Robert Ransenberg, auch Robert Ranzenberg (* 29. Mai 1876 in Calle im Kreis Meschede (Sauerland); † vermutlich 1943 in Treblinka; 1945 für tot erklärt) war ein sozialdemokratischer Politiker und Gewerkschaftsfunktionär in Köln. Als Jude wurde er vom NS-Regime verfolgt und ermordet.
Beruflicher und politischer Werdegang Ransenberg wuchs als Sohn von Samuel Ransenberg und Amalia Talheim in Meschede auf und lernte zunächst Buchdrucker und Schriftsetzer.Yad Vashem: Gedenkblatt für Robert Ransenberg. Seit 1898 war Ransenberg Mitglied der SPD und schon 1899, mit 23 Jahren, im Vorstand der Buchdruckergewerkschaft, dem er bis zu dessen Zerschlagung 1933 angehörte. Nach kurzer politischer Aktivität für die Sozialdemokratie in Siegen, wo er aus antisemitischen Kreisen für seine herausgehobene Stellung angefeindet wurde,Aus der Umgegend, Das Volk, 24. März 1903, S. 5. ließ er sich 1903 in Köln (im damaligen Arbeiterviertel EhrenfeldBekanntmachung des Standesamt Köln-Ehrenfeld, Kölner Lokal-Anzeiger, 14. September 1908, S. 6.) nieder. Seit 1903 arbeitete er dort bis mindestens 1928 bei der Rheinischen Zeitung,Persönliches, Kölner Lokal-Anzeiger, 13. November 1928, S. 9. bei der er später auch Betriebsratsvorsitzender wurde.Erschlagen, hingerichtet, in den Tod getrieben: Gewerkschafter als Opfer des Nationalsozialismus. (1995), Seite 56 1906 kandidierte er erstmalig erfolglos für die Stadtverordnetenversammlung,Bekanntmachung der Stadtverordnetenwahlen, gez. Oberbürgermeister Adenauer, Kölner Lokal-Anzeiger, 3. Dezember 1906, S. 1. wurde 1908 aber Wahlmann für die Wahl der Vertreter im Hause der Abgeordneten.Verzeichnis der Wahlmänner für die Wahl der Vertreter im Hause der Abgeordneten, Kölner Lokal-Anzeiger, 13. Juni 1908, S. 7. Neben mehreren Vertrauenspositionen bei den Buchdruckern war er von 1911 an auch Mitglied im Kölner Kartell der freien Gewerkschaften und von 1924 bis 1933 Vorsitzender des Kölner Ortskartells im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund.Benno Reicher: Jüdische Geschichte und Kultur in NRW: ein Handbuch. (1993), S. 165 In dieser Funktion arbeitete er auch im Kölner Werbe-Ausschuss für Oberschlesien mit.In letzter Stunde, Rheinischer Merkur, 22. Januar 1921, S. 3. Zudem war er im Vorstand der Konsumgenossenschaft „Hoffnung“Rüdiger Schünemann-Steffen: Kölner Straßennamen-Lexikon, 3. Auflage, Köln 2017, S. 666. sowie Mitglied im Ausschuss der Allgemeinen Ortsrankenkasse für den Stadtbezirk KölnWahl des Ausschusses der Allgemeinen Ortsrankenkasse für den Stadtbezirk Köln, Rheinische Volkswacht, 14. Oktober 1921, S. 5. und dem Verwaltungsausschuss für den Öffentlichen Arbeitsnachweis des Stadtkreises Köln.Zusammensetzung des Verwaltungsausschusses für den Öffentlichen Arbeitsnachweis des Stadtkreises Köln, Rheinische Volkswacht, 21. Juli 1924, S. 7. Zusammensetzung des Verwaltungsausschusses für den Öffentlichen Arbeitsnachweis des Stadtkreises Köln, Rheinische Volkswacht, 5. August 1926, S. 7.
Von 1919 bis 1933 war er Stadtverordneter für die SPD in Köln.Ulrike Nyassi-Fäuster: Der Nachlass Wilhelm Sollmann. Köln-Wien 1985, Seite 222 u. 596 War er 1919 noch knapp auf dem 42. Listenplatz eingezogen,Bekanntmachung betreffend das festgestellte Ergebnis der Neuwahlen für die Stadtverordneten-Versammlung in Köln, Rheinische Volkswacht, 12. Oktober 1919, S. 11 war er bereits 1924 und ebenso 1929 auf dem dritten Listenplatz der SPD eine der führenden Persönlichckeiten der Kölner Sozialdemokratie.Zulassung der Wahlvorschläge, Rheinische Volkswacht 28. April 1924, S. 13.
Die neue Kölner Stadtversammlung, Kölnische Zeitung, 21. November 1929, S. 3. Von 1919 an war er Kommissionsmitglied der Armendeputation.Stadtnachrichten. Die neuen sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder, Mülheimer Volkszeitung, 12. Mai 1919, S. 2. Beendet wurde sein öffentliches politisches Wirken mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Reich und Stadt.
Als Jude, Gewerkschafter und Sozialdemokrat war Robert Ransenberg der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt. Am 6. Dezember 1941 wurde die ganze Familie – Robert und seine Frau Rosa, Tochter Martha mit ihrem Mann Ewald und Sohn Ernst, in das Kölner Messelager gebracht und von dort aus zwei Tage später ins lettische Riga deportiert.Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941–1945 - Eine kommentierte Chronologie. Marix, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-059-5, S. 126. 1943 wurde er in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt, wo er vermutlich ermordet wurde.Horst Matzerath, Elfi Pracht, Barbara Becker-Jákli (Hrsg.): Jüdisches Schicksal in Köln 1918–1945 - Katalog zur Ausstellung des Historischen Archivs der Stadt Kön/NS-Dokumentationszentrum (8. November 1988 bis 22. Januar 1989, im Kölnischen Stadtmuseum/Alte Wache), Stadt Köln 1988, S. 310. Der Tag seiner Ermordung ist nicht bekannt.Ulla Lessmann: Erinnerung an den jüdischen Buchdrucker, Sozialdemokraten und Gewerkschafter und seine Familie. Hier wohnte Robert Ransenberg…, in: SPEKTRUM 2.2007, S. 8.
Familie mini|Stolpersteine der Familie Ransenberg an der Eifelstraße 6 in Köln. Auch Robert Ransenbergs Sohn Ernst, Jahrgang 1908, schloss sich 1926 der SPD an. Nach der Machtübernahme der Nazis schloss er sich einer sozialistischen Untergrundorganisation an, wurde verhaftet und 1935 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Vertrieb illegaler Schriften“ zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Student Ernst, heißt es im Urteil, „Sohn eines Arbeiters, bekämpft grundsätzlich das heutige Deutschland.“ Versuche der Familie ins Ausland zu fliehen scheiterten mangels Geldes für Visa und Fluchthelfer. Wie Robert Ransenberg wurden auch seine Kinder und seinen Schwiegersohn Ewald in das KZ Treblinka verschleppten. Die Daten der Tage, an denen sie ermordet wurden, sind unbekannt.
Günter Ransenberg, Neffe Roberts, war gleichfalls Buchdrucker und von 1934 bis 1936 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ ins Zuchthaus (den Kölner Klingelpütz) gesperrt. Fünf weitere Neffen, Günters Geschwister, wurden ermordet.
Nachlass und Erinnerung Bereits 1946 schalteten Nachfahren eine Traueranzeige, mit der sie unter den „von den Nazis grausam ermordeten rheinischen Juden“ besonders ihren Geschwistern und ihrem Onkel „Robert Ransenberg (Köln) nebst Frau Rosa und Sohn Ernst“ gedachten: „Sie alle wurden die hilflosen, aber unvergessenen Opfer organisierter Brutalität“.Traueranzeige von Grete Menningen-Ransenberg, Kurt Menningen, Juan Günter Ransenberg, Cilli Ransenberg-Halfen und Kinder, Aufbau vom 8. November 1946, S. 33.
Einen Teil der Briefe, die Ernst Ransenberg bis November 1940 aus dem Gefängnis an seine Verlobte Dora Levinger schrieb, die als Hausangestellte in England Zuflucht gefunden hatte, und Briefe seiner Schwester Martha an Dora (mit Anmerkungen von Vater Robert und Mutter Rosa), sind beim Kölner NS-Dokumentationszentrum archiviert. In den Briefen nach England geht es vor allem um eine Auswanderung aus Nazideutschland, für die aber das Geld fehlte. Ein Neffe von Robert Ransenberg, Juan Günter Ransenberg, hatte sie aus seiner zweiten Heimat Mexiko Ende der 1980er Jahre dem Archiv geschenkt.
mini|Stolperstein für Robert Ransenberg an der Eifelstraße 6. Vor dem Haus Eifelstraße 6 im Kölner Süden wurden 2007 von dem Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an den Drucker Robert Ransenberg und seine Familie fünf Stolpersteine verlegt, die die Kölner SPD und der DGB Köln gestiftet hatten.Peter Kleinert: DGB Köln ehrte von den Nazis ermordeten Kölner Gewerkschaftsvorsitzenden. Robert Ransenberg war Jude, in: NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung, Online-Flyer Nr. 80 vom 31. Januar 2007.
Der Ransenbergweg in Köln-Mengenich wurde 1969 nach Robert Ransenberg benannt.
Weblinks Yad Vashem: Gedenkblatt für Robert Ransenberg. Stolperstein Robert Ransenbergs in der Datenbank des NS-DOK Köln.
Einzelnachweise
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