mini|Francesco Gallo Francesco Gallo (* 6. November 1672 in Mondovì; † 20. Juni 1750 ebenda) war ein piemontesischer Architekt sowie Militär- und Vermessungsingenieur. Er ist vor allem für seine Kirchenbauten bekannt. Sein bedeutendstes Werk ist die Kuppel der Basilika von Vicoforte, die größte elliptische Kuppel der Welt.G. C. Chiechio: L’ingegnere ed architetto Francesco Gallo, 1672–1750, G. Derossi, Turin 1886
Leben Privatleben mini|Mondovì Francesco Gallo wurde am 6. November 1672 im Ortsteil Piazza (Altstadt) von Mondovì geboren. Sein Vater Francesco, der Hauptmann war, starb noch vor seiner Geburt. Seine Mutter Bona Maria Ferrero war die Tante von Carlo Vincenzo Ferrero, Marchese d’Ormea, der ab 1717 Minister im Staatssekretariat des Herzogtums Savoyen war.
Über Francescos frühe Ausbildung ist nichts bekannt. Es muss sich jedoch schon in jungen Jahren mit großem Erfolg mit Mathematik und Architektur beschäftigt haben, denn bereits im Alter von zwanzig Jahren waren seine Dienste als Ingenieur und Architekt sehr gefragt.
1694 heiratete Francesco Gallo Maria Teresa Vigliotti (nach einer anderen Quelle: Viglietto), die Tochter eines angesehenen Arztes, mit der er sechs Kinder hatte. Nach dem Tod seines Schwiegervaters erbte Francesco Gallo den Titel eines Vasallen von Battifollo.
Sein jüngster Sohn, Giuseppe Maria, arbeitete mit ihm auf dem Gebiet der Architektur zusammen.
Die Familie bewohnte ein Haus in der Nähe der Kathedrale San Donato in Mondovì, am Beginn der Straße, die heute Gallos Namen trägt.
In seinen letzten Lebensjahren scheint Gallo Geldsorgen gehabt zu haben. So erinnerte er in einem Brief an den König an seine Verdienste und bat um eine bescheidene finanzielle Unterstützung. Ein ähnliches Gesuch richtete sein Sohn Gian Maria ein Jahr nach Francescos Tod an die Verwaltung der Basilika von Vicoforte.
Militärdienst 1693 trat Gallo im Alter von 21 Jahren als Fähnrich II. Ranges in das Regiment von Mondovì der savoyischen Armee ein. Noch im selben Jahr wurde er zum Oberstfähnrich desselben Regiments befördert (dieser Dienstgrad entsprach in etwa dem heutigen Rang eines Hauptmanns).
Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen wollte sich aus seiner Abhängigkeit von Ludwig XIV. befreien und sich mit dem Haus Habsburg verbünden. Daraufhin war eine französische Armee unter Nicolas de Catinat in Savoyen einmarschiert. In der Schlacht bei Staffarda hatte Viktor Amadeus II. im August 1690 eine vernichtende Niederlage gegen die französischen Truppen erlitten, die daraufhin fast ganz Savoyen besetzt hatte, nicht jedoch die Hauptstadt Turin. Im Oktober des gleichen Jahres hatte sich Savoyen der Wiener Großen Allianz angeschlossen und war damit auch offiziell zum Teilnehmer im Pfälzischen Erbfolgekrieg geworden.
1693 beschloss der Herzog, Pinerolo zu belagern. Die Festung Santa Brigida, die zur Verteidigung der Zitadelle diente, wurde von der französischen Garnison hartnäckig gehalten. Nach tagelanger Bombardierung wurde die Festung von den Franzosen selbst gesprengt, die sich daraufhin in die Zitadelle zurückzogen. Die Ingenieure waren bei dieser Belagerung von besonderer Bedeutung, und Francesco Gallo erhielt dafür seine erste Auszeichnung. Bei der anschließenden Eroberung der Festung kämpfte auch das Regiment von Mondovì in der ersten Reihe.
In der Schlacht bei Marsaglia wurde Gallos Einheit fast völlig vernichtet. Er selbst erlitt sechs Verwundungen, davon eine, die als tödlich eingestuft wurde. Wider Erwarten überlebte Gallo, benötigte aber eine lange Zeit der Genesung und musste den Militärdienst schließlich quittieren.
Aufträge für den Landesherren Seine Treue zur Dynastie der Savoyer sowie seine Leistungen als Ingenieur während des Krieges hatten Gallo das volle Vertrauen von Viktor Amadeus II. eingebracht, der ihn daraufhin mit wichtigen Aufgaben betraute.
Landvermessung Der Herzog wollte sich das Markgrafentum Finale Ligure sichern, das unter der Herrschaft von Philipp V. von Spanien stand. Zwar wollte er dieses Ziel auf diplomatischem Weg erreichen, jedoch wollte er auch auf einen möglichen Krieg vorbereitet sein. Dazu benötigte er genaue Karten sowohl der Landschaft als auch der dort vorhandenen Verteidigungsanlagen. Daher beauftragte der Herzog Gallo mit der Anfertigung dieser Karten. Heimlich und unter falschem Namen reiste Gallo in das fragliche Gebiet und erledigte, mit Unterstützung des Pfarrers von Varigotti, den Auftrag zur vollen Zufriedenheit des Herzogs. Dieser erreichte sein Ziel später jedoch tatsächlich ohne Krieg.
Zu den weiteren Gebieten, mit deren Vermessung der Herzog Gallo beauftragte, zählen:
die Täler der Bormida di Spigno und Bormida di Millesimo bis zu ihrem Zusammenfluss bei Bistagno das Gebiet zwischen den Flüssen Po, Sesia, Cervo, Elvo und Dora Baltea den Grund- und Aufriss der Festung von Ceva, des Monte Brignono und der umliegenden Gebiete
Sonstiges Viktor Amadeus II., der inzwischen auch König von Sizilien geworden war, versuchte mehrmals, Gallo nach Turin zurückzuholen, um ihm die Leitung der Verteidigungs- und Verschönerungsarbeiten der Stadt zu übertragen. Dieser lehnte jedoch stets ab. Er übernahm jedoch immer wieder Aufträge für seinen Landesherren. So inspizierte er beispielsweise die Festung Brunetta, die der König in der Nähe von Susa errichten ließ, nachdem bei deren Bau Probleme aufgetreten waren.
Auf Einladung der Rechnungskammer (Camera dei conti, Vorläufer des italienischen Rechnungshofes) hielt sich Gallo im Jahr 1717 zwei Monate zur Inspektion im Kloster Lucedio auf, wo er Arbeiten an den „Grangien, Bauernhöfen und Bewässerungskanälen“ durchführte.
1726 schlug der König Gallo vor, nach Rom zu reisen, um die dortigen Aquädukte zu studieren. Anschließend sollte er eine Wasserleitung vom Val Sangone nach Turin entwerfen, allerdings wurde dieses Projekt letztendlich nicht verwirklicht – erst anderthalb Jahrhunderte später wurde die Leitung dann doch noch gebaut. Diese Reise gab Gallo aber Gelegenheit, die Kuppeln von Pantheon und Petersdom sowie des Doms zu Florenz eingehend zu studieren. Die gewonnenen Erkenntnisse kamen ihm dann bei der Planung der Kuppel der Basilika von Vicoforte zugute.
Straßenbau Laut G. C. Chiechio war Gallo auch maßgeblich im Bereich Straßenbau tätig; allerdings fehlen diesbezüglich konkrete Unterlagen. Es gibt nur in einem Manuskript einen Hinweis, dass Gallo für den Bau der Straße in Mondovì verantwortlich war, die die Stadtteile Breo (Unterstadt) und Piazza (Altstadt) verbindet und für deren Realisierung wegen schwieriger topografischer Verhältnisse der Bau von mehrbogigen Viadukten am Hang erforderlich war.
Wirken als Architekt Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst widmete sich Francesco Gallo wieder seinen mathematischen und naturwissenschaftlichen Studien unter der Leitung des Architekten und Ingenieurs Antonio Bertola. Die freundschaftlichen Verbindungen von Gallos Familie zu Giovanni Battista Isnardi di Castello, dem Bischof von Mondovì, waren von entscheidender Bedeutung für Gallos weiteren Werdegang, da sich diese Diözese zu einem Schwerpunkt seiner beruflichen Tätigkeit entwickeln sollte.
Stilistische Entwicklung mini|Fassade der Chiesa di Sant'Ambrogio in Cuneo Die erste von Francesco Gallo erbaute Pfarrkirche, San Giovanni Battista in Frabosa Soprana aus dem Jahr 1701, war noch ein vergleichsweise strenger rechteckiger Saalbau mit seitlichen Wandpfeilerkapellen und halbrunder Apsis. Schon bald entstanden nach Gallos Entwürfen aber auch ausgesprochen barock gestaltete Kirchen mit geschwungenen Formen und reichhaltig dekorierten Wänden, wenngleich auch später noch vergleichsweise einfach gestaltete Bauten vorkommen. In der Pfarrkirche Sant’Ambrogio in Cuneo zeigt sich dieser Barockstil erstmals deutlich: Die Fassade ist konkav, wobei ihre plastische Wirkung durch Säulen und kleinen Exedren betont wird.
Eine für Gallo typische Bauform ist eine Kirche mit kreuzförmigem Grundriss, Vierungskuppel und den Raum erweiternden seitlichen Nischen.
Gallo bevorzugte weitläufige Räume, die möglichst nicht durch Pfeiler oder Säulen unterbrochen sind; stattdessen griff er lieber auf wandgebundene Pilaster zurück. Bei den Grundrissen der von ihm entworfenen Kirchen bevorzugte Gallo das griechische Kreuz, da hier die Gemeinde dicht bei dem zentralen Punkt nahe Altar und Kanzel platziert werden konnte. Auch verzichtete er möglichst auf Trennwände, um den Gläubigen freie Sicht auf den Priester und den Prediger zu gewährleisten.
Typisch für die Fassade der meisten von Gallo gestalteten Kirchen war unverputztes Ziegelmauerwerk, erstmals von ihm eingesetzt bei der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Carrù.
Die Basilika von Vicoforte mini|Die Basilika von Vicoforte mini|hochkant|Kuppel der Basilika von Vicoforte
Bereits 1692, im Alter von nur 20 Jahren, wurde Francesco Gallo mit den Planungen zu Fortsetzung des von Ascanio Vittozzi begonnenen und jahrzehntelang unterbrochenen Baus der Basilika von Vicoforte beauftragt. Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt bis zum Gesims, auf das die Kuppel aufgesetzt werden sollte, fertiggestellt. Allerdings waren die Zeichnungen von Vittozzi sowie das von ihm angefertigte Holzmodell zwischenzeitlich verlorengegangen. Die Fertigstellung verzögerte sich jedoch erneut, da der Krieg bevorstand und der Herzog 1706 den Bau der Superga gelobte, die anstelle der Basilika von Vicoforte als neue Grablege der Savoyer ausgewählt wurde. Damit war die Finanzierung des Baus nicht mehr gesichert. In der Folge stellte Gallo lediglich zwei Seitenkapellen fertig. Erst nach 30 Jahren wurde Gallo erneut gebeten, die Kirche durch den Bau der Kuppel zu vollenden.
Die zu überwölbende Öffnung besaß einen elliptischen Grundriss mit einer Hauptachse von 36,25 Metern und einer Nebenachse von 25 Metern (nach anderen Quellen: 37,23 bzw. 24,89 m). Zur damaligen Zeit hatten weltweit nur drei Gebäude Kuppeln mit einem größeren Durchmesser: Der Petersdom mit 42,6 Metern Durchmesser, das Pantheon in Rom mit 42,4 Metern sowie der Dom zu Florenz mit 42,2 Metern. Die beiden erstgenannten Kuppeln hatten jedoch einen kreisrunden und die letztgenannte einen achteckigen Grundriss. Die Kuppel der Basilika von Vicoforte sollte von den Ausmaßen her zwar nicht größer sein als diese drei, allerdings stellte der ovale Grundriss aufgrund der ständig wechselnden Krümmung deutlich höhere Anforderungen an den Architekten, was das Projekt zur bis dahin komplexesten Kuppelkonstruktion überhaupt machte.
Gallo wandte sich mit der Bitte um Rat an den bekannten Architekten Filippo Juvarra. Dieser reiste nach Mondovì, nahm die Kirche und Gallos Planungen in Augenschein und riet diesem daraufhin aufgrund der Risiken von dem Projekt ab. Gallo entschloss sich letztendlich jedoch, das Wagnis einzugehen. 1728 wurden seine Pläne von der Verwaltung der Basilika genehmigt und die Bauarbeiten begannen.
Während Vittozzi für die Basilika höchstwahrscheinlich keinen Tambour im Sinn gehabt hatte, sahen Gallos Planungen nun einen solchen vor. Außerdem setzte Gallo auf die Mitte der Kuppel noch eine Laterne auf.
Im Tambour befinden sich umlaufend zwei übereinander angeordnete Reihen von Fenstern. Im zylindrischen Teil sind diese in acht Dreiergruppen angeordnet, wobei Gallo das mittlere Fenster jeweils betont hat – abwechselnd entweder durch eine etwas größere Höhe oder durch die Anbringung eines zusätzlichen kleinen Rundfensters darüber. Im unteren Bereich der Kuppel (auf der Außenseite jedoch noch im zylindrischen Tambour) befinden sich zudem acht große Rundfenster.