Alfred Krovoza (* 28. März 1940 in Rheydt; † 27. Juni 2026 in MainzTraueranzeige in der FAZ vom 4. Juli 2026, abgerufen am 4. Juli 2026) war ein deutscher Soziologe, Psychologe und Hochschullehrer. Er wurde Ende der 1960er Jahre als Sprecher des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Hannover sowie als enger Mitarbeiter und Co-Autor des Sozialpsychologen Peter Brückner bekannt.

Leben und Wirken Politisches Engagement und Ausbildung Krovoza studierte Philosophie, Soziologie, Psychologie und Germanistik an der Universität Hamburg, der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (u. a. bei Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Jürgen Habermas) sowie an der Technischen Universität Hannover.Autorenprofil Alfred Krovoza, Offizin Verlag, abgerufen am 26. Juni 2026. Während der Studentenbewegung avancierte er zu einer zentralen Figur der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Niedersachsen und fungierte als Sprecher des dortigen SDS-Ausschusses. Im Zuge der Proteste, unter anderem gegen die Notstandsgesetze und die Fahrpreiserhöhungen (ÜSTRA-Proteste 1969), geriet er in den Fokus der Justiz. Im Jahr 1970 stand er als einer der vermeintlichen Hauptverantwortlichen der Demonstrationen vor Gericht. Nach seinem Studium promovierte er in Hannover bei Peter Brückner über die Genese der Normen abstrakter Arbeit, die Habilitation folgte wenig später ebendort.

Wissenschaftliche Karriere und SFI Frankfurt Krovoza wurde Hochschuldozent und außerplanmäßiger Professor am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität Hannover.Autorenvita Prof. Dr. phil. Alfred Krovoza, Psychosozial-Verlag, abgerufen am 26. Juni 2026. Parallel zu seiner universitären Laufbahn forschte er intensiv am renommierten Sigmund-Freud-Institut (SFI) in Frankfurt am Main. Dort war er von 1986 bis 1992 kommissarischer Leiter der Abteilung für Sozialpsychologie. In dieser Zeit vertiefte er die Verbindung von Kritischer Theorie und Psychoanalyse. Seine Forschungsschwerpunkte lagen im Grenzbereich von Soziologie, Psychologie, Sozialgeschichte und Antikerezeption.Wissenschaftsprofil Alfred Krovoza, Leibniz Universität Hannover auf Academia.edu, abgerufen am 26. Juni 2026. Er war über viele Jahre hinweg Mitherausgeber der Psyche, der bedeutendsten deutschsprachigen Zeitschrift für Psychoanalyse. Zudem engagierte er sich in der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie. Er lebte nach seiner Pensionierung im Juni 2005 in Mainz und Rom.

Zusammenarbeit mit Peter Brückner Eine prägende Rolle für Krovozas wissenschaftliches und politisches Profil spielte die enge Kooperation mit dem Sozialpsychologen Peter Brückner. Gemeinsam entwickelten sie sozialpsychologische Theorien zur Erfassung gesellschaftlicher Konformität und staatlicher Repression, darunter Arbeiten zum Begriff der Massenloyalität und zur Erfassung von „Staatsfeinden“ in der Bundesrepublik. Während der politischen Disziplinierungsverfahren gegen Brückner im Zuge des Radikalenerlasses positionierte sich Krovoza öffentlich als dessen Unterstützer. Nach Brückners Tod beteiligte er sich maßgeblich an der Aufarbeitung und Verteidigung von dessen wissenschaftlichem Nachlass. So trat er auch als Zeitzeuge in Simon Brückners Dokumentarfilm Aus dem Abseits (2015) auf.

Enzyklopädische Beiträge (Der Neue Pauly) und Traumforschung Krovoza betätigte sich in Kooperation mit der Klassischen Philologin Christine Walde umfassend im Bereich der Rezeptionsgeschichte der Antike und steuerte namhafte Fachartikel für die Enzyklopädie Der Neue Pauly bei. Besonders hervorzuheben ist seine Autorenschaft im Supplementband 7 (Die Rezeption der antiken Literatur), für den er unter anderem den zentralen, kulturhistorischen Rezeptionsartikel zu Tacitus’ Germania (insb. zur Rezeption der Germania im deutschen Nationalbewusstsein) verfasste. Walde und Krovoza firmieren auch als Herausgeber eines interdisziplinären Handbuchs zu Traum und Schlaf (Metzler-Verlag).

Schriften (Auswahl) Vorwort in: Rudi Dutschke: Ausgewählte und kommentierte Bibliographie des revolutionären Sozialismus von Karl Marx bis in die Gegenwart, Druck- und Verlagskooperative (u. a. Heidelberg, Frankfurt am Main, Hannover, Berlin) 1969. Zur Genese der Normen abstrakter Arbeit. Eine sozialisationstheoretische Untersuchung aus dem Grenzbereich von Psychologie, Soziologie und Sozialgeschichte. (Dissertation), Hannover 1976. (mit Peter Brückner): Staatsfeinde. Innerstaatliche Feinderklärung in der BRD. Wagenbach, Berlin 1972 (Rotbuch 40). (Hrsg. mit Axel R. Oestmann und Klaus Ottomeier): Zum Beispiel Peter Brückner. Treue zum Staat und kritische Wissenschaft. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-434-00430-0. (Hrsg. mit Hans-Joachim Busch): Subjektivität und Geschichte. Perspektiven politischer Psychologie. Psychosozial-Verlag, Gießen 1999, ISBN 978-3-923301-37-9. (Hrsg. mit Christine Walde): Traum und Schlaf: Ein interdisziplinäres Handbuch. J.B. Metzler / Springer-Verlag, Stuttgart/Berlin 2018, ISBN 978-3-476-02486-2.

Literatur Wolf-Dieter Mechler, Gerd Weiberg (Hrsg.): Ansichten der Revolte. Hannover 1967–1969. Offizin Verlag, Hannover 2018, ISBN 978-3-945447-18-5.

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Einzelnachweise

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