mini|hochkant|Mosesbrunnen Der Mosesbrunnen () ist ein Monumentalbrunnen in der italienischen Kleinstadt Arco im Trentino. Das Werk eines unbekannten Künstlers aus dem 18. Jahrhundert steht seit 1922 unter Denkmalschutz.
Lage Der Mosesbrunnen ist einer von über 130 Brunnen, die auf dem Gemeindegebiet von Arco liegen.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 19. Er befindet sich in der Altstadt auf der Westseite der Piazza III Novembre. Nur wenige Meter südlich liegt die Hauptfassade der Pfarrkirche Collegiata und dem Brunnen gegenüber steht das Rathaus, das im Palazzo di Piazza untergebracht ist, während sich nördlich der Palazzo Nuovo befindet.
Beschreibung Das Bauwerk kann dem Spätbarock zugeordnet werden, es enthält aber auch klassizistische Elemente. Diese Stilrichtung ist insbesondere im östlichen Teil der Lombardei vorzufinden.Giuseppe Sava: Tra scultura e architettura: l‘arredo lapidei. S. 243–244. Die eindrucksvolle architektonische Brunnenfassade greift die zentralen künstlerischen Themen des 18. Jahrhunderts auf. Die grandiose Wirkung des Brunnens wird durch ein ellipsenförmiges Mehrpassbecken erreicht. Dieses Becken befindet sich auf einer Steintreppe, die derselben geschwungenen Form folgt, wodurch der Raum viel tiefer wirkt, als er tatsächlich ist. Die Treppe wird an ihrem Fuß von viereckigen Steinsockeln mit abgerundeten Ecken und pyramidenstumpfförmigen Spitzen geschützt. An den beiden Seiten des Wasserbeckens befinden sich jeweils robuste Voluten, die schräg zur Vorderseite angeordnet sind, wodurch sie Bewegung verleihen und die perspektivische Wirkung des Gesamtbildes verstärken.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 34.
Über dem Becken prangt in der Mitte das Wappen der Familie Arco in seiner ältesten Form. Das Wappen ist in ein ovales Feld eingefügt, das von einem mit Voluten verzierten, profilierten Rahmen und einem zentralen Blattmotiv im oberen Bereich umrahmt wird. Die Brunnenfassade endet mit einem geschwungenen, gebrochenen Giebel, in dessen Mitte sich einst eine Inschrift befand, die nicht mehr erhalten ist. Zwei Putten an den Enden des Giebels flankieren wie Wächter die imposante Brunnenfigur des Moses, die von oben den gesamten Platz beherrscht. Die Darstellung des Moses mit den Gesetzestafeln im Arm steht hier nicht in Bezug zum Wasser als reinigendes, läuterndes Element. Vielmehr sollen die Gesetzestafeln auf seine Rolle als Gesetzgeber hindeuten. Sein zum gegenüberliegenden Palazzo Nuovo, dem ehemaligen Justizpalast, gewandter Blick mag auf diese gesetzgebende Rolle anspielen. Als Wasserspeier dienen zwei Maskarone, die mit ihren bärtigen Gesichtern und ihrer ungewöhnlichen Kopfbedeckung symmetrisch an den Seiten des Wappenovals angebracht sind.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 34–35.
Zum Gesamtbild des kunstvoll gestalteten Brunnens trägt auch seine farbliche Gestaltung bei. So hebt sich vom überwiegenden weißen Kalkstein, das aus rotem Kalkstein bestehende Wasserbecken und das aus gelbem Sandstein gefertigte Wappenoval ab. Die Figurengruppe wiederum ist aus weißem und leicht zu verarbeitenden Bildhauerstein gemacht, der aus Steinbrüchen des Vorortes San Martino stammt.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 35.
Geschichte mini|hochkant|Quelle im Arboretum von Arco, die den Mosesbrunnen früher mit Wasser versorgte Bevor der Mosesbrunnen errichtet wurde, befand sich ein Brunnenschacht in der Umgebung, der die Bewohner des Ortskerns mit Wasser versorgte.Maria Gonzato: La fontana del Mosè. S. 21. 1633 wurden erste Planungen für den Bau einer Trinkwasserleitung erstellt. Mit dem Bau wollte man Trinkwasser auf den zentralen Platz der Stadt leiten, da das Wasser aus dem Brunnenschacht häufig trüb und als Trinkwasser nicht zu gebrauchen war. Das Wasser aus einer Quelle außerhalb der Stadtmauern gefasst werden, die in der Nähe des Stadtteils Stranfora lag und bereits den Brunnen in Stranfora bediente. Das von Graf Gerardo von Arco und von Kaiser Ferdinand II. unterstütze Projekt fand allerdings nicht die Zustimmung der Bewohner von Stranfora, die um die eigene Trinkwasserversorgung besorgt waren.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 32–33.
Ob das Projekt am Ende durchgeführt wurde, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor. Als aber um die Mitte des 18. Jahrhunderts der Brunnenschacht einzustürzen drohte, wurde das Problem der Wasserversorgung in der Stadt langsam akut. Nachdem man schließlich auch die Einwohner aus Stranfora vom Nutzen des Brunnens überzeugte und mehrere Gutachten bescheinigten, dass das Quellwasser ausreichend für die Versorgung beider Brunnen sei, begann man um 1758 mit dem Bau des Brunnens.Maria Gonzato: La fontana del Mosè. S. 22–24.
Die Errichtung des Monumentalbrunnens muss jedoch ebenso im engen Zusammenhang mit der Neugestaltung des Platzes am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts gesehen werden. Die Neugestaltung war nach der Fertigstellung der Collegiata 1671 nötig geworden und beinhaltete auch die Neugestaltung der umliegenden Plätze. Zuletzt war 1738 der Ostflügel des Palastes der Grafen von Arco, in dem sich mittlerweile das Rathaus befindet, im Stile des Barocks umgestaltet worden. In diesen städtebaulichen Modernisierungskontext muss der Bau des Mosesbrunnens gesehen werden. Ihm kam damit eine ähnliche Aufgabe zu wie den barocken Neptunsbrunnen in Trient und Rovereto.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 33–34.
Mit der Platzierung der Brunnenfiguren am 19. April 1760 war der Brunnen fertiggestellt. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wurden mehrere Verordnungen erlassen, die die Nutzung des Brunnens regelten. So war beispielsweise das Waschen jeglicher Art untersagt und lediglich die Entnahme von Wasser erlaubt.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 33.
1922 wurde er von Giuseppe Gerola, dem Leiter des Büros für Kunst- und Kulturgüter in Trient, unter Denkmalschutz gestellt. Der Versuch der Kommunalverwaltung, ihn in den darauffolgenden Jahren abzubauen und an einer anderen Stelle wieder aufzubauen, um die Innenstadt für den Autoverkehr zugänglicher zu machen, scheiterte vor allem am Widerstand von Giuseppe Gerola.Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. S. 36–37.
Literatur Giuseppe Sava: Tra scultura e architettura: l‘arredo lapidei. In: Andrea Bacchi, Luciana Giacomelli (Hrsg.): Scultura in Trentino. Il Seicento e il Settecento: volume secondo. Provincia Autonoma di Trento, Trient 2003, ISBN 88-86602-55-3. Alessandro Riccadona: Alla fonte: Acqua, fontane e storie di Arco. Comune di Arco – Associazione Riccardo Pinter, Arco 2014, ISBN 978-88-89521-33-5, S. 31–37. Maria Gonzato: La fontana del Mosè. In: In Archivio. Gazzetta dell‘Archivio. 3. Jahrgang Nr. 5 (März 2026), S. 21–30.
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Einzelnachweise
Kategorie:Brunnen in Italien Kategorie:Bauwerk in Arco (Trentino) Arco Kategorie:Skulptur (1760) Kategorie:Barocke Skulptur Kategorie:Kalksteinskulptur Kategorie:Kunstwerk im öffentlichen Raum in Italien