Caesaria die Jüngere († um 559 in Arles) war von etwa 525 bis zu ihrem Tod Äbtissin des Klosters St. Johannes in Arelate (heute Arles).

Leben Caesaria war eine Verwandte des Bischofs Caesarius von Arles, wahrscheinlich eine Nichte. Um 525 trat sie die Nachfolge der Schwester des Bischofs, Caesaria der Älteren, als Äbtissin an. Sie wurde von Caesarius ernannt, der am 22. Juni 534 eine überarbeitete Regel für das Kloster erließ, die den Nonnen das Recht einräumte, ihre Äbtissin künftig selbst zu wählen. Etwa zur gleichen Zeit verfasste er sein Testament, in dem er Caesaria einen Mantel vermachte, den sie zuvor für ihn angefertigt hatte.

Irgendwann nach dem Tod von Caesarius im Jahr 542 beauftragte Caesaria Cyprian von Toulon mit dem Verfassen seiner Biografie. Möglicherweise wollte sie damit dem Einfluss eines neuen Klosters entgegenwirken, das Aurelianus von Arles 547 gegründet hatte. Cyprian beschreibt ihr Wirken als Äbtissin folgendermaßen: „Ihr Werk gemeinsam mit ihren Gefährtinnen ist so herausragend, dass die Jungfrauen Christi inmitten von Psalmen und Fasten, Vigilien und Lesungen die heiligen Bücher kunstvoll abschreiben, wobei ihre Mutter selbst als Lehrerin fungiert.“ Zwischen 552 und 557 sandte Caesaria eine Abschrift der von Caesarius verfassten Nonnenregel, der Regula virginum, an Königin Radegunde von Thüringen, die diese für ihre eigene Klostergründung, die Abtei Ste-Croix in Poitiers, nutzte.

Caesaria starb um 559, ihre Nachfolgerin als Äbtissin wurde Liliola. In einem nach Caesarias Tod an Radegunde gerichteten Gedicht äußerte Venantius Fortunatus den Wunsch, „die berühmte Caesaria und die andere Caesaria mögen an diesem Ort [Abtei Ste-Croix] erstehen, auf dass durch dich ihre einstige Ehre erneuert werde.“ Ihr Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 12. Januar.

Brief Ein an Radegunde und Richild gerichteter Brief Caesarias ist in einer einzigen Handschrift des 10. oder 11. Jahrhunderts, dem Codex Trecensis 1248, gemeinsam mit zwei Biografien Radegundes erhalten. Er wurde zusammen mit der Regula virginum als Antwort auf eine Bitte Radegundes versandt, deren eigener Brief nicht erhalten ist. Die Identität Richilds ist ungewiss, möglicherweise handelt es sich dabei um den Geburtsnamen von Radegundes Adoptivtochter Agnes von Poitiers. Caesarias Brief wurde ins Englische übersetzt.

Der Ton des Briefes ist „bischöflich“ und sachlich. Caesaria war zum Zeitpunkt der Abfassung wahrscheinlich bereits betagt. Sie zitiert ausführlich aus einem Brief des Caesarius an Caesaria die Ältere, der dieselben Gedanken enthielt, die später in die Regel einflossen. Zudem zitiert sie ausgiebig aus der Bibel, insbesondere aus den Psalmen und den Evangelien. Ihr Brief weist unter allen aus dem merowingischen Gallien überlieferten Schreiben die höchste Dichte an Bibelzitaten auf. Ein derartiger Umfang an Schriftzitaten ist vornehmlich für Bischöfe charakteristisch.

Caesarias Ratschläge an Radegunde sind weitgehend konventionell. Sie legt Wert darauf, dass Nonnen lesen und schreiben können, und rät Radegunde von übermäßiger Askese ab. Im Einklang mit ihrem Umgang mit der Bibel empfiehlt sie die regelmäßige Lektüre der Evangelien sowie das Auswendiglernen der Psalmen. Auch wenn Caesarias Brief aufgrund ihrer „eloquenten, intelligenten und starken“ Stimme ein wertvolles Zeugnis darstellt, wirken die zahlreichen Bibelzitate „auf den modernen Betrachter … bisweilen übertrieben, sodass sie die Gesamtwirkung eher schwächen als verstärken.“

Aus dem Brief wird auch im Katechismus der Katholischen Kirche zitiert: „Es gibt keine Lehre, die besser, kostbarer und herrlicher wäre als der Text des Evangeliums. Seht und haltet fest, was unser Herr und Meister, Christus, in seinen Worten gelehrt und in seinen Taten gewirkt hat.“

Einzelnachweise

Literatur

William E. Klingshirn: Caesaria the Younger. In: Oliver Nicholson: The Oxford Dictionary of Late Antiquity. Band 1. Oxford University Press, Oxford, ISBN 978-0-19-881624-9, S. 281 (englisch).

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