Die International Association for Near-Death Studies (IANDS, deutsch etwa Internationale Vereinigung für Nahtodforschung) ist eine 1978 in den Vereinigten Staaten gegründete gemeinnützige Organisation, die sich der Erforschung, Aufklärung und Begleitung im Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen (englisch near-death experiences, NDE) widmet. Sie gibt mit dem Journal of Near-Death Studies die nach eigener Darstellung einzige wissenschaftliche Fachzeitschrift dieses Fachgebiets heraus und unterhält ein Netz örtlicher Selbsthilfe- und Interessengruppen. Die IANDS versteht sich als Bindeglied zwischen akademischer Forschung, Betroffenen und der interessierten Öffentlichkeit.
Geschichte
Vorgeschichte und Gründung Ausgangspunkt war das Erscheinen des Buches Life after Life des Psychiaters Raymond Moody im Jahr 1975, das das Thema Nahtoderfahrung einem breiten Publikum bekannt machte und das Interesse mehrerer Wissenschaftler weckte. Im November 1977 kam auf Betreiben des Gesundheitswissenschaftlers John Audette in Charlottesville (Virginia) eine Gruppe von Forschern zusammen, zu der neben Moody der Psychologe Kenneth Ring, der Psychiater Bruce Greyson und der Kardiologe Michael Sabom gehörten.
1978 wurde die Vereinigung als Association for the Scientific Study of Near-Death Phenomena (etwa „Vereinigung zur wissenschaftlichen Erforschung von Nahtod-Phänomenen“) förmlich gegründet. Audette wirkte als erster Vorsitzender bzw. Geschäftsführer und leitete die Organisation zunächst von Peoria (Illinois) aus.
Umbenennung und Ausbau 1981 übernahm Kenneth Ring die Leitung. Die Organisation wurde in International Association for Near-Death Studies umbenannt und an die University of Connecticut in Storrs verlegt, wo Ring als Professor tätig war. In dieselbe Zeit fallen der Aufbau eines wissenschaftlichen Publikationswesens und die Gewinnung erster hauptamtlicher Mitarbeiter.
Ab 1981 erschien das Mitgliedermagazin Vital Signs; 1982 folgte die wissenschaftliche Zeitschrift, zunächst unter dem Titel Anabiosis: The Journal for Near-Death Studies. In den 1980er Jahren kam es zu Spannungen zwischen stärker wissenschaftlich und stärker therapeutisch-seelsorgerlich orientierten Mitgliedern; die Organisation stabilisierte sich in der Folge und weitete ihre Bildungs- und Begleitangebote aus.
Weitere Entwicklung Nach Stationen in Connecticut und – gegen Ende der 1980er Jahre – in Philadelphia verlegte die IANDS ihren Sitz 2008 unter der Präsidentin Diane Corcoran nach Durham in North Carolina. Seit 1993 richtet die Organisation jährliche Konferenzen aus; 2021 kamen digitale Frühjahrssymposien hinzu.
Ziele und Tätigkeit Die IANDS bezeichnet es als ihr Ziel, „ein weltweites Verständnis von Nahtod- und nahtodähnlichen Erfahrungen durch Forschung, Aufklärung und Begleitung“ aufzubauen. Zu ihren Tätigkeitsfeldern zählen:
die Förderung und Bündelung von Forschung zu Nahtoderfahrungen und verwandten transpersonalen Erlebnissen, die Herausgabe wissenschaftlicher und populärer Publikationen, die Aufklärung von medizinischem Personal und Öffentlichkeit, die Begleitung von Menschen, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben, unter anderem über örtliche Gruppen und Online-Angebote.
Publikationen
Journal of Near-Death Studies Das Journal of Near-Death Studies (, Online-Ausgabe ) ist die wissenschaftliche begutachtete Vierteljahresschrift der IANDS. Sie erschien ab 1981/82 zunächst als Anabiosis: The Journal for Near-Death Studies und trägt seit Band 6 (Mitte der 1980er Jahre) ihren heutigen Titel. Erster Herausgeber war Kenneth Ring, anschließend über rund 18 Jahre Bruce Greyson. Verlegt wurde die Zeitschrift von 1987 bis 2003 durch die Human Sciences Press (die ab Ende der 1990er Jahre zum Verlag Kluwer Academic Publishers gehörte); seit 2003 erscheint sie wieder im Eigenverlag der IANDS. Sie veröffentlicht Beiträge über Nahtoderfahrungen, deren empirische Nachwirkungen und theoretische Deutungen sowie über verwandte spirituell transformierende Erfahrungen.
Vital Signs Vital Signs ist das seit 1981 erscheinende, allgemeinverständlich gehaltene Mitgliedermagazin der Organisation. Es richtet sich stärker an Betroffene und die interessierte Öffentlichkeit als an ein Fachpublikum.
Organisation und Mitglieder Die IANDS ist als steuerbegünstigte Non-Profit-Organisation nach § 501(c)(3) des US-amerikanischen Steuerrechts anerkannt. Nach eigenen Angaben hatte sie im Juni 2022 rund 1.400 Mitglieder. Ein wesentliches Element sind die örtlichen Interessen- und Selbsthilfegruppen (Friends of IANDS), die Erfahrungsaustausch und Begleitung anbieten; ihre Zahl bezifferte die Organisation 2022 auf über 80 Gruppen in den USA und rund ein Dutzend im Ausland.
Zu den Vorsitzenden bzw. Präsidenten der Organisation zählten unter anderem John Audette (Gründungsvorsitzender), Kenneth Ring und Bruce Greyson (Anfang der 1980er Jahre), Nancy Evans Bush (ab den frühen 1990er Jahren) sowie Diane Corcoran (ab 2008).
Wissenschaftliche Einordnung Die Nahtodforschung, wie sie die IANDS betreibt und in ihrer Zeitschrift dokumentiert, wird von der breiten wissenschaftlichen Gemeinschaft überwiegend als Randgebiet betrachtet. Unstrittig ist die Erhebung und Beschreibung von Erfahrungsberichten; strittig sind hingegen die daraus teils abgeleiteten weitergehenden Deutungen, insbesondere die These, Bewusstsein könne unabhängig vom funktionierenden Gehirn fortbestehen. In Neurowissenschaft und Medizin überwiegt die Auffassung, Nahtoderfahrungen ließen sich als neurobiologische und psychologische Phänomene verstehen.
Die IANDS versteht sich selbst ausdrücklich als wissenschaftlich orientierte Organisation und betont die methodische Erforschung des Themas; Kritiker verweisen darauf, dass die Debatte weitgehend in facheigenen Zeitschriften geführt werde und Teile des Umfelds weltanschaulich geprägt seien. Die Organisation umfasst sowohl akademisch forschende als auch seelsorgerlich-therapeutisch ausgerichtete Mitglieder.
Siehe auch Nahtoderfahrung Journal of Near-Death Studies Kenneth Ring Bruce Greyson Raymond Moody
Weblinks Offizielle Website (englisch) „International Association for Near-Death Studies (IANDS)“ in der Psi Encyclopedia der Society for Psychical Research (englisch)
Einzelnachweise About IANDS. Website der International Association for Near-Death Studies, abgerufen am 6. Juli 2026. (Eigenangabe der Organisation.) The Journal of Near-Death Studies. Website der IANDS, abgerufen am 6. Juli 2026. Basic Information about the Journal of Near-Death Studies. IANDS, abgerufen am 6. Juli 2026. International Association for Near-Death Studies (IANDS). In: Encyclopedia of Occultism and Parapsychology; zitiert nach Encyclopedia.com, abgerufen am 6. Juli 2026. International Association for Near-Death Studies (IANDS). In: Psi Encyclopedia, hrsg. von der Society for Psychical Research, abgerufen am 6. Juli 2026. Janice Miner Holden, Bruce Greyson, Debbie James (Hrsg.): The Handbook of Near-Death Experiences. Thirty Years of Investigation. Praeger, Santa Barbara 2009, ISBN 978-0-313-35864-7, Kapitel The Field of Near-Death Studies: Past, Present, and Future. Eintrag Journal of near-death studies (ISSN 0891-4494). In: ISSN-Portal, ISSN International Centre, abgerufen am 6. Juli 2026. Dean Mobbs, Caroline Watt: There is nothing paranormal about near-death experiences. How neuroscience can explain seeing bright lights, meeting the dead, or being convinced you are one of them. In: Trends in Cognitive Sciences. Band 15, Nr. 10, 2011, S. 447–449, doi:10.1016/j.tics.2011.07.010.
Kategorie:Organisation (Durham, North Carolina) Kategorie:Gegründet 1978 Kategorie:Tod (Vereinigte Staaten) Kategorie:Thanatologie Kategorie:Organisation (Neurologie) Kategorie:Organisation (Psychologie) Kategorie:Wissenschaftliche Organisation (Vereinigte Staaten)