Alice in Wonderland ist das von Sammy Fain für den Walt-Disney-Zeichentrickfilm Alice in Wonderland komponierte Titellied mit einem Text von Bob Hilliard. Für den 1951 veröffentlichten Film, in dem es während des Vor- und Abspanns zu hören ist, wurde es von The Jud Conlon Chorus und The Mellomen interpretiert. Das Arrangement erstellte Harry Simeone. Der Titel entwickelte sich seit den frühen 1960er Jahren zu einem Jazzstandard.
Entstehungsgeschichte Fain wurde von Disney mit den Kompositionen beauftragt, bevor der Film fertiggestellt wurde. Disney nahm persönlich die Lieder einzeln ab. Das Lied erhielt bereits 1949 das Copyright.
Kennzeichen des Songs Das Lied ist in einer AA'BA'-Form mit jeweils 16 Takten gehalten. Wie Harold Arlens Over the Rainbow beginnt Alice in Wonderland melodisch mit einem aufsteigenden Oktavsprung. In diesem Stück beginnt der Oktavsprung auf der fünften Tonstufe tief im Stimmumfang des Sängers und führt eine Oktave höher, bevor er stufenweise absteigt und dann arpeggierend nach unten zur Dominante zurückführt. Es folgt eine stufenweise Passage, die von der Tonika zur Subdominante auf- und absteigt. Die Melodie bewegt sich um diese Grundtöne herum, bevor die in der Eröffnungsphrase eingeführte, absteigende Arpeggio-Passage wiederholt wird. Dann spielt die Melodie wieder um die Grundtöne und leitet in ein umgekehrtes Arpeggio über, nun mit einen Tonika-Dreiklang in der ersten Umkehrung. Die Melodie steigt dann sanft ab, bevor sie durch einen aufsteigenden Quartsprung zur Quinte zurückkehrt, um den zweiten A-Teil vorzubereiten. Wo es im Text „over the hill or under land or just behind the tree“ heißt, illustriert das die Melodie mit sanft ansteigenden, auf- und absteigenden, stufenweisen melodischen Konturen. Zum Ruf nach „Alice“ passt der Oktavensprung, und wo im Text Fragen gestellt werden, sorgen breitere Melodieintervalle für einen neugierigen Ton.
Das Lied wurde ursprünglich im ¾-Takt dargeboten und wird üblicherweise als Jazzwalzer gespielt. Die so erzeugte beschwingte Stimmung vermittelt den Eindruck eines schwungvollen Tanzes bzw. eines energiegeladenen, lebhaften Spiels mit den Akkordwechseln. Der Walzer erzeugt traditionell eine heitere Atmosphäre, was auf die dem flotten Rhythmusmuster innewohnende Betonungsfolge zurückzuführen ist. Die Kombination aus einem mittleren bis schnellen Tempo mit diesem beschwingten Rhythmus vermittelt eine fröhliche, unbeschwerte Haltung.
Cover-Versionen Rosemary Clooney (1951) nahm das Lied mit dem Orchester von Percy Faith auf und veröffentlichte es gemeinsam mit dem ebenfalls zum Film-Soundtrack gehörenden „The Unbirthday Song“. Joe Reisman nahm mit seinem Orchester und Chor den Titel für sein Album Walt Disney Song Carousel (1958) auf.
Obgleich die Komposition durch die „wunderbare Verbindung von Musik und Text“ an besonderem Wert gewinnt, entwickelte sich Alice in Wonderland zunächst in Instrumentalversionen zu einem im Jazz häufiger gespielten Standard, der zunächst von Bill Evans, dann von Oscar Peterson und Dave Brubeck interpretiert wurde. In seinem Buch The History of Jazz bezeichnet Ted Gioia Alice in Wonderland als eine der schönsten Darbietungen von Evans (enthalten auf seinem Album Sunday at the Village Vanguard von 1961), und vergleicht dessen „makellose Schönheit“ mit der von „Waltz for Debby“. Erst seit den späten 1980er Jahren haben Sängerinnen im Bereich des Jazz wie Magni Wentzel (1988), Sandy Lomax (1995), Norma Winstone (mit John Taylor, 1999) oder Kate Hammett-Vaughan (2008) die Potenziale des Songs erschlossen.
Weblinks Notenauszug Harmonien (in C) Text (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Jazz-Titel Kategorie:Lied 1951 Kategorie:Filmsong Kategorie:Lied von Sammy Fain