Melodie der Straße war eine Berliner Kabarett-Revue, die am 31. Oktober 1947 in der Neuen Scala – Kabarett der Komiker (Kleines Haus am Nollendorfplatz) im Berliner Bezirk Schöneberg uraufgeführt wurde.Klaus Völker: Kabarett der Komiker – Berlin 1924 bis 1950. Et und k Verlag, München 2010, S. 242. Die Spielstätte befand sich am Nollendorfplatz im Gebäude des heutigen Metropol-Theaters.
Geschichte Die Revue entstand in der unmittelbaren Nachkriegszeit und wurde zwischen 1947 und 1949 aufgeführt. Sie erreichte mehr als 500 Aufführungen und zählt damit zu den erfolgreichsten Berliner Kabarettproduktionen der Nachkriegszeit.Klaus Völker: Kabarett der Komiker – Berlin 1924 bis 1950. Et und k Verlag, München 2010, S. 246. Inhaltlich griff sie den Alltag der Bevölkerung im zerstörten Berlin der Trümmerjahre auf und verband kabarettistische Szenen mit Musik- und Tanzeinlagen.
Das Drehbuch der Revue stammte von Curth Flatow und Bruno Balz. Die Musik wurde überwiegend von Heino Gaze komponiert. Regie führte Robert A. Stemmle. Das Bühnenbild entwarf Herbert Döblin, die Choreografie besorgte Eduard Böttger. Die Illustrationen fertigte Eduard Hedtstück (Künstlername „Pinsel“) an. Fotografien von H. Mederer dokumentieren die Inszenierung und das Bühnenbild.
Besetzung Zur Premierenbesetzung gehörten Willi Schaeffers, Edith Schollwer, Walter Gross, Madeleine Lohse, Ruth Peter, Anni Dobra, Christina Ohlsen, Agnes Palm, Erika Brüning, Günter Werner, Fritz Lafontaine, Wolfgang Müller, Günter Keil sowie Helga Wille und die Nicolets.Strauss, JS.: Der Star der vom Himmel fiel – Wolfgang Müller. Berlin Concert Verlag und Medien, Berlin 2023, S. 52. In späteren Besetzungen wirkten unter anderem Dieter Koch (Künstlername „Thierry“), Maria Zach, Thea Kämer, Bruno Kiebler und Rudolf Stör mit.
Musik Die musikalischen Darbietungen umfassten Ensemblegesang, Chansons sowie Swing, Foxtrott und Jitterbug Lieder mit Klavier- oder Trio-Begleitung. Die Gesangsgruppe Helga Wille und die Nicolets war an mehreren Musiknummern beteiligt.
Die drei „Swing-Heinis“ – Fritz Lafontaine, Wolfgang Müller und Günter Keil – parodierten in ihrem Showteil die Swing-Jugend der Nachkriegszeit.Strauss, JS.: Der Star der vom Himmel fiel – Wolfgang Müller. Berlin Concert Verlag und Medien, Berlin 2023, S. 55. Wolfgang Müller präsentierte dabei unter anderem eine Parodie auf den Soldatensender AFN, die er auch nach dem Ende der Revue in späteren Bühnenprogrammen aufführte. Eine Tonaufnahme erschien 1965 bei Telefunken als 7-Zoll-Schallplatte in der Reihe Schall und Rauch unter dem Titel Füllschrift Nr. 15.Strauss, JS.: Der Star der vom Himmel fiel – Wolfgang Müller. Berlin Concert Verlag und Medien, Berlin 2023, S. 117. Ab 1948 erschienen mehrere Lieder aus Melodie der Straße auf Schallplatten (bei Amiga und Tempo/Austroton). Der Berliner Musikverlag Capriccio veröffentlichte Liedtexte und Notenausgaben einzelner Musiknummern, die in der Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlin archiviert sind. Von einem großen Teil der Revue ist außerdem eine zeitgenössische Rundfunkaufnahme erhalten (u. a. im JS. Strauss Archiv, Berlin), die seinerzeit als Hörspielfassung ausgestrahlt wurde.
Auch außerhalb Berlins fand die Revue Beachtung. Das Münchner Swing-Trio King Kols arrangierte ein Medley aus drei Musiknummern der Produktion und veröffentlichte dieses auf Schallplatte. Das Medley wurde 1997 im Rahmen der CD-Edition BCD 16007 AH des Labels Bear Family Records erneut veröffentlicht.
Literatur Klaus Völker: Kabarett der Komiker. et+k im Boorberg Verlag, München. ISBN 978-3-86916-050-4. Klaus Budzinski, Reinhard Hippen: Meltzers Kabarett Lexikon. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl E. Poeschel Verlag, Stuttgart. ISBN 3-476-01448-7. Curth Flatow: Am Kurfürstendamm fing’s an. Langen Müller – Herbig Verlagsbuchhandlung, Berlin, ISBN 3-7844-2771-5. Johannes-Sebastian Strauss: Der Star, der vom Himmel fiel – Wolfgang Müller. Berlin Concert Verlag, Berlin, ISBN 978-3-936-399-34-9.
Einzelnachweise
Kategorie:Kabarett (Berlin) Kategorie:Musik 1947 Kategorie:Berlin-Schöneberg