mini|Cátulo Castillo (rechts), mit Aníbal Troilo Cátulo Castillo (* 6. August 1906 in Buenos Aires, als Ovidio Catulo González Castillo; † 19. Oktober 1975 ebenda) war ein argentinischer Dichter, Musiker und Tangokomponist.
Er komponierte die Musik zu berühmten Tangos wie Silbando, Organito de la tarde und El aguacero, deren Texte von seinem Vater José González Castillo stammten. Später schrieb er die Texte weiterer sehr bekannten Tangos, darunter Tinta roja und Caserón de tejas mit Musik von Sebastián Piana, María und La última curda mit Musik von Aníbal Troilo sowie El último café mit Musik von Héctor Stamponi. Außerdem schrieb er den Text für den Tango La calesita mit Mariano Mores als Komponisten. Dieser Tango diente als Inspiration für den gleichnamigen Film, der 1962 unter der Regie von Hugo del Carril entstand.
Biografie
Sein Vater, José González Castillo (Rosario, 25. Januar 1885 – Buenos Aires, 22. Oktober 1937), war ein bekannter Dramatiker, Theaterregisseur, Drehbuchautor und Texter argentinischer Tangos. Er war Anarchist und wollte seinen Sohn im Standesamt als „Descanso Dominical González Castillo“ eintragen lassen (Die Vornamen „Descanso Dominical“ hätten also „Sonntagsruhe“ bedeutet). Als dies abgelehnt wurde, überredeten ihn seine Freunde, nachzugeben. So trug er seinen Sohn unter dem Namen ein, unter dem dieser schließlich in die Geschichte einging. Cátulo verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Chile, wohin sein Vater wegen seiner anarchistischen Überzeugungen ins Exil gehen musste, und kehrte 1913 nach Argentinien zurück. Cátulo seinerseits war später Mitglied der Kommunistischen Partei.Lozza, Arturo Marcos (1983). Osvaldo Pugliese, al Colón. Buenos Aires: Editorial Cartago. p. 70. ISBN 950-650-029-0.
Beruflicher Werdegang
Mit 17 Jahren komponierte Cátulo Castillo seinen ersten Tango Organito de la tarde. Zu dieser Zeit trainierte er Boxen und wurde bald argentinischer Meister im Federgewicht. Zudem kam er in die Vorauswahl für die Olympischen Spiele in Amsterdam. 1926 reiste er zum ersten Mal nach Europa, wo er später sein eigenes Orchester leiten sollte. In den 1930er Jahren erhielt er einen Lehrstuhl am Städtischen Konservatorium „Manuel de Falla“. Um 1950 wurde er Direktor dieser Einrichtung und hatte dieses Amt bis zu seiner Pensionierung inne.
In den 1940er und 1950er Jahren, als der Tango seinen Höhepunkt erreichte, widmete er sich der Poesie und arbeitete mit namhaften Komponisten wie Mariano Mores (Patio de la Morocha), Armando Pontier (Anoche), Osvaldo Pugliese (Una vez), Sebastián Piana (Tinta roja und Caserón de tejas) sowie seinem wichtigsten Kooperationspartner seit 1945, Aníbal Troilo, zusammen. Mit diesem entstanden unter anderem die Tangos María, La última curda und Una canción.
Während der zweiten Amtszeit von Juan Domingo Perón arbeitete Cátulo Castillo als Journalist für verschiedene Zeitschriften, veröffentlichte das Buch Danzas Argentinas (1953) und komponierte Musik für verschiedene Filme. Außerdem schrieb er das musikalische Theaterstück El Patio de la Morocha, in dem der Bandoneonist Aníbal Troilo und der Gitarrist Roberto Grela mitwirkten. Er war in mehreren Amtsperioden Sekretär und Präsident der SADAIC (die Argentinische Gesellschaft für Autoren und Komponisten). Im Jahr 1953 wurde er zum Präsidenten der Nationalen Kulturkommission ernannt.
Nach dem Staatsstreich von 1955 begann die selbsternannte Revolución Libertadora („Befreiungsrevolution“), eine zivil-militärische Diktatur, die nach dem Sturz von Präsident Juan Domingo Perón die Argentinische Republik regierte. Aufgrund der folgenden Verfolgungen musste Cátulo Castillo seinen Beruf aufgeben, da er zusammen mit Dutzenden anderen Tangomusikern – darunter Hugo del Carril, Nelly Omar, Héctor Mauré, Anita Palmero und Chola Luna – auf die schwarzen Listen gesetzt wurde. Sie wurden wegen ihrer politischen Ansichten verfolgt und konnten bis zum Sturz des Regimes praktisch nie wieder arbeiten.Franco Barrionuevo Anzaldi: Politischer Tango. Intellektuelle Kämpfe um Tanzkultur im Zeichen des Peronismus. Bielefeld: Transcript Verlag, 2012, ISBN 978-3-8376-1794-8. Seine Frau, Amanda Pelufo, beschrieb jene Zeit mit folgenden Worten:
Mit dem politischen Auftauen der 60er Jahre kehrt er wieder voll in den aktiven Dienst zurück. Er komponiert weiterhin, schreibt Hörspiele und arbeitet wieder bei der SADAIC. Er veröffentlichte den Roman Amalio Reyes – ein Mann, der von Hugo del Carril verfilmt wurde. Außerdem erscheint 1967 Prostibulario, eine Sammlung von Texten, die einen Aufsatz von Cátulo enthält: Prostibulos und Prostituierte, über den er 1971 mit Perón korrespondierte.
Nachdem Juan Domingo Perón 1973 zum dritten Mal zum Präsidenten ernannt worden war, wurde Cátulo Castillo im folgenden Jahr zum Ehrenbürger der Autonomen Stadt Buenos Aires ernannt. Er starb am 19. Oktober 1975.
Tangos (Auswahl) Die folgende Liste enthält einige der bekanntesten Tangos von Cátulo Castillo:
Jahr TitelTextMusik 1923 Organito de la tarde José González Castillo Cátulo Castillo 1923 Silbando José González Castillo Cátulo Castillo y Sebastián Piana 1931 El aguacero José González Castillo Cátulo Castillo 1941 Tinta roja Cátulo Castillo Sebastián Piana 1941 Caserón de tejas Cátulo Castillo Sebastián Piana 1944 Café de los Angelitos Cátulo Castillo José Razzano 1945 María Cátulo Castillo Aníbal Troilo 1950 Arrabalera Cátulo Castillo Sebastián Piana 1952 La calesita Cátulo Castillo Mariano Mores 1953 Mensaje Cátulo Castillo Enrique Santos Discépolo 1953 Patio mío Cátulo Castillo Aníbal Troilo 1956 La última curda Cátulo Castillo Aníbal Troilo 1962 Desencuentro Cátulo Castillo Aníbal Troilo 1961 A Homero Cátulo Castillo Aníbal Troilo 1962 Y a mi qué Cátulo Castillo Aníbal Troilo 1963 El último café Cátulo Castillo Héctor Stamponi
Filmografie
Drehbuch
El patio de la morocha (1951) La calesita (1963) Amalio Reyes, un hombre (1970) Ésta es mi Argentina (1974) Perón, sinfonía del sentimiento (1999)
Musik
Internado (1935) Juan Moreira (1936) Ayúdame a vivir (1936) Los muchachos se divierten (1940) Eclipse de sol (1942) Arrabalera (1950) Buenos Aires a la vista (1950) Vivir un instante (1951) La muerte flota en el río (1956) Últimas imágenes del naufragio (1989)
Weblinks
Cátulo Castillo auf Todo Tango Cátulo Castillo auf Cine Nacional
Einzelnachweise
Kategorie:Tango Kategorie:Hörspielautor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Spanisch) Kategorie:Argentinische Literatur Kategorie:Ciudadano ilustre von Buenos Aires Kategorie:Argentinier Kategorie:Geboren 1906 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Mann