Anna (Hana) Rosa Drukker, , geborene Ans Roza van Dam (geboren 15. September 1916 in Rotterdam, Niederlande; gestorben 9. August 2010 in Jerusalem, Israel) war eine jüdische niederländisch-israelische Ärztin und Widerstandskämpferin, die während des Holocaust 35 jüdische Kinder und viele jüdische Erwachsene retten konnte.
Leben Drukker war die Tochter von Abraham van Dam und Nel Olf. Ihre Mutter war Protestantin und konvertierte 1915 zum reformierten Judentum; daraufhin zog die Familie nach Hilversum in der Nähe von Amsterdam. Im Jahr 1926 wurden Mutter und Tochter orthodoxe Jüdinnen.
Als die Niederlande im Mai 1940 von den Deutschen besetzt wurden, studierte Drukker Medizin in Amsterdam. Nach der Bombardierung von Rotterdam 1940, bei der die Einwohnerregister der Stadt zerstört wurden, gelang es ihr, sich als Nichtjüdin registrieren zu lassen. Nach einem Einspruch wurde sie als „Mischling ersten Grades“ eingestuft. Dieser Status gewährte ihr relative Bewegungsfreiheit und einen Personalausweis ohne den Judenstempel, sodass sie sich zwischen jüdischen und christlichen Gemeinden bewegen konnte, ohne sofort Verdacht zu erregen.
Drukker schloss sich dem studentischen Widerstand an und konzentrierte sich darauf, jüdische Säuglinge und Kinder aus der Hollandsche Schouwburg, dem Jüdischen Theater in Amsterdam zu retten, in dem sie zur Deportation festgehalten wurden. Sie schmuggelte diese Kinder zu christlichen Familien im Süden der Niederlande. Außerdem verschaffte sie Nathan Dasberg, dem Bruder des Oberrabbiners Simon Dasberg, ein Versteck.
Ende November 1943 wurde sie von den Deutschen im Zusammenhang mit der Rettung eines jüdischen Mädchens verhaftet. Sie wurde drei Wochen lang von der Gestapo verhört, jedoch ohne Erfolg. Daraufhin wurde sie nach Auschwitz deportiert. Dank ihrer medizinischen Ausbildung arbeitete sie im Häftlingskrankenbau und behandelte die Häftlinge oft mit minimaler Ausrüstung. Berichten zufolge hatte sie lediglich ein einziges Thermometer bei sich. Sie nutzte ihre Kenntnisse mehrerer Sprachen, darunter Deutsch, um Nachschub auszuhandeln und die Lebensbedingungen für sich und andere Häftlinge zu verbessern. Später wurde sie auf eigenen Wunsch in die Lager Kaufering und anschließend Mühldorf verlegt.
Nach dem Krieg kehrte sie in ihre Heimat in den Niederlanden zurück und wurde mit ihrer Familie wiedervereint. Sie schloss ihr Medizinstudium ab und heiratete den Arzt Meir Drukker. 1953 wanderten sie mit ihren Kindern nach Israel aus. Drukker arbeitete als Ärztin in Netzer Sereni und Beer Jaʿakov. 1957 zogen sie nach Jerusalem.
Während des Jom-Kippur-Kriegs von 1973 schloss sie sich einer Einheit an, die Familien über den Tod ihrer Angehörigen informierte. Eines Tages erschienen ihre Kollegen der Einheit bei ihr zu Hause und mussten ihr mitteilen, dass ihr Sohn Micha, ein Offizier im Panzerkorps, westlich des Suezkanals gefallen war. Drukker starb 2010 im Alter von 93 Jahren in Jerusalem.
Weblinks Eintrag für „Ans Roza van Dam“ auf der Website von Yad Vashem
Einzelnachweise
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