Reginald Henry Holmes Pierson (* 19. November 1846 in Berlin; † 13. August 1906 in Dresden-Strehlen) war ein deutscher Neurologe und Autor.
Leben
Reginald H. Pierson war ein Sohn des britisch-deutschen Komponisten Henry Hugo Pierson und dessen Frau Karoline, geb. Leonhardt. Der Intendant Georg Pierson sowie der Verleger Edgar Pierson waren seine Brüder.
Er wuchs in Stuttgart und Würzburg auf, wo er das Königliche Gymnasium (heute Wirsberg-Gymnasium) besuchteSiehe Jahresbericht über die königlich bayerischen Studienanstalten, das Gymnasium und die Lateinische Schule zu Würzburg, und studierte Humanmedizin an den Universitäten Tübingen, Würzburg, Leipzig und London. In Würzburg wurde er 1868 zum Dr. med. promoviert. Seine praktische Ausbildung als Assistenzarzt erhielt er 1869 in der Privat-Irrenanstalt St. Gilgenberg bei Bayreuth unter August Falco und an der Landes-Inenanstalt auf Schloss Colditz unter Hermann Voppel. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente er als freiwilliger Assistenzarzt im XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps. Danach praktizierte er in Dresden und spezialisierte sich auf Nervenkrankheiten und die damals noch wenig gebrauchte Elektrotherapie. Sein 1875 erstmals veröffentlichtes Lehrbuch Compendium der Electrotherapie: zum Gebrauche für Studirende und praktische Aerzte wurde zum Standardwerk und erlebte bis 1893 sechs Auflagen.
1884 erwarb Pierson die Privat-Irrenanstalt von Friedrich Oskar Lehmann in Pirna. Nach dem Ankauf einer weiteren Anstalt in Coswig vereinte er 1891 beide Institutionen in Neucoswig unter dem Namen Lindenhof: Heilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke. Pierson ließ den Lindenhof durch den Leipziger Architekten Anton Käppler und den Baumeister F. A. Bernhard Große im Pavillonstil ausbauen. Die weitläufige Anstalt auf einem 10 Hektar großen Gelände galt bald als vorbildlich, erfreute sich eines guten Rufes und großer Nachfrage.Lehmann: Dr. Pierson † In: Psychiatrisch-Neurologische Wochenschrift 1906, S. 202 Ein Modell der gesamten Anlage stellte Pierson auf der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung 1897 in Leipzig aus. Dafür wurde er mit der Großen Silbernen Medaille ausgezeichnet. Zu Piersons prominenten Patienten im Lindenhof zählten Heinrich Mau und ab 1899 Louise von Belgien. Der gesamte Komplex, der heute als Fachkrankenhaus Coswig dient, steht als Sachgesamtheit Heilstätte Lindenhof unter Denkmalschutz.
Pierson verfasste eine Reihen von Fachveröffentlichungen.Siehe die Aufstellung bei Pierson, Reginald Henry, in: Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Band 2, München: Saur 1996, S. 1101
Er war seit 1891 verheiratet mit der in Indien geborenen englischen Arzttochter Cornelia (Corrie) Chinnery Brown († 1946 in Neucoswig). Das Paar hatte einen Sohn Henry Helmut(h) (* 1892), der 1918 zum Dr.med. promoviert wurde und in den 1920er Jahren mit seiner Frau Hannah, geb. Goldschmidt in die USA emigrierte, und eine Tochter Nora Frances Victoria (* 1897).
Ende 1905 übergab Pierson den Lindenhof an seinen Nachfolger Freidrich Ferdinand Lehmann († 1931)Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medicin 63 (1906), S. 182 und zog nach Dresden, starb jedoch schon kurz darauf an Darmkrebs. Er wurde auf dem Trinitatisfriedhof beigesetzt. Seine Grabstelle zusammen mit seinen beiden Brüdern ist erhalten.
Erinnerung Im Juli 1910 wurde im Park des Lindenhofs eine Büste Piersons von Adolf Rehm aufgestellt, die jedoch in der DDR-Zeit an den Rand des Parks versetzt wurde und sich 2006 im Treppenhaus des Gesellschaftshauses befand.
Ein 1901 von Robert Sterl angefertigtes Porträtgemälde Piersons befindet sich seit 1980 in der Städtischen Galerie Dresden.Sanitätsrat Dr. Reginald Pierson. Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 10. Juli 2026.
Auszeichnungen Titel Königlich Sächsischer Sanitätsrat (1898) Eisernes Kreuz am weißen Bande (1870)Königlich preußische Ordensliste. 1877, Teil 3, S. 1205 Nr. 2629
Werke Compendium der Electrotherapie: zum Gebrauche für Studirende und praktische Aerzte. Leipzig: Abel 1875 2. Auflage Leipzig: Abel 1878 (Digitalisat), 4. Auflage Leipzig: Abel 1885 ab der 5. Auflage: Lehrbuch der Elektrotherapie. 5. Auflage, Leipzig: Abel 1890, 6. Auflage, Leipzig: Abel 1893 Compendium der Krankheiten des Nervensystems. Leipzig: Abel 1876 Ueber Polyneuritis acuta (multiple Neuritis). Leipzig: Breitkopf & Härtel 1883 (Übers.): David Ferrier: Die Localisation der Hirnerkrankungen. Braunschweig: Vieweg 1880 (Digitalisat) Bericht über die Private Heilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke in Pirna (jetzt Lindenhof bei Coswig in Sachsen) für die Jahre 1884-1891. Dresden 1893 Lindenhof: Heilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke. Leipzig: Vogel 1896 (Digitalisat)
Literatur Friedrich Lehmann: Dr. Pierson † In: Psychiatrisch-Neurologische Wochenschrift 1906, S. 202 Pierson, Reginald Henry, in: Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Band 2, München: Saur 1996, S. 1101 Petra Hamannn: Vor 100 Jahren in Coswig: aus dem Coswiger Stadtarchiv; der Lebensweg des Arztes der Psychiatrie Reginald Henry Holmes Pierson. Teil 1, in: Vorschau & Rückblick : Monatsheft für Radebeul und Umgebung. (2006), Heft 9, S. 6–8 Volltext Teil 2, in: Vorschau & Rückblick : Monatsheft für Radebeul und Umgebung. (2006), Heft 10, S. 16–18 Volltext Teil 3, in: Vorschau & Rückblick: Monatsheft für Radebeul und Umgebung (2006), Heft 11, S. 6–9 Volltext
Weblinks
Informationen zur Familie Pierson, Reginald Pierson und zum Lindenhof, Stadtarchiv Coswig
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Neurologe Kategorie:Person (Coswig, Sachsen) Kategorie:Geboren 1846 Kategorie:Gestorben 1906 Kategorie:Mann Kategorie:Person im Deutsch-Französischen Krieg Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes am weißen Bande