mini|hochkant|Wappen der Britzke (Brietzke) aus Britz Britzke (auch: Britz, Brietz, Brietzke o. ä.;Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Namenverzeichnis zu sämmtlichen Bänden. Band I, Berlin 1867, S. 290–291. oft ohne Adelsprädikat „von“) ist der Name eines erloschenen märkischen Uradelsgeschlechts. Sein Stammsitz war Britz im heutigen Berliner Bezirk Neukölln.
Die Familie ist zu unterscheiden von dem gleichnamigen magdeburgischen Adelsgeschlecht Britzke.
Geschichte Laut Gauhe ließ sich das Geschlecht in der Gegend bei Brandenburg an der Havel nieder, nachdem der ostfränkische König Heinrich I. († 936) die Wenden von dort vertrieben hatte.Gauhe (1740), S. 254. Diese Überlieferung ist jedoch nicht belegbar. Archäologischen Grabungen zufolge liegen die Anfänge des Adelssitzes in Britz im 12. Jahrhundert (Britz bei Berlin: 1375 urkundlich Briczik und Brysk, 1450 Brytzk, 1598 Britzke, 1624 Brietzke, 1651 Britz, 1671 Britzke, 1718 Brietz, auch Britz. Die Ortsbezeichnung stammt von altslawisch bréza für Birke).Wilhelm Hammer: Ortsnamen der Provinz Brandenburg, Berlin 1894, S. 7. Als dessen Gründer gelten die von Britzke. Sie kamen vermutlich im Zuge des Landesausbaus und der Christianisierung der Gebiete zwischen Elbe und Oder in den Berliner Raum. Dabei übertrugen sie ihren Namen auf den Ort oder benannten sich nach diesem. Der Adelshof des 12. Jahrhunderts lag auf dem heutigen Pfarrgrundstück am Britzer Kirchhügel. Ein Teil dieses Adelssitzes war offenbar ein Feldsteinbrunnen aus dem 14. Jahrhundert. Der Brunnen wurde 1967 bei Ausschachtungsarbeiten entdeckt und ist im Keller der Gemeindekindertagesstätte Britz erhalten geblieben.Das Gutsdorf Britz - Schlaglichter zur Ortsgeschichte auf britz-evangelisch.de, abgerufen am 2. Juli 2026. Urkundlich sind die Britzke in der Gegend ab Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisbar. Erstmals erscheint das Geschlecht 1261 und noch einmal 1269 mit einem Heinrich von Britzke. 1305 und 1306 tritt ein (anderer) Heinricus de Bryzk auf, 1313 dann zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen Heinrich und Johann.Enders (2012), S. 29.
Im weiteren Zeitverlauf brachte die Familie umfangreiche Güter und Rechte in ihren Besitz, der sich unter anderem auch im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 niederschlug. An ihrem Stammsitz in Britz, heute Standort des später errichteten Schlosses Britz, besaß die Familie von mindestens 1369 bis 1659/60 das Ober- und das Untergericht, das Kirchenpatronat sowie im Jahr 1375 zehn bzw. im Jahr 1450 28 freie Hufen und Zinsen von 24 Hufen. 1608 hatte die Familie drei von vier Rittersitzen in Britz in ihrem Besitz. Noch 1620 setzten die Britzke eine metallerne Wetterfahne mit ihrem Wappen auf die Dorfkirche von Britz. Von der Wetterfahne, deren Verbleib unbekannt ist, ist im Museum Neukölln ein Foto erhalten.
Neben Britz besaß das Geschlecht im Raum Teltow für viele Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte viele weitere Güter und Rechte:Ledebur (1855), S. 106 f. In Buckow besaß die Familie 1450 9 ½ Hufen.Enders (2012), S. 34. 1454 gestattete Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg (1413–1471) dem Hans Britzke dem Alten eine Verpfändung in Buckow. 1469 verpfändete derselbe Kurfürst dem alten Hans Britzke zu Buckow, dem jungen Hans Britzke, dem Otto Britzke und dessen Bruder sowie ihren jeweiligen Erben zwei Teile des Müggenbruchs.Adolph Friedrich Riedel (Hrsg.): Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Supplementband und Schluß des ganzen Werkes bis auf die Register. Berlin 1865, S. 306, Nr. CXIII (PDF; 358 KB, abgerufen am 1. Juli 2026) und S. 324, Nr. CXLVI (PDF; 353 KB, abgerufen am 1. Juli 2026). In Diepensee hatte die Familie 1416 zwei Hufen, 1473 (und noch 1598) dann 18 Hufen, das halbe Ober- und Untergericht sowie das halbe Kirchenpatronat (1610 nur noch ein Viertel des Patronats).Enders (2012), S. 51. In Lichterfelde gehörten der Familie 1375 das Dorf, das Ober- und das Untergericht, Pacht und Zinsen von 30 Hufen, 1416 bzw. 1451 dann halb Lichtenfelde. Nachdem Lichtenfelde zwischenzeitlich in fremden Lehnbesitz war, gehörten Dorf, Ober- und Untergericht sowie das Kirchenpatronat ab 1508 wieder alleinig den Britzke zu Britz. Ab 1610 bis 1692 waren es nur noch das halbe Dorf, das halbe Ober- und Untergericht sowie Patronat, nebst einem Hof mit sieben Hufen.Enders (2012), S. 156. In Osdorf hatte die Familie von 1375 bis nach 1491 das Dorf, das halbe Ober- und Untergericht, den Wagendienst, verschiedene Zinsen und Pächte sowie ein halbes wüstes Dorf (1416, 1491). 1513 erhielten sie über die wüste Feldmark Osdorf das Ober- und Untergericht sowie das Kirchenpatronat und behielten diese bis 1662/65 (teilweise verpfändet).Enders (2012), S. 212. In Pramsdorf hatte die Familie 1504 bis etwa 1581 über das Dorf das Ober- und Untergericht, das Kirchenpatronat sowie verschiedene Dienste und Abgaben.Enders (2012), S. 219. In Rudow verfügte die Familie von vor 1473 bis nach 1644 über einen freien Hof mit acht Hufen, eine Schäferei, freie Holzung im kurfürstlichen Wald und verschiedene weitere Rechte.Enders (2012), S. 234. 1566–1587 hatten die Herren von Britzke zu Britz das halbe Dorf Schmargendorf inne.Enders (2012), S. 249. Das Dorf Schulzendorf wurde 1507 von Otto Britzke mit allen Rechten, Ober- und Untergericht sowie Kirchenpatronat, gekauft. 1542 befand es sich bereits wieder in anderen Händen.Enders (2012), S. 268. In Waltersdorf gehörten der Familie von vor 1473 bis nach 1644 vier Hufen, die Ende des 17. Jahrhunderts an den Kurfürsten zugefallen waren.Enders (2012), S. 331. In Waßmannsdorf hatten die von Britzke 1643–1705 einen Bauernhof mit 7 Hufen.Enders (2012), S. 336.
Daneben hatte das Geschlecht Besitz in Beiersdorf (1375; sieben Hufen),Enders (2013), S. 23. Biegen (urkundlich 1500–1504),Rohrlach (2012), S. 26. Blankenfelde (1375; 3 Hufen),Enders (2013), S. 58. Eiche (1375; das Dorf),Enders (2013), S. 123. Grüntal (1375; Pacht und Zins von sieben Hufen),Enders (2013), S. 198. Marzahn (1626–1681; das halbe Dorf),Enders (2013), S. 362. Pankow (1364 die Hälfte von 9 Hufen und einem Kossätenhof;Brandenburgisches Landeshauptarchiv, 10B Marienfließ U 20 A, abgerufen am 4. Juli 2026. 1585), Ruhlsdorf (1630), Schönhagen (1555), Seeberg (vor 1375 bis nach 1416 das Dorf nebst vier Hufen; 1513–1656 das Dorf mit Ober- und Untergericht sowie Kirchenpatronat),Enders (2013), S. 521. Wegendorf (1375 bis nach 1416; sieben Hufen),Enders (2013), S. 602. Weißensee (1375; zwei Hufen),Enders (2013), S. 605. Wernitz (1375 bis nach 1416; Obergericht und andere Rechte),Enders (2011), S. 414. Woltersdorf/Rittergut Woltersdorf (1375 bis nach 1480; 14 Hufen, Obergericht und weitere Rechte)Enders (2013), S. 636. und Zepernick (1375; Obergericht, Wagendienst, Hebungen).Enders (2013), S. 651.
Anfang des 16. Jahrhunderts kaufte Otto (von) Britzke (erscheint 1517 als †) das Dorf Mehrow für sich, seine Erben sowie Achim, Ebell, Heinrichen, Hannsen, Georgen und Heinen seinen vettern. Ein entsprechender Eintrag findet sich im Lehnsregister des Kurfürsten Joachim I. Nestor (1484–1535) aus den Jahren 1500–1536. Zu diesem Besitz in Mehrow gehörte auch der lokale Lehnschulzenhof und ein von der Familie angelegter Weinberg, der 1690 als eingegangen erwähnt wird. Den Adelssitz und die Herrschaft über das Dorf hatte die Familie bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm um 1700.Wolff (1935).Enders (2013), S. 365.
mini|hochkant|Grabplatte des Dompropstes Friedrich von Britzke († 26. März 1515) im Dom St. Peter und Paul zu Brandenburg an der Havel. Die Inschrift lautet übersetzt: „Im Jahre des Herrn 1515 am Montag, den 26. März, starb der verehrungswürdige Herr Friedrich (von) Britzke, der erste Propst dieser Stiftskirche nach der Transmutation, dessen Seele in Frieden ruhe.“ Als Otto Britzke verstorben war, empfingen 1517 sein Sohn Siegmund von Britzke, Domherr zu Fürstenwalde, und Hans Britzke für sich und ihre unmündigen Brüder Anthonius, Jorgen (Jürgen), Ott(o) und Friedrich die Lehen.Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Des dritten Hauptteils zweiter Band, Berlin 1860, S. 451 (Google Bücher). Der genannte Siegmund von Britzke war kurbrandenburgischer Rat, 1488–1506 Propst des Doms zu Brandenburg und ab spätestens 1513 Domherr von Fürstenwalde. Sein Nachfolger im Amt des Brandenburger Dompropstes war sein Bruder Friedrich von Britzke († 1515). Dieser hatte in Leipzig studiert, war 1496 Dechant des Domkapitels Lebus und durch Provision von Papst Julius II. (1443–1513) vom 16. Juni 1508 der erste Propst des Brandenburger Doms nach der Transmutation des Domstifts zu einem weltlichen Stift geworden. Nach seinem Tod wurde Friedrich im Brandenburger Dom beigesetzt.Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg. Teil 2: 1488-1519/1545. Berlin 2009, S. 461 (Google Bücher). Da Dompropst Friedrich von Britzke 1515 verstarb, muss der 1517 genannte unmündige Friedrich ein anderer gewesen sein.
Die zweimalige Besetzung des Propstamts im Brandenburger Dom durch Mitglieder der Familie Britzke 1488–1515 hat ihre Spuren hinterlassen. Bis heute existieren in Brandenburg eine Kasel, eine Dalmatika und Vasa sacra (Kelch und Patene), die das 3-Pfeile-Wappen derer von Britzke tragen.Bernhard Moll: Spurensuche derer von Britzke, Denk-mal- und Erinnerungs-Orte. Mainz 2024 (PDF; 927 KB auf b-cdn.net, abgerufen am 3. Juli 2026.).
Nur wenige Jahrzehnte nach dem Brandenburger Dompropst Friedrich von Britzke trat Otto von Britzke zu Britz am 18. April 1539 zusammen mit anderen Adeligen der Teltower Region im Haus des Erblehnrichters Joachim von Schwanebeck und in Anwesenheit des mit Martin Luther sympathisierenden Bischofs Matthias von Jagow (1480–1544) zum Evangelischen Glauben über.Dietrich Miller: Die Junker und die preußisch-deutsche Geschichte. Auf den Spuren einer untergegangenen Gesellschaftsklasse. Berlin 2016, S. 65 f. Otto von Britzke war im selben Jahr auch daran beteiligt, den Kurfürsten Joachim II. (1505–1571) zur Annahme der lutherischen Lehre zu bewegen.