Sara Atzmon (; geboren am 27. April 1933 als Hedvig Gottdiener in Hajdúnánás; gestorben am 23. Juni 2026 in Israel) war eine aus Ungarn stammende israelische Malerin, die als Kind das Durchgangslager Strasshof und das KZ Bergen-Belsen überlebt hatte. In ihrer Kunst setzte sie sich mit dem Holocaust auseinander und engagierte sich darüber hinaus über Jahrzehnte in vielen Ländern als Zeitzeugin.

Leben Atzmon wurde 1933 als Hedvig Gottdiener in Ungarn geboren. Sie war das drittjüngste von 16 Kindern. 1944 wurde ihre gesamte Familie deportiert. Ursprünglich sollte die Familie mit dem Zug ins Vernichtungslager Auschwitz transportiert werden, ihr Transport endete aber schon an der polnischen Grenze, wo alle Zuginsassen auf engem Raum in Transportwagen eingeschlossen ohne Versorgung und Zugang zu sanitären Einrichtungen verharren mussten. Von dort kam Atzmon mit ihrer Familie zunächst ins Durchgangslager Strasshof nach Niederösterreich, von wo aus alle zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft verpflichtet wurden. Atzmons Vater starb 1944 in Österreich an den Folgen des Hungers und der schweren Arbeit. Sara Atzmon wurde gegen Ende des Jahres 1944 (erneut über Strasshof) mit insgesamt 2178 Häftlingen ins KZ Bergen-Belsen deportiert.

Kurz vor der Befreiung des KZ Bergen-Belsen wurde Atzmon mit anderen Gefangenen von der SS mit einem von drei Räumungstransporten per Zug Richtung Westen gebracht. Am 13. April 1945 wurde der Zug, in dem sie saß, gestoppt und die Insassen befreit. Atzmon wog bei ihrer Befreiung mit 12 Jahren nur noch 17 Kilogramm. Neben ihrem Vater hatten drei ihrer Brüder sowie über 50 weitere Familienmitglieder den Holocaust nicht überlebt.

Mit dem Teil der Familie, der den Holocaust überlebt hatte, ging Atzmon noch im Jahr 1945 ins damals britische Mandatsgebiet Palästina. Nachdem sie die Schule beendet hatte, arbeitete sie in unterschiedlichen Berufen und bildete sich in Abendkursen fort. 1951 ging sie zur israelischen Armee. 1954 heiratete sie Uri Atzmon. Sie bekam mit ihrem Mann sechs Kinder.

Lange Zeit wurde der Holocaust in der Familie nicht thematisiert. Dies änderte sich erst als Atzmon mit 50 Jahren begann, sich intensiv mit der Malerei zu beschäftigen. Nachdem sie in den 1980ern zu Besuch in ihr altes Heimatdorf nach Ungarn zurückgekehrt war und dort als Holocaust-Überlebende Ablehnung erlebte, griff sie den Holocaust und ihre persönliche Geschichte in ihrer Kunst auf. In den folgenden Jahrzehnten stellte Atzmon ihre Werke über 300-mal aus, in Israel (z. B. in Jad Vashem in Jerusalem), in Deutschland (z. B. in der Cubus Kunsthalle in Duisburg) und auch darüber hinaus (z. B. im Historischen Museum in Stockholm). Sie galt als eine der bekanntesten Malerinnen Israels.

Atzmon setzte ihre Kunst auch im Rahmen ihres Engagements als Zeitzeugin ein. Zusammen mit ihrem Mann erzählte sie über 30 Jahre weltweit ihre Lebensgeschichte und leitete Workshops, um insbesondere jungen Menschen die Schrecken des Holocaust nahe zu bringen und sie zu motivieren, gegen Unrecht einzuschreiten. Neben der Arbeit mit Schulklassen sprach sie z. B. auch im Landtag von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

2012 wurde Atzmon mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg geehrt.

Publikationen zum Leben Sara Atzmons 2012 drehte die Regisseurin Ilona Rothin den Dokumentarfilm Holocaust light - Gibt es nicht!, in dem Sara Atzmin mit ihrer Enkelin nach Europa reist und die Orte besucht, an denen sie gelitten hatte. Der Film wurde beim Internationalen Filmfest Braunschweig 2012 uraufgeführt.

2025 erschienen die Erinnerungen Atzmons, die diese zusammen mit ihrer Enkelin veröffentlicht hatte, auf Deutsch als Buch mit dem Titel Und ich habe doch gesiegt!. Weblinks

Literatur von Sara Atzmon in der Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek Sara Atzmon, offizielle Website Livemitschnitt der Gedenkstunde zum Holocaustgedenktag 2016 in Magdeburg auf: landtag.sachsen-anhalt.de Sara Atzmon (Gottesdiener), auf: museum.imj.org.il Einzelnachweise

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