mini|Lage und Geologie des Rockall-Beckens am irisch-schottischen Atlantikrand, westlich von Irland. Das Rockall-Becken (), nicht zu verwechseln mit dem Hatton-Rockall-Becken, ist ein großes, etwa in Nordost–Südwest-Richtung verlaufendes Sedimentbecken am nordostatlantischen Kontinentalrand westlich von Irland und Schottland, unter dem bathymetrischen Rockall-Trog (Rockall Trough). Es entstand als gescheitertes Rift während der frühen Öffnung des Nordatlantiks und ruht auf ausgedünnter kontinentaler Kruste. Begrenzt wird es im Westen vom Rockall-Plateau mit der Rockall Bank und der Hatton Bank, im Osten vom irisch-schottischen Festlandsockel (unter anderem dem Hebriden-Schelf), im Norden vom Wyville-Thomson-Rücken; nach Süden öffnet es sich zum tiefen Nordostatlantik.Patrick M. Shannon, Andrew McDonnell, William R. Bailey (2007): The evolution of the Porcupine and Rockall basins, offshore Ireland: the geological template for carbonate mound development. In: International Journal of Earth Sciences. Band 96 (2007), Ausgabe 1, S. 21–35. doi:10.1007/s00531-006-0081-y. Die Begriffe Rockall-Trog oder Rockallgraben (für die Meeresboden-Senke) und Rockall-Becken (für die darunterliegende sedimentär-strukturelle Einheit) werden in der Literatur häufig gleichbedeutend verwendet; vom Rockall-Becken zu unterscheiden ist das kleinere Hatton-Rockall-Becken, das auf dem Rockall-Plateau zwischen Hatton Bank und Rockall Bank liegt.
Das Rockall-Becken ist ein unterexploriertes Grenzland-Explorationsgebiet (frontier basin) des irischen Atlantikrandes und – zusammen mit dem benachbarten Porcupine-Becken – ein gut untersuchtes Beispiel für das Zusammenwirken von Rifttektonik, thermischer Absenkung und magmatischer Tätigkeit beim Aufbrechen des Nordatlantiks.
Struktur und Entstehung
Das Rockall-Becken ist eines der gescheiterten Rifts, die bei der Öffnung des Nordatlantiks angelegt wurden. Seine Entwicklung umfasst mehrere Dehnungsphasen in perm-triassischer, oberjurassischer und unterkretazischer Zeit; auf die unterkretazische Dehnung folgte eine spätkretazisch-paläogene thermische Absenkung. Die Geometrie von Kruste und Sedimenten spricht für eine Dehnung durch reine Scherung. Die kontinentale Kruste ist im Beckenzentrum auf weniger als 10 km ausgedünnt und von einer bis zu rund 5 km mächtigen Sedimentabfolge überlagert, während die begrenzenden Hochzonen (Rockall Bank, Hatton Bank) von bis zu etwa 30 km mächtigen Krustenblöcken unterlagert werden.Frauke Klingelhöfer, R. A. Edwards, R. W. Hobbs, R. W. England (2005): Crustal structure of the NE Rockall Trough from wide-angle seismic data modeling. In: Journal of Geophysical Research: Solid Earth. Band 110 (2005), Artikelnummer B11105. doi:10.1029/2005JB003763. Unter den tiefsten Beckenteilen wird teils eine hochgeschwindige Unterkruste oder serpentinisiertes Mantelperidotit vermutet; die genaue Natur der Kruste war lange umstritten, wobei der heutige Forschungsstand eine stark gedehnte kontinentale Kruste favorisiert.Brian M. O’Reilly, Franz Hauser, Christophe Ravaut, Patrick M. Shannon, Peter W. Readman (2006): Crustal thinning, mantle exhumation and serpentinization in the Porcupine Basin, offshore Ireland: evidence from wide-angle seismic data. In: Journal of the Geological Society. Band 163 (2006), Ausgabe 5, S. 775–787. doi:10.1144/0016-76492005-079. Im Vergleich zum benachbarten Porcupine-Becken, dessen Sedimentfüllung bis zu rund 12 km erreicht, ist die Krustenausdünnung im Rockall-Becken geringer ausgeprägt.
Die Lage und Segmentierung des Beckens werden auf die Reaktivierung älterer, NNE–SSW bis NE–SW streichender kaledonischer und vorkaledonischer Grundgebirgslineamente zurückgeführt.D. G. Roberts (1975): Marine geology of the Rockall Plateau and Trough. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London A. Band 278 (1975), S. 447–509. doi:10.1098/rsta.1975.0033. Im nördlichen Beckenteil führte eine känozoische Einengung zur Bildung von Aufwölbungen und Inversionsstrukturen – im selben tektonischen Zusammenhang, der auch die Wyville-Thomson-Schwelle als Antiklinale formte.
Magmatismus
Phasen vulkanischer und intrusiver Tätigkeit traten in der Unterkreide und vor allem im frühen Känozoikum (Paläozän bis Eozän) im Zuge der Nordatlantischen magmatischen Großprovinz auf. Charakteristisch sind ausgedehnte Netzwerke untertassenförmiger und geneigter Sills sowie basaltische Lagen, deren Intrusion lokal zu „forced folds“ (intrusionsbedingten Aufwölbungen) führte. Diese magmatische Überprägung erschwert zugleich die seismische Erkundung der tieferen Beckenfüllung.Christopher A.-L. Jackson u. a. (2019): Rift-related magmatism influences petroleum system development in the NE Irish Rockall Basin, offshore Ireland. In: Petroleum Geoscience. Band 25 (2019). doi:10.1144/petgeo2018-020.
Kohlenwasserstoffe
Das Rockall-Becken gilt als unterexploriertes Grenzland-Explorationsgebiet. Im irischen Sektor wies die Bohrung 12/2-1 im Jahr 2002 mit dem Fund Dooish im östlichen Rockall-Becken eine bedeutende Gaskondensat-Säule nach und belegte damit ein funktionierendes Kohlenwasserstoffsystem; eine Nachfolgebohrung folgte 2008.Geology of the Rockall Basin and adjacent areas BGS Research Report, British Geological Survey, abgerufen am 8. Juni 2026. Als Erdölmuttergesteine gelten vor allem jurassische bis basal-kretazische Abfolgen, in den tieferen Beckenteilen möglicherweise auch karbonische Kohlen. Strukturelle Fallen entstanden als gekippte Bruchschollen an den Beckenrändern (während der kretazischen Riftphase) sowie als von der känozoischen Einengung erzeugte Aufwölbungen im Norden, daneben gibt es stratigraphische Fallen. Die Bohrung 5/22-1 (Errigal) im nordöstlichen irischen Rockall-Becken testete eine durch einen paläogenen Sillkomplex erzeugte Aufwölbung, blieb aber ohne kommerziellen Erfolg.
Kaltwasserkorallen
An den Rändern des Rockall-Beckens – insbesondere am südöstlichen Hang der Rockall Bank – treten Kaltwasserkorallen-Karbonatberge (Mounds) auf; die Beckenentwicklung lieferte mit ihren Erosionsflächen und Hangformen die geologische Grundlage für deren Entstehung.
Einzelnachweise
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