Paul Georg Wilhelm Beelitz (* 29. März 1896 in Berlin; † 28. Januar 1988 ebenda) war ein deutscher Meteorologe. Er forschte insbesondere im Bereich der Aerologie und war Direktor des Observatoriums Lindenberg.

Werdegang Beelitz wuchs als Sohn eines Kaufmanns in Berlin auf. Er besuchte das Gymnasium in Köpenick, das er vor dem Abitur verließ, da er sich freiwillig zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg meldete. Er wurde als Pilot bei den Luftstreitkräften eingesetzt. Nach Kriegsende holte er 1918 das Abitur nach und begann anschließend eine Ausbildung zum Volksschullehrer, die er 1920 abschloss. Bereits im selben Jahr nahm er zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit ein Studium der Geophysik, Ozeanographie, Meteorologie und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin auf. Dort besuchte er Vorlesungen bei Gustav Hellmann und Heinrich von Ficker. Er schloss das Studium 1925 ab.

Anschließend fand Beelitz eine Anstellung als Flugmeteorologe auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof. Dort errichtete er eine Wetterstation und unternahm Flüge mit einem speziellen Wetterflugzeug, um Daten aus der Atmosphäre zu gewinnen, die er für seine Beratungen der Piloten nutzte. Karl Knoch motivierte ihn zu seiner Dissertation Die Haupttypen des jährlichen Ganges der Niederschläge in Europa, mit der Beelitz 1932 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin zum Dr. phil. promoviert wurde.

Beelitz trat zum 1. März 1932 in den NS-Lehrerbund und zum 1. März 1933 in die NSDAP ein. Zudem war er Mitglied des NS-Fliegerkorps. Er erhielt einen Ruf als Ausbilder von Piloten der Luftwaffe der Wehrmacht in Finkenwalde bei Stettin. Später war er auch als Lehrer für Flugmeteorologie in Prenzlau und Berlin-Gatow im Geschäftsbereich des Reichsluftfahrtministeriums tätig. Zudem war er Leiter verschiedener Wetterwarten und Mitarbeiter der kriegsgeschichtlichen Forschungsgruppe der kriegswissenschaftlichen Abteilung des Reichsluftfahrtministeriums. Er wurde 1937 zum Regierungsrat und 1941 zum Oberregierungsrat ernannt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er als Flugmeteorologe in Polen, Frankreich und Italien eingesetzt. Von 1941 bis 1943 war er Leiter des Reichswetterdienstes im Vichy-Frankreich mit Sitz in Lyon. Anschließend war er von 1943 bis 1945 an der Wetterdienstschule im Reichsluftfahrtministerium tätig. Im April 1945 geriet er in Bad Blankenburg in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1945 wieder entlassen wurde.

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft versuchte Beelitz zunächst, wieder auf dem Flugplatz Gatow als Flugmeteorologe tätig zu werden. Allerdings wurde ihm von der britischen Militärregierung nur eine Anstellung als Nachtwächter angeboten, die er ablehnte. Zum 1. Januar 1946 wurde er schließlich zum Direktor des Aerologischen Observatoriums Lindenberg bestellt, das zunächst dem Hydrometeorologischen Dienst der UdSSR zugeordnet war. Neben seiner Funktion als Direktor des Observatoriums leitete er zudem die Abteilung für Radiosondenaufstiege und Aeroklima. Er setzte sich dabei insbesondere für den Aufbau einer mikroaerologischen Station ein. Zu dieser Zeit wurden auch erste meteorologische Messungen mit einem Meteorograph durchgeführt. Zudem setzte er sich beim Vorsitzenden der Deutschen Wirtschaftskommission, Heinrich Rau, erfolgreich für die Produktion von Radiosonden in der sowjetischen Besatzungszone ein, die deren Einsatz erst ermöglichten. Im Oktober 1949 wurde schließlich das neue Radiosondengebäude in Lindenberg eingeweiht. Mit der Gründung des Meteorologischen Dienstes der DDR im Januar 1950 wurde Beelitz Leiter der Radiosonden-Hauptstelle in Berlin-Rummelsburg. In den folgenden Jahren widmete er sich der Vervollständigung des Radiosondendienstes; 1957 wurde mit der Freiberger Radiosonde eine Verbesserung der Messungen und somit die Erfüllung internationaler Standards bei der Radiosondierung erreicht.

Jedoch wurde die Leitungsfunktion der Radiosonden-Hauptstelle mit ihren politischen Anforderungen zunehmend eine Belastung für Beelitz. Im Mai 1958 flüchtete er vom Ostteil der Stadt nach West-Berlin. Zunächst nahm er verschiedene Forschungsaufträge für das Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin wahr. 1959 ging er in Pension; er engagierte sich jedoch weiterhin in der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und besuchte noch bis wenige Wochen vor seinem Tod im Januar 1988 regelmäßig Fachkonferenzen.

Beelitz war ab 1923 verheiratet und Vater einer 1925 geborenen Tochter. Er lebte zuletzt in Berlin-Zehlendorf.

Werke (Auswahl) Die Haupttypen des jährlichen Ganges der Niederschläge in Europa. 1932. Aerologisch-synoptische Kritik an den Radiosonden-Aufstiegen im Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. 1953. Radiosonden. 1954. Bearbeitung der Ergebnisse der Radiosonden-Aufstiege anlässlich des 2. Weltvergleichs von Radiosonden in Payerne (Schweiz) 1956. 1958.

Literatur Paul Beelitz. In: Hans Steinhagen: Biografien der Leiter des Meteorologischen Observatoriums Lindenberg von 1905 bis 2005. Deutscher Wetterdienst, Offenbach/Main 2005, ISBN 3-88148-404-3, S. 53–57. Walter Fett: Dr. phil. Paul Beelitz. Nachruf. Mitteilungen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft März 1988.

Weblinks Paul Beelitz auf der Website des Projekts Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien

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