mini|Prunkschrank in der Galleria Colonna mit Elfenbeinarbeiten von Franz und Dominicus Stainhart Franz Stainhart der Ältere (auch Franz Stainhard, Steinhard, Steinhart, Stainhardt; * 7. Juli 1651 in Weilheim; † 2. März 1695 ebenda) war ein bayerischer Bildhauer und Elfenbeinschnitzer des Barock.

Leben

Herkunft und Ausbildung Franz Stainhart wurde als Sohn des Bildschnitzers Matthias Stainhart geboren, der seit 1639 in Weilheim ansässig war und unter anderem Aufträge des kurbayerischen Hofs ausführte, so für den Skulpturenschmuck des kurfürstlichen Prunkschiffs „Bucentaur“ am Starnberger See. Weilheim war zu dieser Zeit ein überregionales Zentrum der Bildhauerei. Über seine Mutter liegen keine gesicherten Angaben vor. Franz hatte mit Dominicus und Joseph zwei Brüder, die ebenfalls als Bildhauer in Weilheim tätig waren. Er und Dominicus wurden vermutlich in der väterlichen Werkstatt in Weilheim ausgebildet.

Italienaufenthalt Von etwa 1674 bis 1682 hielt sich Franz Stainhart gemeinsam mit seinem Bruder Dominicus in Italien auf, seit etwa 1677 nachweislich in Rom. Dort standen die Brüder zeitweise in Diensten des Fürsten Radziwiłł.Bavarikon: Stainhart (Stainhardt, Steinhard, Steinhart), Franz. Online: https://www.bavarikon.de/object/bav:UBR-BOS-0000P760XTB00032

In Rom schufen die Brüder gemeinsam ihr Hauptwerk: das umfangreiche Dekor eines von dem Architekten Carlo Fontana entworfenen Prunkschranks für die Galleria Colonna. Auftraggeber der Galerie und damit auch des Schranks war Lorenzo Onofrio Colonna, der das Bauprojekt gemeinsam mit seinem Onkel, Kardinal Girolamo Colonna, seit den 1650er Jahren vorantrieb. In die Front des Schranks sind neben ornamentalen Elementen 28 Elfenbeinreliefs mit biblischen und mythologischen Darstellungen eingefügt, im Zentrum eine Nachbildung von „Michelangelos Jüngstem Gericht“.

Rückkehr nach Weilheim Nach ihrer Rückkehr aus Italien bewarben sich die Brüder im Januar 1683 gemeinsam um eine feste Anstellung am Münchner Hof. Die Bewerbung blieb trotz Fürsprache von Hofbauamt und Hofkammer erfolglos, woraufhin sich die Brüder in Weilheim niederließen. Dort heiratete Franz Stainhart 1683 Katharina, Tochter des Weilheimer Hüters Johannes Loth (auch Lott, * 1635) und dessen Frau Regina, geborene Rait. Aus der Ehe ging unter anderem der Sohn Franz (* 1683) hervor, der ebenfalls als Bildhauer, jedoch in München, tätig wurde. Franz Stainhart der Ältere starb am 2. März 1695 in Weilheim.

Werk Franz Stainharts eigenständiges Werk lässt sich von dem seines Bruders Dominicus bislang nur unzureichend abgrenzen. Laut Neuer Deutscher Biographie ist das Gesamtwerk der beiden Brüder bis heute nicht gründlich erfasst und bedürfte einer kritischen Sichtung. Selbst ihr gemeinsames Hauptwerk, die Reliefs am Schrank der Galleria Colonna, ist nicht vollständig dokumentiert. Weitere Arbeiten aus dem Umkreis der Brüder Stainhart befinden sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, im Kunsthistorischen Museum Wien, in den Kunstsammlungen des Stifts St. Florian und in der Wallace Collection, London.

Literatur Karl Feuchtmayer: Stainhart, Franz I. In Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 31: Verlag von E. A. Seemann, Leipzig 1937, S. 451. Repozytorium Politechniki Krakowskiej - Online

Einzelnachweise

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