mini|Der Eichstätt-Brief mit einem Sechserblock des Schwarzen Einsers

Der Eichstätt-Brief ist ein philatelistischer Faltbrief aus dem Königreich Bayern. Der am 14. November 1850 in Straubing aufgegebene und nach Eichstätt beförderte Brief ist mit einem Sechserblock des Schwarzen Einsers frankiert, der ersten Briefmarke Bayerns und zugleich der ersten in Deutschland herausgegebenen Briefmarke. Es handelt sich um den einzigen bekannten Brief mit einem zusammenhängenden Sechserblock dieser Marke.

Der Brief gehört zum Archiv für Philatelie der Museumsstiftung Post und Telekommunikation und ist seit 1999 in der Schatzkammer des Museums für Kommunikation Berlin dauerhaft ausgestellt.

Beschreibung Der Eichstätt-Brief ist ein auf Papier geschriebener Faltbrief mit einem Blattmaß von 170 × 205 mm. Die Vorderseite trägt die handschriftliche Anschrift „An das Comite für die Gewerbeausstellung Eichstaett“. Als Absender verzeichnet die Museumsstiftung Post und Telekommunikation einen Magistrats-Registrator in Straubing, als Adressaten das Komitee für die Gewerbeausstellung in Eichstätt. Der Laufweg war Straubing–Eichstätt.

Die Frankatur beträgt insgesamt sechs Kreuzer. Sie besteht aus sechs zusammenhängenden Exemplaren der bayerischen Ein-Kreuzer-Marke, des sogenannten Schwarzen Einsers. Die Marken wurden mit zwei geschlossenen Mühlradstempeln mit der Nummer 336 entwertet, die für Straubing steht. Zusätzlich trägt der Brief einen Straubinger Kreissegmentstempel mit dem Datum 14. November.

Der erhaltene Brieftext ist in Straubing auf den 13. November 1850 datiert und an das „Comité für die Gewerbeausstellung in Eichstaett“ gerichtet. Unterzeichnet wurde er von J. Arnold, Magistrats-Registrator. Inhaltlich betrifft das Schreiben Lose einer Ausspielung im Zusammenhang mit der Gewerbeausstellung und eine ausstehende Antwort des Komitees.

Philatelistische Bedeutung Der Schwarze Einser erschien am 1. November 1849 im Königreich Bayern. Er gehörte zur ersten bayerischen Briefmarkenausgabe mit Werten zu 1, 3 und 6 Kreuzer. Die schwarze Ein-Kreuzer-Marke war vor allem für Sendungen im Ortsverkehr und für Drucksachen vorgesehen. Ihre Verwendung auf Briefen ist für Sammler besonders interessant; der Eichstätt-Brief ist durch den erhaltenen Sechserblock eine außergewöhnliche Mehrfachfrankatur.

Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation zählt den Eichstätt-Brief zusammen mit dem Baden-Fehldruck zu den wertvollsten und bekanntesten Objekten der deutschen Philatelie.

Provenienz Nach seiner Beförderung im Jahr 1850 gelangte der Brief in die städtische Überlieferung Eichstätts. Bei der Neuordnung alter Archivbestände im Stadtarchiv Eichstätt wurde er 1959 in einer Mappe mit Korrespondenzen des 19. Jahrhunderts entdeckt. Ein hinzugezogener Spezialist bestätigte die außergewöhnliche philatelistische Bedeutung des Fundes.

Die Stadt Eichstätt sah zunächst von einem Verkauf ab. 1969 erwarb die Deutsche Bundespost den Brief von der Stadt Eichstätt für eine damals sehr hohe sechsstellige Summe für ihre philatelistische Sammlung. Diese Sammlung ist heute als Archiv für Philatelie Teil der Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

Sondermarke 2009 mini|Sonderpostwertzeichen der Deutschen Post zum Tag der Briefmarke 2009 mit dem Eichstätt-Brief als Motiv

Am 7. Mai 2009 erschien zum Tag der Briefmarke ein Sonderpostwertzeichen mit Zuschlag, das den Eichstätt-Brief zeigt. Die Marke gehörte zur Reihe „Schätze der Philatelie – aus den Archiven der Postmuseen“ und hatte den Wert 55+25 Cent.

Der Entwurf stammt von Ursula Lautenschläger. Die Marke wurde im Offsetdruck hergestellt und im Michel-Katalog unter der Nummer Bund 2735 geführt. Als Besonderheit wird eine Sicherheitszähnung genannt. Im Kleinbogen befand sich zwischen den beiden Markenreihen außerdem eine Sicherheitsstanzung in Form eines Eichenblatts.

Weblinks Eichstätt-Brief in der Onlinesammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Einzelnachweise

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