Fritz Hellendall (* 25. August 1912 in Düsseldorf; † 22. Juni 1999 in London) war ein deutsch-britischer Jurist und Publizist. Vor der Verfolgung durch das NS-Regime war er 1934 nach England ins Exil geflohen. Dort gehörte er zu den Gründern der Vereinigung Freier Deutscher Juristen in Großbritannien. Er beteiligte sich führend an der Kampagne zur Benennung der Universität Düsseldorf nach Heinrich Heine.

Leben und Wirken Fritz Hellendall wurde in Düsseldorf als Sohn des Arztes Hugo Hellendall (1873–1954) und seiner Frau Elise geboren. Das Jurastudium in Freiburg, Heidelberg, Berlin und Köln (wo er Heinz Kühn zu seinen Kommilitonen zählte) beendete er 1933 mit einer Dissertation. Aufgrund von Repressionen des NS-Regimes durfte er juristische Staatsprüfungen nicht ablegen und „musste […] Deutschland, als Jude, 1934 verlassen“. Er emigrierte nach Großbritannien, absolvierte das britische Jura-Studium und ließ sich als Anwalt nieder, zunächst in Holborn und später in London. Im Zweiten Weltkrieg diente er bei den britischen Pionieren. Er war schon damals publizistisch tätig. So forderte er 1944 die Strafverfolgung der im Konzentrations- und Vernichtungslager Lublin-Majdanek begangenen Verbrechen. In den 1970er Jahren gehörte er dem P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland an (1991 Austritt aus dem P.E.N.). Er verwaltete Teile des Nachlasses von Gabriele Tergit. Sein eigener Nachlass befindet sich in der University of Sussex Library. Seine Eltern und seine Schwester Mathilde emigrierten 1938 über England in die USA. Dem Vater, einem Frauenarzt in Düsseldorf, war im Rahmen der antijüdischen nationalsozialistischen Gesetzgebung die Kassenzulassung entzogen worden. Fritz Hellendall heiratete 1943 die Lehrerin Margarete Malwine Schweiger, geborene Thilo (* 1906).

Vereinigung Freier Deutscher Juristen in Großbritannien Die Vereinigung, in der Hellendall maßgeblich mitwirkte, war Teil der am 25. September 1943 gegründeten Freien Deutschen Bewegung mit Sitz in London NW 3, Buckland Crescent 16. Die Vereinigung Freier Deutscher Juristen erarbeitete bereits Mitte 1944 rechtliche Grundlagen für die Bestrafung von Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung, die über die bislang gültigen völkerrechtlichen Bestimmungen der Haager Konvention von 1907 hinausgingen (die lediglich an Kriegsteilnehmern begangene Verbrechen als Kriegsverbrechen ahndeten), und bereitete den Aufbau einer Justiz in einem vom Nationalsozialismus befreiten Deutschland vor.„[...] Einen Hauptkomplex von Straftaten, der durch die Haager Konvention überhaupt nicht erfasst wird, bilden die unzähligen Verbrechen der Nazis gegen Juden und andere Hitlergegner, die keinem alliierten Staatsverbande angehören. Wenn diese Verbrechen nicht strafrechtlich erfasst werden sollten, so würde es bedeuten, dass z.B. die Greuel von Maidanek und ähnlichen Lagern innerhalb und außerhalb Deutschlands nur insofern bestraft werden könnten, als sie gegen alliierte Staatsangehörige begangen worden sind.[...] In Erkenntnis dieser Tatsachen hat die Vereinigung Freier Deutscher Juristen in Großbritannien in den letzten Monaten gewisse Vorschläge zur durchgreifenden Bestrafung der Naziverbrecher ausgearbeitet. [...] Das deutsche Strafrecht, wie es bis zum 30. Januar 1933 bestand, sollte auf diese Taten angewandt werden. [...] Als Übergangsbestimmung wird vorgeschlagen, alle von den Nazis geschaffenen Strafbestimmungen für unwirksam zu erklären.[...] Diese Vorschläge stellen den ersten Diskussionsbeitrag Freier Deutscher Juristen zu dieser Frage dar, welche die Öffentlichkeit in allen freien Ländern beschäftigt.“

Kampagne für die Heinrich-Heine-Universität „Ärgerte schon meinen Schuldirektor dadurch, daß ich mich [ca.1929] für ein würdiges Denkmal für Heinrich Heine in seiner – und meiner – Vaterstadt einsetzte.“ So lautet der Beginn einer autobiographischen Skizze Fritz Hellendalls. Mit entschieden jüdischer Stimme trat er auch Jahrzehnte später für dieses Vorhaben ein. Im Juli 1965 monierte er in einem BriefFritz Hellendall. Brief an den Oberstadtdirektor von Düsseldorf, Gilbert Just, Juli 1965. Stadtarchiv Düsseldorf XXIII 882. Zit. n. Thomas Gutmann. Im Namen Heinrich Heines. Der Streit um die Benennung der Universität Düsseldorf 1965–1988 Droste Verlag Düsseldorf 1997 S. 26–28. an den damaligen Oberstadtdirektor Gilbert Just, dass der Dichter bisher in Düsseldorf nicht angemessen gewürdigt werde und inspirierte damit die Idee, die zukünftige dortige Universität nach Heinrich Heine zu benennen. Als am 16. November 1965 die Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen den Aufbau einer Universität in Düsseldorf beschloss, schlug Just offiziell diesen Namen vor.Anonymus. Heinrich-Heine-Universität. Vorschlag des Oberstadt-Direktors-überall Freude über Kabinettsentscheid. Düsseldorfer Nachrichten 19. November 1965 Dagegen erhob sich erheblicher und anhaltender akademischer Widerstand. Im Sommer 1967 wurden Auszüge aus Hellendalls Brief an Just veröffentlicht Aus diesem Brief wurde am 28. Juli 1967 in der Rheinischen Post zitiert: „Ich bin in Düsseldorf geboren und ich musste Deutschland, als Jude,1934 verlassen. Vor einigen Tagen habe ich, nach langer Zeit, der Stadt, wo ich zur Welt gekommen bin, wieder einen Besuch abgestattet. Ich erinnere mich, daß schon während meiner Schulzeit in den zwanziger Jahren nationalistische Kräfte das Zustandekommen eines Heine-Denkmals zu verhindern wussten, und ich hegte die Hoffnung, dass diese Unterlassung mittlerweile durch das freie und demokratische Deutschland gutgemacht sein würde […] doch ich habe vergeblich gesucht […] Meine ehemalige Vaterstadt scheint sich ihres größten Sohnes immer noch zu schämen.“, woraufhin Just seinen Vorschlag zur Namensgebung bekräftigte (was auch bei New Yorker Heine-Freunden registriert wurde).siehe Will Schaber, Aufbau 24. November 1967 Im Herbst 1968 appellierte Hellendall in einem Brief an den damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Heinz Kühn, „seinen ehemaligen ‚Studienfreund und Mitstreiter für die Demokratie‘, mitzuhelfen, damit aus den Plänen, die Düsseldorfer Hochschule Heinrich-Heine-Universität zu nennen, Gewissheit wird“. Auch dieser Brief gelangte an die Öffentlichkeit – ohne die gewünschte Reaktion.Rheinische Post 8. November 1968, zitiert nach Hellendall unterstützte von London aus das Bürgerkomitee und die daraus 1968 hervorgegangene und von Otto Schönfeldt geleitete ‚Bürgerinitiative Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf‘, u. a. durch Sammeln von Unterschriften (von Gabriele Tergit, Michael Foot, Richard Friedenthal, Will Schaber, Erich Fried und anderen Prominenten). Er reichte 1969 – um die Blockade der Namensgebung zu überwinden – im nordrhein-westfälischen Kultusministerium eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den damaligen Rektor Prof. Diemer ein – ohne Erfolg. Er wandte sich 1972 erneut – und wieder vergebens – an Ministerpräsident Heinz Kühn (dieser ließ mitteilen, er sei „nicht der Meinung, daß es zu einem internationalen ‚Skandal‘ kommen müsse, wenn die Universität nicht nach Heinrich Heine benannt wird“.) Seit dem Scheitern und Ende der Bürgerinitiative 1972 äußerte sich Hellendall nicht mehr zu dem Thema. Die Namensgebung im Dezember 1988 begrüßte er jedoch ausdrücklich.

Veröffentlichungen

Literatur

Quellen

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Person (Düsseldorf) Kategorie:Exilliteratur Kategorie:Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant im Vereinigten Königreich Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Mann