mini|hochkant|Ostansicht mit Turm (2021)
Die römisch-katholische Christus-König-Kirche ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude im Duisburger Stadtteil Dellviertel in Nordrhein-Westfalen, unmittelbar an der Grenze zum Stadtteil Hochfeld. Sie ist nach dem König Jesus Christus benannt und wurde 1953 eröffnet. Die Kirche steht an der Johanniterstraße 93 auf einem Eckgrundstück zur Karl-Jarres-Straße, einer der wichtigsten Verkehrsachsen des Duisburger Stadtbezirks Mitte, zusammen mit dem Gebäude eines ehemaligen Augustinerklosters.
Kirchengemeinde Christus König
Die Christus-König-Kirche gehörte zunächst zum Bistum Münster und ging 1958 an das neu errichtete Bistum Essen über. Sie ist dem Dekanat Duisburg-Mitte zugeordnet. Bis zum Jahr 2000 war sie Pfarrkirche der selbstständigen Kirchengemeinde Christus König. Zum 1. September 2000 wurde die Kirchengemeinde Christus König mit den Hochfelder Gemeinden St. Peter und St. Bonifatius zur neuen Pfarrgemeinde St. Bonifatius zusammengeschlossen. Seitdem war Christus König Filialkirche. Im Zuge einer weiteren Strukturreform wurden zum 1. Oktober 2006 alle Pfarrgemeinden des Dekanats Duisburg-Mitte zur Großpfarrei Liebfrauen vereinigt. Die bisherige Pfarrgemeinde St. Bonifatius ging darin als Gemeinde Christus König auf, deren Pfarrgebiet den südlichen Teil des Dellviertels sowie Hochfeld umfasst. Christus König wurde Gemeindekirche, während St. Bonifatius zunächst den Status einer Filialkirche erhielt. Sie wurde am 4. März 2017 profaniert und der koptisch-orthodoxen Gemeinde Duisburg „Hll. Kosmas und Damian“ überlassen. Die Kirche St. Peter erhielt zunächst den Status einer „weiteren Kirche“ und wurde am 11. November 2007 profaniert.
Das Gemeindebüro der Gemeinde Christus König befindet sich gemeinsam mit einer Kindertagesstätte im ehemaligen Augustinerkloster neben der Christus-König-Kirche an der Karl-Jarres-Straße 152. Zur Gemeinde gehören außerdem die 2012 eingerichtete Kapelle im Sozialzentrum St. Peter an der Brückenstraße, die in der umgebauten ehemaligen Kirche St. Peter untergebracht ist, sowie die Kapelle der Marien-Klinik an der Grunewaldstraße.
Geschichte
Zu Beginn der 1950er Jahre begannen die Planungen für die Gründung einer neuen Kirchengemeinde mit eigener Pfarrkirche. Zuvor waren die Gläubigen in diesem Gebiet den Kirchengemeinden St. Bonifatius und St. Joseph am Dellplatz zugeordnet. An den Planungen war auch Heinrich Baaken beteiligt, der damals Pfarrer der Kirchengemeinde St. Bonifatius war und kurze Zeit später zum Weihbischof des Bistums Münster ernannt wurde. Mit der Planung der Kirche wurde der Berliner Diözesanbaurat Felix H. Hinssen beauftragt. Er hatte bereits von 1951 bis 1952 beim Bau der Kirche St. Rita in Berlin-Reinickendorf mit dem Augustinerorden zusammengearbeitet. Die Christus-König-Kirche ist sein einziges Bauwerk in Westdeutschland.Andreas Miadowicz: Unterschutzstellungsverfahren – Eintragungstext Kath. Kirche Christus König. Stadt Duisburg, Untere Denkmalbehörde, 1. Juli 2021.
Die Bauarbeiten begannen zwischen 1952 und Anfang 1953. Gleichzeitig entstand als nördlicher Anbau an die Kirche ein Augustinerkloster. Die Augustiner übernahmen anschließend die Seelsorge in der neu gegründeten Gemeinde. Das Kloster wurde am 28. August 1953 eingeweiht. Die Konsekration der Kirche nahm Weihbischof Heinrich Baaken am 3. und 4. Oktober 1953 vor.
Zu Beginn der 1970er Jahre wurde der Kirchenraum im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil liturgisch neu gestaltet. Dabei wurde insbesondere der Altarbereich umgebaut und die liturgische Ausstattung größtenteils neu angeschafft. Im Jahr 1977 wurde die Kirchendecke erneuert. Zwischen 1990 und 1991 wurden die Orgel ersetzt sowie die Orgelempore erweitert und umgestaltet. Der Augustinerkonvent wurde wohl 1994 aufgelöst.
Am 3. November 2021 wurde die Christus-König-Kirche einschließlich ihrer Ausstattung ohne die Orgel als Baudenkmal unter der Nummer 715 in die Denkmalliste der Stadt Duisburg eingetragen. Die Unterschutzstellung erfolgte zu einer Zeit, als über einen möglichen Abriss des Gebäudes diskutiert wurde.
Im Jahr 2026 begannen die Vorbereitungen für einen geplanten Umbau der Kirche. In diesem Zusammenhang wurde der Kirchenraum geschlossen. Die Gottesdienste finden seitdem im Gemeindesaal unterhalb der Kirche statt.
Beschreibung
Baubeschreibung
Im niedrigen Erdgeschoss des Kirchengebäudes befinden sich auf der gesamten Grundfläche Räume für die Gemeindearbeit. Der eigentliche Kirchenraum liegt im Obergeschoss. Er ist als Saalkirche mit kreuzförmigem Grundriss ausgeführt. Das Langhaus wird von einem Querhaus durchbrochen, während der nach Süden ausgerichtete Chor betont vom übrigen Kirchenraum abgesetzt ist. Die Außenwände bestehen aus kleinteiligem Bruchsteinmauerwerk und werden von einem Satteldach abgeschlossen. Die Gestaltung des Bauwerks ist einerseits schlicht und auf klare Grundformen reduziert, zeigt andererseits aber eine monumentale Wirkung.
Die Architektur orientiert sich an historisierenden Vorbildern mit romanisierenden Formen. Dabei werden Gestaltungselemente mittelalterlicher Kirchen aufgegriffen und in einer vereinfachten Formensprache umgesetzt. Dieser Baustil war bereits in den 1930er Jahren, insbesondere im Gebiet des Bistums Münster, bei Kirchenneubauten verbreitet und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Mitte der 1950er Jahre vielfach weitergeführt. Die Christus-König-Kirche stellt damit ein zeittypisches Beispiel dieser Architekturrichtung dar. Je nach Einordnung kann sie auch dem Heimatschutzstil zugerechnet werden und weist zugleich Merkmale des Rundbogenstils auf.
Ein prägendes Gestaltungselement der Kirche ist der Glockenturm. Sein massiver Baukörper nimmt die gesamte Breite des Langhauses ein. In seiner Form knüpft er an den romanischen Westriegel an, der hier nach Norden ausgerichtet ist. Diese Bauform war insbesondere in der ehemaligen Mark Brandenburg verbreitet, wo auch die Hauptwirkungsstätte des Architekten Felix H. Hinssen liegt. An den beiden Schmalseiten des Turms befindet sich jeweils eine Turmuhr mit großem rundem Zifferblatt. An der Ostseite des Turms befindet sich das große rundbogige Hauptportal mit Oberlicht, das über eine breite Freitreppe erreicht wird. Hinter dem Portal führt eine weitere Treppe in den Vorraum der Kirche. Von dort gelangt man durch ein rechteckiges Eingangsportal mit einer zweiflügeligen Tür aus Metall und Glas in den Kirchenraum.
Die Fenster sind überwiegend schmal, länglich und rundbogig abgeschlossen. Sie sind in enger Folge angeordnet. An jeder Längsseite des Langhauses befinden sich sechs Fenster, an den Giebelseiten der Querhausarme sowie an den Traufseiten des Chors jeweils drei weitere. Die Nordseite des Turms wird von einer neunteiligen Fenstergruppe mit drei Reihen zu je drei Fenstern geprägt. Darunter befindet sich auf Höhe des Erdgeschosses eine Reihe von fünf kleinen quadratischen Fenstern einer ehemaligen Kapelle. Sie stammen aus der Erbauungszeit der Kirche und wurden vom Kevelaerer Kirchenmaler Heribert Reul (1911–2008) gestaltet. Im Glockengeschoss unmittelbar unter dem Dach befinden sich an den Längsseiten des Turms jeweils sieben rundbogige Schallöffnungen, die die Breite und Massigkeit des Baukörpers zusätzlich betonen. Hinter den schmalen Fensterschlitzen an den beiden Schmalseiten des Turms verläuft das Treppenhaus.
Zwischen dem Chor und dem östlichen Querhausarm schließt ein schlichter Anbau an die Kirche an, der gestalterisch nicht in Einklang mit dem Kirchengebäude steht. Er entstand zeitgleich mit der Kirche als Augustinerkloster. Heute befinden sich dort das Gemeindebüro und eine Kindertagesstätte. Ein Verbindungsgang zwischen Chor und Kloster ermöglichte den Augustinermönchen einen direkten Zugang zur Kirche.
Innenausstattung
Die Ausstattung der Kirche entstand überwiegend zu Beginn der 1970er Jahre im Zuge der liturgischen Neugestaltung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Es wurden unter anderem der Altar, der im Bereich der Vierung aufgestellt wurde, das über ihm angebrachte Hängekreuz, der Ambo, der Tabernakel sowie der Oster-, Altar-, Ewiglicht- und Apostelleuchter angeschafft. Auch der Kreuzweg stammt aus dieser Umgestaltungsphase. Aus der Erbauungszeit der Kirche haben sich dagegen ein Großteil der Bodenbeläge, die Fenster und Türen sowie das Gemeindegestühl erhalten.
Der Kirchenraum wird von einer leicht gewölbten Holzbalkendecke überspannt, wie sie für den Kirchenbau der 1950er Jahre charakteristisch ist. Durch ihre Form wird die Längsachse vom Eingangsbereich bis zum Altar betont. Über der Vierung ist die Decke leicht abgesenkt, während die Querhausarme mit einer flachen Decke ausgestattet sind.
Die Orgel befindet sich auf einer Empore über dem Eingangsbereich des Kirchenraums. Das erste Instrument wurde 1958 eingebaut. In den Jahren 1990 und 1991 ersetzte die Orgelbaufirma Klais die ursprüngliche Orgel durch ein neues Instrument.
Weblinks
Pfarrei Liebfrauen Duisburg: Gemeinde Christus König
Einzelnachweise
Christuskonig Christuskonig Christuskonig Kategorie:Christkönigskirche Kategorie:Gemeindekirche des Bistums Essen Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Erbaut 1953 Christuskonig Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Saalkirche in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Felix Hinssen