Klaus Thiede (* 30. Juli 1901 in Kiel; † 25. März 1964 ebenda) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftshistoriker.

Leben Klaus Thiede wurde als Sohn eines Kaufmanns in Kiel geboren.

Im Alter von 17 Jahren trat er am 24. Februar 1919 als Schüler in das Freiwilligen-Bataillon Bülow (Freikorps) in Heide in Holstein ein, mit dem er im April im östlichen Litauen zum Grenzschutz eingesetzt worden war und an Kämpfen im Baltikum teilnahm und schließlich am 1. August 1919 entlassen wurde. Er besuchte das Humanistische Gymnasium in Kiel und das Humanistische Gymnasium in Plön. Mit der Kieler Studentenkompanie nahm er am Kapp-Putsch teil. Thiede studierte von 1920 bis 1921 Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsgeschichte in Kiel, unter anderem bei Bernhard Harms und Friedrich Hoffmann. 1921 wechselte er an die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, an der er bis 1923 unter anderem bei Othmar Spann hörte und zum Spannkreis gehörte. Während seines Studiums wurde er 1923 Mitglied der Burschenschaft Germania Wien,Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 498. die ab 1952 in der Wiener akademischen Burschenschaft Gothia weiterbestand. Am 31. Juli 1924 wurde er in Wien zum Dr. rer. pol. promoviert. Als Assistent von Othmar Spann war er bis 1926 am Institut für politische Ökonomie und Gesellschaftslehre tätig. Am 29. April 1929 habilitierte er sich in Wien für das Gebiet der neueren Wirtschaftsgeschichte. Er hielt drei Semester lang Vorlesungen über wirtschaftsgeschichtliche und Reparationsfragen. 1930 ging er nach Berlin, wo er zwei Jahre lang als Referent für Flüchtlingssiedler bei der Neuland AG arbeitete. 1932 trat er in die Deutsche Siedlungsbank ein, bei der er bis 1934 Leiter der volkswirtschaftlich-statistischen Abteilung war. 1933 erhielt er einen Lehrauftrag an der Berliner Hochschule für Politik. Nachdem er 1932 Mitarbeiter beim Stahlhelm geworden war, wurde er im Februar in die SA übernommen. Am 17. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.578.588).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/44420950 In der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung erhielt er 1937 das Referat über die Landfluchtfrage. An der Universität Berlin wurde Thiede 1939 Dozent neuer Ordnung für das Gesamtgebiet der Wirtschaftswissenschaften. 1941 wurde er außerordentlicher Professor an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, wo er den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre übernahm. Diesen konnte er jedoch nicht ausüben, da er seit August 1939 als Reserveoffizier, er war am 1. Februar 1939 zum Leutnant der Reserve beim Infanterieregiment Nr. 68 befördert worden, bis Kriegsende Heeresdienst leistete. Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Entlassung 1945 ging er nach Schleswig-Holstein, wo er 1947 Leiter des Fischereireferats im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde, bei seinem Tod als Regierungsdirektor. 1959 wurde er für die CDU Ratsherr in der Kieler Ratsversammlung; Thiede gehörte städtischen Ausschüssen an und war Mitglied des CDU-Kreisverbandes Kiel, Aufsichtsratsmitglied der Kieler Wohnbaugesellschaft und Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Kieler Seefischmarkt GmbH. Er war Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseums, für dessen Einrichtung er sich engagiert hatte.

Er starb 1964 in Kiel auf einer Fahrt zu einer fischwirtschaftlichen Tagung in Esbjerg.

Klaus Thiede heiratete Frau Fieber, eine Nichte von Paul Clairmont. Ihre Söhne waren Arnulf und Jörn Thiede.

Veröffentlichungen (Auswahl) Grundlagen und System des Merkantilismus. Dissertation Universität Wien 1926. Die Staats- und Wirtschaftsauffassung des Freiherrn vom Stein. Jena 1927. Deutsche Bauernhäuser. Königstein im Taunus 1934; seit 1963 als Alte deutsche Bauernhäuser. Königstein im Taunus 1963. Das Erbe germanischer Baukunst im bäuerlichen Hausbau. Hamburg 1936. Flur- und Dorfbild im deutschen Land. Leipzig 1937. Fisch und Wirtschaft in Schleswig-Holstein. Bericht über Aufbau und Entwicklung der Fischwirtschaft nach dem Kriege. Kiel 1952. Bauernhäuser in Schleswig-Holstein. Heide in Holstein 1957, 5. Auflage 1982. St. Nikolai in Kiel. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtkirche. Kiel 1960. Schleswig-Holstein, Landschaft und wirkende Kräfte. Essen 1962. Friedrich Hoffmann (1880–1963) zum Gedenken. Kiel 1964.

Literatur Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 6: T–Z. Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-5063-0, S. 24–26.

Weblinks Klaus Thiede im Archiv für Geschichte der Soziologie in Österreich. Thiede, Klaus auf Gepris-historisch

Einzelnachweise

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