mini|Grüner Hof (Mitte) auf dem 1632 von Otto von Guericke gezeichneten Stadtplan, rechts (südlich) des Friedhofs das Augustinerkloster; oben (östlich) die Elbe Der Grüne Hof, auch Augustiner- oder Wallonerkirchhof, war ein Friedhof in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt.

Lage Der Friedhof befand sich im nordöstlichen Teil der Magdeburger Altstadt nördlich der Straße Wallonerberg. Der Friedhof erstreckte sich in dem Areal, das westlich von der Neustädter Straße begrenzt wird, die hier jedoch etwas weiter östlich als heute verlief. Im Norden befand sich die Straße Faßlochsberg und im Osten die Straße Altes Fischerufer.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 158. Zum Teil reichte der Friedhof bis an die Straße, so beim Alten Fischerufer, heran, in anderen Bereichen grenzte der Friedhof an die an den Straßen liegenden Grundstücke.

Geschichte Der Friedhof war wohl schon im Mittelalter in Benutzung und diente als Begräbnisplatz des südlich liegenden Augustinerklosters. Auf dem 1632 von Otto von Guericke angefertigten Plan der Stadt Magdeburg ist der Friedhof eingezeichnet und wird dort als Grüne Hoff da man toten begräbt bezeichnet. Zum Friedhof führte von der Neustädter Straße her eine kurze Zufahrt. Die Straße Wallonerberg, die den Friedhof von der zum ehemaligen Augustinerkloster gehörenden Wallonerkirche trennte, wurde erst um 1720 angelegt.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 487.

Ab 1680 wurde der Friedhof von der Johannis- und der PetrigemeindeErnst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 488., später dann auch von der deutsch-reformierten, der französisch-reformierten (1687) und der wallonisch-reformierten Gemeinde genutzt.

Im Jahr 1700 wies der Kurfürst eine Erweiterung des Friedhofs der Französisch-reformierten Gemeinde an, die dann 1703 umgesetzt wurde. Dieser als Franzosenfriedhof bezeichnete Teil wurde 1727 mit einer Mauer umgeben.Johannes Maresch: Die Französisch-Reformierte Gemeinde zu Magdeburg. Ein Rückblick auf 250 Jahre ihrer Geschichte 1687 – 1937. Magdeburg 1937, Seite 19

Im 18. Jahrhundert war der Friedhof zwischen den beteiligten Kirchengemeinden in fünf Bereiche unterteilt. Mit der Anlegung des Nordfriedhofs als neuem städtischen Begräbnisplatz im Jahr 1827 wurden dann keine neuen Begräbnisse mehr vorgenommen.

Nach Ende der regelmäßigen Nutzung hatte der Gemeindetotengräber der deutsch-reformierten Gemeinde begonnen, eigenmächtig über die Fläche zu verfügen. So hatte er eine Stelle einem Tischlermeister aus dem Faßlochsberg als Holzlagerplatz überlassen, der extra von seinem Grundstück aus einen Zugang geschaffen hatte. Im Bereich der wallonisch-reformierten Gemeinde arbeitete ein Seiler, der auch über den Torschlüssel verfügte, so dass sich auch Sonntags Lehrjungen wohl unbeaufsichtigt auf dem Gelände aufhielten. Die Gemeinden entschlossen sich daher zu einer geordneten Verpachtung. Die verpachtete Fläche betrug 101 Quadratruten, 32 Quadratfuß und somit etwa 1436 m². Als Anteil der Gemeinden wurden etwa 444 m² der Petrigemeinde, etwa 380 m² der Johannisgemeinde, etwa 325 m² der deutsch-reformierten Gemeinde und ungefähr 286 m² der wallonisch-reformierten Gemeinde zugeordnet. Pächter wurden der Tischlermeister aus dem Faßlochsberg, D. Nullmeyer und der angrenzend an den Friedhof in der Neustädter Straße wohnende Ortseinnehmer Lucke. Bis 1857 durfte der Boden jedoch nicht aufgewühlt werden. Die Verpachtung lief bis 1856.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 159. mini|Mauerrest am Haus Wallonerberg 5, 2026 1856 plante die Stadt den Erwerb des Grundstücks, um eine Schule zu errichten. Als Grundstückswert wurden 60 Taler je Quadratrute geschätzt, die Stadt bot 50 Taler je Quadratrute. Zu einem entsprechenden Vertragsschluss kam es jedoch nicht, da die Regierung keine Genehmigung erteilte. Tatsächlich bot dann der Pächter Nullmeyer die 60 Taler, wonach dann auch die Stadt bereit war, diesen Preis zu zahlen. Nullmeyer, dessen Haus direkt angrenzte, erhöhte auf 62 und dann 65 Taler. Nach der Lösung von Grenzstreitigkeiten wurde das Grundstück schließlich an ihn verkauft.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 160.

Ursprünglich zum Friedhof gehörende Grundstücke wurden später bebaut, so auch die Grundstücke Wallonerberg 5, 6, 7 und 8. Auf dem Grundstück Wallonerberg 5 ist eine jetzt denkmalgeschützte Mauer erhalten, die zum Teil als Rest einer ehemaligen Friedhofsmauer gedeutet wird. Denkbar ist jedoch auch ein Zusammenhang mit dem ursprünglich in der Nähe befindlichen Stadttor Augustinerpforte.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 540.

Noch in den 1930er Jahren bestanden im Garten des Pensionats am Wallonerberg Grabsteine.Johannes Maresch: Die Französisch-Reformierte Gemeinde zu Magdeburg. Ein Rückblick auf 250 Jahre ihrer Geschichte 1687 – 1937. Magdeburg 1937, Seite 19

Literatur Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 158 ff.

Einzelnachweise

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