Berggruen Institute ist eine 2010 von dem Investor und Philanthropen Nicolas Berggruen und dem Publizisten Nathan Gardels gegründete Denkfabrik mit Sitz in Los Angeles. Das Institut befasst sich mit Fragen der politischen Ordnung, Demokratie, Technologie, Globalisierung, Philosophie und Kultur. Nach eigener Darstellung will es grundlegende Ideen für politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Institutionen des 21. Jahrhunderts entwickeln. Das Institut wurde als eine Art „Mini-Davos“ beschrieben.

Geschichte Das Berggruen Institute entstand 2010 aus Gesprächen, die Nicolas Berggruen und Nathan Gardels in Kalifornien mit Wissenschaftlern, Wirtschaftsvertretern und früheren politischen Entscheidungsträgern führten. Ausgangspunkt waren die Folgen der globalen Finanzkrise, die Wahrnehmung einer Krise westlicher Demokratien sowie die Frage, wie sich der Aufstieg Chinas auf internationale Kooperation und Governance auswirken würde. Zu den frühen Projekten gehörte das Think Long Committee for California, das 2010 gegründet wurde und Vorschläge zur Reform staatlicher Institutionen und fiskalischer Entscheidungsprozesse in Kalifornien erarbeitete. Ende 2010 wurde das Institut über einem überparteilichen Beirat, dem NBI 21st Century Council („Rat für das 21. Jahrhundert“), der sich aus ehemals führenden Politikern aus vielen Ländern zusammensetzt wie etwa Felipe González, Gerhard Schröder und Fernando Cardoso. 2011 wurde der Council on the Future of Europe gegründet.

2014 startete das Institut die digitale Publikationsplattform WorldPost, deren Beiträge zunächst bei der Huffington Post und ab 2018 bei der Washington Post erschienen. Später wurde mit Noema Magazine eine eigene Zeitschrift aufgebaut, die Essays und Analysen aus dem Umfeld des Instituts veröffentlicht. 2016 richtete das Institut den jährlich vergebenen Berggruen Prize for Philosophy & Culture ein, der mit einer Million US-Dollar dotiert ist und Personen auszeichnet, deren Werk aus Sicht der Jury zu Orientierung und Selbstverständnis in einer sich wandelnden Welt beiträgt.

Ebenfalls 2016 erhielt das Institut eine Stiftungseinlage in Höhe von 500 Millionen US-Dollar aus dem Nicolas Berggruen Charitable Trust. Die Mittel sollten die Ausweitung der Aktivitäten sowie den Aufbau eines dauerhaften Hauptsitzes in Los Angeles ermöglichen. Seit den späten 2010er Jahren baute das Institut seine internationale Präsenz aus, unter anderem durch ein Forschungszentrum an der Peking-Universität und einen europäischen Standort in Venedig.

Aktivitäten Die Arbeit des Instituts ist in mehrere Themenfelder gegliedert. Dazu gehören die Reform demokratischer Institutionen, neue Formen wirtschaftlicher Teilhabe, die Zukunft des Menschen im Verhältnis zu Technologie und Natur sowie planetare Governance. Das Projekt Antikythera untersucht nach Angaben des Instituts die philosophischen, technologischen und geopolitischen Folgen globaler Rechen- und Informationssysteme. Ein Schwerpunkt liegt auf Governance-Fragen. Der Berggruen Governance Index, der in Zusammenarbeit mit der UCLA Luskin School of Public Affairs und der Hertie School erstellt wird, untersucht den Zusammenhang zwischen demokratischer Rechenschaft, staatlicher Handlungsfähigkeit und der Bereitstellung öffentlicher Güter in 145 Ländern. Mit Projekten wie Deliberative Democracy und Engaged California befasst sich das Institut außerdem mit Formen deliberativer und digital unterstützter Bürgerbeteiligung.

Zum Tätigkeitsfeld gehören zudem Fellowships, Publikationen, Konferenzen, Symposien und öffentliche Vorträge. Nach Angaben des Instituts haben Berggruen Fellows seit 2015 mehr als 50 Bücher veröffentlicht und mit Universitäten wie Harvard, Oxford, Stanford, der New York University, der Peking-Universität, Tsinghua, der University of Southern California und der Università Ca’ Foscari zusammengearbeitet. Der Berggruen-Preis wurde seit 2016 unter anderem an Charles Taylor, Onora O’Neill, Martha Nussbaum, Ruth Bader Ginsburg, Paul Farmer, Peter Singer, Kōjin Karatani, Patricia Hill Collins und Michael Sandel vergeben. Ein weiterer Preis ist 2024 eingeführte Berggruen Prize Essay Competition.

Studio B bildet die Produktionsabteilung des Berggruen-Instituts. Das Studio produziert Inhalte, die sich mit der Schnittstelle zwischen Technologie, Philosophie und Kultur befassen. Zu seinen Projekten gehört eine Salon-Reihe mit Gesprächen zwischen Eric Schmidt und Ashton Kutcher sowie zwischen Yuval Noah Harari und Joseph Gordon-Levitt.

Standorte Der Hauptsitz des Berggruen Institute befindet sich in Los Angeles. Bis zur Fertigstellung des geplanten BI Scholars Campus ist das Institut im historischen Bradbury Building untergebracht. Der geplante Campus Monteverdi in den Santa Monica Mountains soll als Forschungs- und Begegnungszentrum für Wissenschaftler, Autoren und politische Entscheidungsträger dienen. Das China-Zentrum des Instituts befindet sich an der Peking-Universität. Es wurde 2018 als Peking University Berggruen Institute Research Center angekündigt; das Institut stellte dafür 25,5 Millionen US-Dollar bereit. Das Zentrum widmet sich unter anderem Künstlicher Intelligenz, Genom-Editierung, Global Governance und nichtwestlichen philosophischen Traditionen.

Der europäische Standort befindet sich in der Casa dei Tre Oci auf der Insel Giudecca in Venedig. Das Institut unterzeichnete 2021 eine Vereinbarung zum Erwerb des Gebäudes und eröffnete den Standort nach Restaurierungsarbeiten im März 2024 öffentlich. Dort finden unter anderem Konferenzen, Symposien, Vorträge, Residenzprogramme und kulturelle Ausstellungen statt.

Beteiligte Personen Berggruen hat zahlreiche Unterstützer und Berater für das Institut gewonnen, darunter Eric Schmidt, Reid Hoffman, Carl Bildt, Arianna Huffington, Evan Spiegel, Tony Blair, Condoleezza Rice, Stephan Schwarzman, Ernesto Zedillo, Jack Dorsey, Elon Musk und Patrick Soon-Shiong.

Einzelnachweise

Kategorie:Denkfabrik in den Vereinigten Staaten Kategorie:Organisation (Los Angeles) Kategorie:Gegründet 2010