mini|200px|John Moran Bailey (1961) John Moran Bailey (* 23. November 1904 in Hartford, Connecticut; † 10. April 1975 ebenda) war ein US-amerikanischer Jurist und Politiker der Demokratischen Partei, der unter anderem eine bedeutende Rolle bei der Förderung der „New Deal“-Koalition der Demokratischen Partei und deren liberalen politischen Positionen während der Regierung von Franklin D. Roosevelt spielte sowie zwischen 1961 und 1968 Vorsitzender des Democratic National Committee (DNC) war. Bailey dominierte von 1946 bis zu seinem Tod 1975 als Parteivorsitzender die Politik der Demokraten in Connecticut und hatte insbesondere maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl der Parteikandidaten für Spitzenämter sowie auf die Koordinierung der Demokraten im Parlament des Bundesstaates.

Leben John Moran Bailey war irischamerikanischer Abstammung und der Sohn eines Arztes, der Mitbegründer des Hartford Hospital sowie mehrere Jahre Mitglied des Stadtrates von Hartford war. Seine Mutter besaß und verwaltete umfangreichen Immobilienbesitz in Hartford und engagierte sich in katholischen Wohltätigkeitsorganisationen sowie in der Politik der Demokratischen Partei. Nach dem Besuch der Hartford Public High School begann er 1922 ein Studium an der Catholic University of America, das er 1926 mit einem Bachelor of Arts (B.A.) mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften beendete. Er absolvierte wegen der für ein Medizinstudium fehlenden nötigen Noten in den relevanten Fächern für die Zulassung zur medizinischen Fakultät ein Studium der Rechtswissenschaften an der Harvard Law School und schloss dieses 1929 mit einem Bachelor of Laws (LL.B.) ab. Kurz darauf kehrte er nach Hartford zurück und eröffnete dort nach der anwaltlichen Zulassung für den Bundesstaat eine kleine Anwaltskanzlei. 1929 unterstützte er den Bürgermeisterwahlkampf eines Freundes der Familie und kandidierte selbst für das Amt als lokaler Parteifunktionär der Demokraten auf Wahlbezirksebene („Precinct Captain“). Obwohl er die Wahl mit einem Rückstand von dreißig Stimmen verlor, beschloss er, eine politische Laufbahn einzuschlagen. Um hierfü die Grundlagen zu erlernen, schloss er sich dem Team von Thomas J. Spellacy an, dem demokratischen Parteichef von Hartford. Als Spellacys Adjutant und Chauffeur gelangte Bailey 1931 in den Stab von Bürgermeister William J. Rankin und wurde 1932 in das Führungsgremium der Demokratischen Partei von Connecticut (Connecticut Democratic State Central Committee) gewählt.

mini|200px|Bei der Förderung der „New Deal“-Koalition von US-Präsident Franklin D. Roosevelt in den 1930er Jahren spielte Bailey eine maßgebliche Rolle. 1933 wurde Bailey Richter am Polizeigericht von Hartford, was im Rahmen einer politischen Absprache, die Spellacy mit der Republikanischen Partei in der Generalversammlung (Connecticut General Assembly), der Legislative des Bundesstaates getroffen hatte. Nachdem 1935 Spellacys Einfluss kurzzeitig schwand, sah Bailey sich gezwungen, sein Richteramt zugunsten der niedriger dotierten Position eines Gerichtsschreibers am Polizeigericht aufzugeben. Dank seiner Kontakte im Gesetzgebungsbereich kehrte er 1939 auf den Richterstuhl des Polizeigerichts zurück. Während er in den 1930er Jahren in Hartford als politischer Allrounder und kleinerer Amtsträger tätig war, engagierte er sich sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene intensiv für den Aktivitäten neu gegründeten „Young Democratic Club“. Als Redner und Anwerber neuer Mitglieder reiste er viel im Auftrag der „Young Democrats“ und wurde 1937 sowie 1939 zum Bundesschatzmeister der Jugendorganisation der Demokratischen Partei gewählt. Er spielte dabei eine bedeutende Rolle bei der Förderung der „New Deal“-Koalition der Demokratischen Partei und deren liberalen politischen Positionen während der Regierung von Präsident Franklin D. Roosevelt. Sein eigener Erfolg und die Aussicht auf einen überwältigenden Sieg der Demokraten ermutigten Bailey dazu, 1940 für das Amt des Nachlassrichters (Probate Judge) im Hartford County zu kandidieren. Ein Zeitungsbericht über eine Unstimmigkeit von 1.000 Dollar in der Buchführung des Gerichtsschreibers während Baileys vorangegangener Amtszeit ermöglichte es den Republikanern jedoch, seine Kandidatur zu vereiteln. Sie stellten die Frage: „Wem wollen Sie Ihr Geld anvertrauen, wenn Sie tot sind?“ („Who do you want handling your money after you are dead?“) und besiegten Bailey mit einem Vorsprung von 15.000 Stimmen – und das, obwohl die Demokraten im Sog von Roosevelts Popularität mit Robert A. Hurley das Gouverneursamt und andere wichtige Posten gewannen. Obwohl er später von allen Vorwürfen entlastet wurde, strebte Bailey nie wieder ein Wahlamt an. 1941 ernannte Gouverneur Hurley ihn für eine vierjährige Amtszeit zum Beauftragten für die Überarbeitung der Gesetzgebung (Statute Revision Commissioner). Diese Aufgabe, die die Prüfung und Ausarbeitung von Gesetzesvorlagen für die Generalversammlung umfasste, ermöglichte es ihm, sich ein umfassendes Wissen über den Gesetzgebungsprozess anzueignen. Zudem bot sich ihm eine unerwartete Gelegenheit, sein Geschick als Parteitaktiker unter Beweis zu stellen: Der republikanische Gouverneur Raymond E. Baldwin wartete bis nach der Legislaturperiode 1945, bevor er Nachfolger für den Beauftragten zur Gesetzesüberarbeitung und drei weitere demokratische Amtsträger ernannte, deren Amtszeiten bereits abgelaufen waren. Bailey weigerte sich, seinen Posten zu räumen, bevor sein Nachfolger – wie gesetzlich vorgeschrieben – vom Senat des Bundesstaates bestätigt worden war, und drängte seine Kollegen dazu, ebenfalls auf ihren Posten zu verbleiben. Zu Baldwins Verdruss behielten Bailey und die anderen Demokraten ihre mit weitreichenden Vergabebefugnissen verbundenen Ämter gemeinsam mit den neuen republikanischen Amtsträgern bei, bis die Generalversammlung wieder zusammentrat; diese Haltung wurde vom Connecticut Supreme Court of Errors bestätigt.

mini|200px|Henry M. Jackson war als Vorgänger Baileys bis 1961 Vorsitzender des Democratic National Committee (DNC). Nachdem John M. Bailey 1936, 1940 und 1944 Connectitut als Ersatzdelegierter zu den Democratic National Conventions war, den Parteitagen der Demokratischen Partei, die im Turnus von vier Jahren stattfinden und während dieser Versammlungen den Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei nominieren sowie ein Parteiprogramm festlegen, war er von 1952 bis 1972 Delegierter zu diesen Parteitagen. Dabei fungierte außerdem 1956, 1960 und 1964 als Vorsitzender des Organisationsausschusses sowie 1968 als Sprecher der Democratic National Convention. Als Nachfolger von John A. McGuire übernahm er am 23. September 1946 den Posten als Chairman of the Democratic Party of Connecticut und war damit bis zu seinem Tode am 10. April 1975 fast 29 Jahre lang Vorsitzender der Demokratischen Partei in diesem Bundesstaat, woraufhin William A. O’Neill neuer Parteivorsitzender wurde.

mini|200px|Bailey (links) mit US-Präsident John F. Kennedy und weiteren Unterstützern und Funktionären der Demokratischen Partei im Oval Office des Weißen Hauses (20. November 1963). Am 21. Januar 1961 wurde Bailey als Nachfolger von Henry M. Jackson Vorsitzender des Democratic National Committee (DNC), des nationalen Organisationsgremiums der Demokratischen Partei, und behielt diese Funktion bis zu seiner Ablösung durch Larry O’Brien am 30. August 1968. Obwohl er für die gesamte Unterstützung von Kandidaten auf Landes- und Kommunalebene sowie für die für die Partei entscheidende Wählerregistrierungskampagne zuständig war, übte er in der neuen Regierung von Präsident John F. Kennedy kaum echten Einfluss aus. Allerdings zählte er zu den wichtigsten Unterstützern John F. Kennedys im Hintergrund. Generalstaatsanwalt Robert F. Kennedy kontrollierte die Personalbesetzung des Democratic National Committee, und über andere wichtige Postenvergaben entschied das Weiße Haus. Der Präsidentenberater Larry O’Brien teilte Bewerbern in der Regel mit, wenn sie eine Stelle erhalten hatten, während dem Parteivorsitzenden Bailey die undankbare Aufgabe zufiel, ihnen Absagen zu übermitteln. Dennoch trug Baileys geschickte Führung des Parteiapparats dazu bei, dass die Demokraten bei den Zwischenwahlen zum US-Senat 1962 vier Sitze hinzugewannen und die Verluste im Repräsentantenhaus 1962 auf vier Sitze begrenzten. Nach der Ermordung Kennedys behielt Präsident Lyndon B. Johnson Bailey zwar im Amt, schränkte dessen Rolle jedoch erheblich ein. Clifton Carter, ein Mitarbeiter des Weißen Hauses, wurde 1964 mit der Aufsicht über die Arbeit des Democratic National Committee betraut; nach dem überwältigenden Wahlsieg des Präsidenten in jenem Jahr wurde das Budget des Komitees drastisch gekürzt und die Wählerregistrierungskampagne eingestellt. Obwohl er kaum mehr als eine Symbolfigur war, blieb Bailey dem Präsidenten loyal und behielt seinen Posten auf nationaler Ebene bis August 1968.

mini|hochkant|200px|Hubert H. Humphrey, nominiert als demokratischer Präsident­schafts­kandidat, und Edmund S. Muskie, nominiert als Vize­präsident­schafts­kandidat, auf der Democratic National Convention 1968. Bis 1968 hatte das amerikanische Eingreifen in Vietnam die politische Landschaft grundlegend verändert, und Bailey sah sich in Connecticut mit einer entschlossenen Gruppe von politisch unerfahrenen Bürgern aus der Mittelschicht konfrontiert, die die Antikriegs-Präsidentschaftskandidatur von Senator Eugene McCarthy aus Minnesota unterstützten. Die McCarthy-Anhänger – angeführt von Joseph Duffey und Anne Wexler – traten gegen das an, was sie als die „alte Politik“ der Parteiestablishment-Vertreter bezeichneten, und erzielten bei den Vorwahlen im Frühjahr 1968 44 Prozent der Stimmen. Es folgte eine lange Reihe von Verhandlungen, in denen Baileys Gegner drohten, sich gegen die erneute Nominierung von Senator Abraham A. Ribicoff auszusprechen, sollten sie keinen angemessenen Anteil an den 44 Sitzen der Delegation aus Connecticut für den Nominierungsparteitag der Demokraten 1968 in Chicago erhalten. Obwohl Bailey ihnen letztlich nur neun Sitze zugestand, gelang es den „Aufständischen“, den Parteivorsitzenden bloßzustellen: Sie verhinderten, dass er die sogenannte „Unit Rule“ (die Regelung zur geschlossenen Stimmabgabe der gesamten Delegation) anwenden und alle Stimmen seines Bundesstaates auf seinen Wunschkandidaten – den späteren Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Vizepräsident Hubert H. Humphrey – vereinen konnte. 1970 schien Baileys Ruf weiter Schaden zu nehmen, als Duffey in einer Vorwahl überraschend den Kandidaten besiegte, den der Parteitag der Demokraten in Connecticut für den US-Senat auserkoren hatte, und als der Kongressabgeordnete Emilio Q. Daddario – der ebenfalls nicht zum Lager Baileys gehörte – als Gouverneurskandidat nominiert wurde. Doch die Wahlniederlagen sowohl von Duffey als auch von Daddario ermöglichten es Bailey, seine Macht zu behaupten. 1974 meldete er sich als „Königsmacher“ der Partei zurück, indem er Generalstaatsanwalt Robert K. Killian davon überzeugte, seine Gouverneurskampagne aufzugeben und stattdessen als Kandidat für das Amt des Vizegouverneurs an der Seite der Kongressabgeordneten Ella T. Grasso anzutreten. Grasso wurde daraufhin die erste Frau und die erste Gouverneurin italienisch-amerikanischer Abstammung in Connecticut sowie die erste Frau, die zur Gouverneurin eines Bundesstaates gewählt wurde, ohne die Nachfolge ihres Ehemanns anzutreten. Bis zu seinem Tod in Hartford beriet Bailey Grasso weiterhin in Fragen der Personalbesetzung und der Gesetzgebungsstrategie. Er engagierte sich außerdem in der römisch-katholischen Laienvereinigung der Kolumbusritter und im Benevolent and Protective Order of Elks.