Tilman Riemenschneider ist ein DEFA-Film von Helmut Spieß von 1958.

Handlung Tilman Riemenschneider ist ein geachteter Holzschnitzer und Ratsherr in Würzburg. Er genießt die Unterstützung von Fürstbischof Konrad von Thüngen und wendet sich auch dem einfachen Volk mit seinen Nöten und seiner Armut zu. Einen leidenden Bauern nimmt er als Vorbild für eine Skulptur des leidenden Christus.

Als sich die Bauern 1525 erfolgreich gegen den Fürstbischof und die städtische Oberschicht erheben, solidarisiert er sich mit ihnen. Nachdem der Fürstbischof nach der Niederschlagung des Aufstands in die Stadt zurückkehrt, lässt er auch Tilman Riemenschneider in den Kerker werfen. Dieser kehrt nach einiger Zeit von dort mit gebrochenen Händen zurück.Alan, 2009, pp. 75–76, mit detaillierter Inhaltsangabe, auch Tilman Riemenschneider DEFA-Stiftung

Hintergründe Das Schicksal des berühmten Bildschnitzers Tilman Riemenschneider, dem für seine Unterstützung des Bauernaufstandes von 1525 die Hände gebrochen wurden, hatte 1945 Thomas Mann in seiner wichtigen Rede Deutschland und die Deutschen ausführlich gewürdigt.Allan, 2009, p. 74; würdigte ausdrücklich diese Rede In der Sowjetischen Besatzungszone und danach in der DDR gehörte er seit dem Artikel von Wolf Strache in der Zeitschrift Bildende Kunst von 1948 zu den Vorbildern im Kampf für eine gerechtere Gesellschaftsordnung.Bildende Kunst, 11/12, 1948, S. 24–27, besonders S. 24; erwähnt in Allan, 2009, p. 73 1954 wurde Die Entscheidung des Tilman Riemenschneider der erste längere Fernsehfilm des neuen Deutschen Fernsehfunks.

Auch für die DEFA-Produktion Tilman Riemenschneider gab es aufwändige Filmaufnahmen mit vielen Darstellern. Die junge Anna als Geliebte des Künstlers spielte Annekathrin Bürger. In der darauffolgenden Studio-Abnahmekommission waren die meisten Mitglieder nicht sehr begeistert von dem Film, der ihnen zu emotional und psychologisierend erschien, sie gaben aber dennoch ihre Zustimmung.Rotraut Simons, "Der Pfarrer bleibt vom Bild her problematisch." Ausgewählte Dokumente, 2003, S. 26–28 (kurze Auszüge); auch Allan, 2009, pp. 78–79, mit Details

Am 5. Dezember 1958 war die Premiere im Berliner Kino Babylon. 1960 wurde der Film auch für Vorführungen in der Bundesrepublik zugelassen.Tilman Riemenschneider Filmzensur West-Ost, erwähnte Zulassungsdatum 1960 2025 zeigte ihn das Programmkino Krokodil in Berlin wieder.Die DEFA-Stiftung präsentiert: 500 Jahre Bauernkrieg DEFA-Stiftung, zum 24. April 2025

Rezeption In der DDR-Presse wurde der Film nach der Uraufführung 1958 überwiegend kritisch bewertet. Hans-Ulrich Eylau von der Berliner Zeitung fand ihn zu sentimental um seine inhaltliche Botschaft rüberzubringen.H. U. Eylau, DEFA-Film um Riemenschneider, in Berliner Zeitung vom 9. Dezember 1958; zitiert in Allan, 2009, pp. 77, 85 (note 34) (in englischer Übersetzung)

Der Filmdienst beschrieb ihn später als Ein unvollkommenes Geschichtsbild mit vereinfachten Zügen, schauspielerisch jedoch brillant.Tilman Riemenschneider Filmdienst, um 2011/2018 Der westdeutsche Medienwissenschaftler Günter Helmes bezeichnete den Film 2024 als Über weite Strecken (...) behäbig-plakative Inszenierung, die mehrheitlich auf eindimensionale, stereotypisierende Figurenanlagen (...) setzt.Günter Helmes, Biographische Filme in der DDR, in Nicole Mattern, Stefan Neuhaus (Hrsg.), Handbuch Literatur und Kultur der Wirtschaftswunderzeit, de Gruyter, Berlin, 2024 S. 488

Literatur Séan Allan: Screening Arts. Modernist Aesthetics and Socialist Imaginary in East German Cinema. Berghahn, New York/Oxford 2019, pp. 73–79, mit ausführlichen Angaben zum Film

Weblinks Tilman Riemenschneider in der Filmdatenbank der DEFA-Stiftung

Einzelnachweise

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