Anna von Villiez (* 1974 in Hamburg) ist eine deutsche Historikerin mit Schwerpunkten in jüdischer Geschichte Hamburgs, NS-Medizingeschichte, Wissenschaftsgeschichte und Provenienzforschung. Seit 2018 leitet sie die Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule; 2026 bestellte der Hamburger Senat sie zur Beauftragten für jüdisches Leben und die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus.

Leben Von Villiez wuchs in Hamburg-Eppendorf auf und promovierte an der Universität Hamburg über die Entrechtung und Verfolgung „nicht arischer“ Ärzte in Hamburg von 1933 bis 1945. Ihre Studie Mit aller Kraft verdrängt. Entrechtung und Verfolgung „nicht arischer“ Ärzte in Hamburg 1933 bis 1945 widmete sie sich dem Schicksal von rund 450 jüdischen Menschen im Arztberuf während der NS-Zeit und wurde 2011 mit einem Forschungspreis von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung ausgezeichnet. Von 2007 bis 2011 koordinierte und leitete sie an der Oxford Brookes University das Forschungsprojekt Victims of Medical Experiments under National Socialism; später arbeitete sie am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und an der Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Seit 2018 leitet sie die Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule an der Hamburger Volkshochschule im Karolinenviertel.

Wirken Von Villiez arbeitet zur Geschichte der jüdischen Ärzteschaft in Hamburg; in einem Beitrag für Hamburger Schlüsseldokumente zur deutsch-jüdischen Geschichte analysierte sie deren Erfassung, Entrechtung, Vertreibung und Ermordung zur Zeit des Nationalsozialismus. Als Leiterin und Kuratorin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule leiste sie wichtige Beiträge zur Dauerausstellung Jüdische Kinderwelten. Die Geschichte der Israelitischen Töchterschule, die 2025 auf vergrößerter Fläche jüdisches Schulleben, Alltag und Ausgrenzung aus kindlichem Blickwinkel zeigte. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren bestellte der Hamburger Senat sie am 30. Juni 2026 zur Beauftragten für jüdisches Leben und die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus, nachdem ein unterlegener Mitbewerber das Verfahren gerichtlich angefochten hatte und seine Beschwerde vom Hamburgischen Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen worden war. Das weisungsungebundene Amt ist an die Hamburger Wissenschaftsbehörde angegliedert; von Villiez soll Ansprechpartnerin im Bereich Antisemitismus sein, Hamburg in der Bund-Länder-Kommission vertreten und den Vorsitz des Runden Tisches übernehmen. Von Villiez kündigte an, jüdisches Leben in Hamburg sichtbarer zu machen und Antisemitismus gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft zu begegnen.

Einzelnachweise

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