Die Lifestyle-Inflation (englisch lifestyle creep oder lifestyle inflation; auch Lebensstilinflation) bezeichnet ein Konsumverhalten, bei dem die Ausgaben einer Person mit steigendem Einkommen ungefähr im gleichen Maß zunehmen, sodass frühere Annehmlichkeiten zunehmend als notwendig empfunden werden.

Beschreibung Das frei verfügbare Einkommen einer Person kann sich erhöhen, sei es durch ein höheres Einkommen oder durch wegfallende Kosten, etwa nach der Tilgung eines Immobilienkredits. Mit dem zusätzlichen Spielraum werden Anschaffungen möglich, die zuvor unerschwinglich waren. Von einer Lifestyle-Inflation spricht man, wenn die Ausgaben in etwa parallel zum Einkommen ansteigen. Dies zeigt sich beispielsweise im Kauf teurer Fahrzeuge oder einer Zweitwohnung, aber auch in laufenden Verpflichtungen wie Mitgliedschaften, die fortlaufende Kosten verursachen.

Der Prozess verläuft häufig schleichend und bleibt daher oft unbemerkt. Auch journalistische Darstellungen beschreiben, dass mit jeder Gehaltserhöhung und jedem Bonus bei vielen Menschen unbemerkt der Lebensstandard und damit die Ausgaben steigen. Als typische Anzeichen gelten Schwierigkeiten beim Sparen sowie eine steigende Verschuldung. Zur Begrenzung der Lifestyle-Inflation wird unter anderem empfohlen, ein Budget aufzustellen und Ausgabengrenzen festzulegen.

Psychologischer Hintergrund Als psychologische Ursache der Lifestyle-Inflation gilt unter anderem die hedonische Adaption: Menschen gewöhnen sich rasch an einen höheren Lebensstandard, sodass der durch zusätzlichen Konsum gewonnene Zufriedenheitsgewinn nur vorübergehend anhält. Ökonomische Studien zur Glücksforschung legen nahe, dass sich Menschen über mehrere Jahre hinweg an ein höheres Einkommen gewöhnen, da steigende Einkommen zugleich höhere Ansprüche hervorrufen. Verstärkt wird das Verhalten durch soziale Vergleiche mit dem Lebensstil anderer Menschen sowie durch den Wunsch, einen bestimmten sozialen Status nach außen zu zeigen.

Betroffene Personengruppen Besonders verbreitet ist die Lifestyle-Inflation bei jüngeren Erwachsenen zwischen Mitte zwanzig und Anfang dreißig, da rasche berufliche Aufstiege in diesem Lebensabschnitt das verfügbare Einkommen erhöhen und so zu Mehrausgaben führen können. Insbesondere beim Übergang vom Studium in das Berufsleben können unerwartet starke Einkommenssprünge das Phänomen begünstigen. In der Berichterstattung wird die Lifestyle-Inflation zudem im Zusammenhang mit der frugalistischen Bewegung diskutiert, deren Anhänger durch hohe Sparquoten finanzielle Unabhängigkeit anstreben.

Auch im Umfeld des Renteneintritts kann das Phänomen problematisch werden, da das Einkommenspotenzial in dieser Lebensphase häufig hoch und manche Kosten – etwa für die Erziehung von Kindern – bereits weggefallen sind. Wird nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben versucht, einen zuvor aufwendigen Lebensstil beizubehalten, kann dies zu finanziellen Schwierigkeiten führen, zumal ein einmal erreichter Lebensstandard nur schwer wieder zurückgefahren werden kann.

Siehe auch Diderot-Effekt Hedonistische Tretmühle Frugalismus

Einzelnachweise

Kategorie:Konsum Kategorie:Verhaltensökonomik