeit.
Das Ehepaar Jospa engagierte sich zunächst in der Kommunistischen Partei Belgiens, ab 1936 dann in der Antirassismus-Organisation Ligue Contre le Racisme et l’Antisémitisme, der belgischen Sektion der Ligue Internationale Contre l’Antisémitisme. Sie beteiligte sich an der Aufnahme von Kinderflüchtlingen aus dem Spanischen Bürgerkrieg und an der Organisation der geheimen Durchreise von Freiwilligen für die Internationalen Brigaden durch Belgien. In einem von Martine Goldberg 1995/1996 geführten ausführlichen Interview der Fondation pour la Mémoire Contemporaine (FMC) berichtete Jospa:
1942 gründete Jospa gemeinsam mit ihrem Ehemann und den Widerstandskämpfern Chaim und Fela Perelman das Comité de Défense des Juifs (CDJ), eine der wichtigsten jüdischen Widerstandsorganisationen im besetzten Belgien.
Nach Interviewaufzeichnungen und Dokumenten in der Wiener Holocaust Library in London stellte Jospa gefälschte Lebensmittelkarten und Ausweispapiere für jüdische Kinder und Erwachsene her und führte detaillierte Aufzeichnungen über den genauen Aufenthaltsort jedes einzelnen jüdischen Kindes, damit ihre Familien sie eines Tages vielleicht wiederfinden könnten, selbst wenn sich die Kinder nicht mehr an ihre leiblichen Eltern und jüdischen Verwandten erinnern würden. Jospa erinnerte sich später: „Es war von entscheidender Bedeutung, dass wir tatsächlich jedes Kind identifizieren konnten, das sich hinter einem angenommenen Namen verbarg, denn manche sehr kleine Kinder kannten nur ihren Decknamen. Ebenso musste unsere Einrichtung genau wissen, wo die Kinder untergebracht waren. Um diesen wichtigen Anforderungen gerecht zu werden, richtete ich ein Büro mit verschlüsselten Dokumenten ein, in dem alle notwendigen Informationen zusammengefasst waren […] Ich war der Meinung, dass zwar die körperliche Sicherheit der Kinder unser Hauptanliegen war, wir aber auch so weit wie möglich für ihren Seelenfrieden und ihre seelische Stabilität sorgen und ihr Bedürfnis nach Zuneigung stillen sollten, indem wir den Kontakt zu ihren Eltern aufrechterhielten […].“
Ghert Jospa wurde im Juni 1943 verhaftet, im Fort Breendonk inhaftiert und im Mai 1944 in das KZ Buchenwald deportiert. Jospa nahm zwischenzeitlich an, er sei dort ums Leben gekommen, doch kehrte er am 8. Mai 1945 zurück, nachdem das Lager von amerikanischen Truppen befreit worden war.
Im Jahr 1964 war Jospa Mitbegründerin der Union des Anciens Résistants Juifs de Belgique („Vereinigung ehemaliger jüdischer Widerstandskämpfer Belgiens“), deren Ehrenvorsitzende sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2000 blieb. Zusammen mit ihrem Ehemann und anderen war sie zudem Mitbegründerin der belgischen Sektion des 1949 in Paris gegründeten, von Kommunisten geführten Mouvement contre le racisme, l’antisémitisme et pour la paix („Bewegung gegen Rassismus und Antisemitismus und für den Frieden“). Die belgische Sektion wurde 1966 in Mouvement contre le racisme, l’antisémitisme et la xénophobie („Bewegung gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit“) umbenannt. Jospa war eine überzeugte Kommunistin, lehnte es jedoch nach 1947 ab, antizionistische Positionen zu vertreten. Sie wurde Ehrenmitglied des Vereins L’Enfant Caché („Das versteckte Kind“).
Jospa starb 2000 in Brüssel. Im Januar 2003 wurde im Brüsseler Stadtzentrum eine Straße ihr benannt, die Rue Yvonne Jospa.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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