Johann Kaspar Friedrich Schulz, Name auch in den Schreibweisen Johann Caspar Friedrich Schultz und Schultze (* 20. März 1766Taufname Johann Caspar Friedrich Schultze, Geburtsjahr nach Markus Bernauer: 1766 – vgl. Taufbuch der St.-Marien-Kirche Kyritz; nach anderen Angaben: 20. März 1769 – vgl. Schulz (Friedrich). In: Gelehrtes Berlin im Jahre 1825. Ferdinand Dümmler, Berlin 1826, S. 251 f. (Digitalisat) in Kyritz, Mark Brandenburg; † 17. April 1845 in Berlin), war ein preußischer Journalist, Dramaturg und Kritiker.
Leben Schulz war ein Sohn des Senators sowie späteren Kämmerers und Konsuls Johann Christian Schultz. Nach dem Besuch des Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster und einem Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrichs-Universität in Halle (Saale), wo Friedrich August Staegemann einer seiner Kommilitonen war, beschritt Schulz zunächst eine Beamtenkarriere als Kammergerichtsreferendar. Als solcher wirkte er in Brandenburg sowie als Justiziar in Groß Briesen und Berlin. Nach 1806 nur für eine kurze Zeit im preußischen Staatsdienst tätig (1809 zur Geschäftsführung bei einem projektierten Plenum der technisch-wissenschaftlichen Deputation erwähnt), weilte er 1815 in Paris, danach lebte er wieder in Berlin, wo er 1845 einem „gastrischen Fieber“ erlag.Johann Caspar Friedrich Schultz. In: Karl Goedeke, Edmund Goetze: Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band 9: Vom Weltfrieden bis zur französischen Revolution 1830. Achtes Buch, zweite Abteilung, bearbeitet von Alfred Rosenbaum, Verlag von L. Ehlermann, Dresden 1910, S. 429–431 (Google Books)
Ab 1797 betätigte Schulz sich schriftstellerisch. Ein großer publizistischer Erfolg war seine Standrede am Grabe der Madame Schuwitz (1798), eine als Grabrede geschriebene Satire, die sich auf die kurz zuvor verstorbene Berliner Bordellbesitzerin Charlotte Schowitz (* vermutlich 1745; † 22. November 1797; auch als Elise Schuwitz erwähnt) und ihre Kundschaft bezog.Standrede am Grabe der Madame Schuwitz. Ein Neujahrsgeschenk für Incroyables. Rastadt (aber Leipzig, Gräff), 1798 (Digitalisat)Markus Bernauer: Pornographie und Gotteslästerung. Libertinismus in Deutschland. Matthes & Seitz, Berlin 2026, ISBN 978-3-7518-2111-7, S. 254 (Google Books) Als freier Journalist, Theaterrezensent und Dramaturg erwarb er die Beinamen „Theater-Schulz“ und „Komödien-Schulz“, außerdem nannte man ihn „Spuck-Schulz“, „weil er bei der Hast seinen Sprechens stets einen gelinden Sprühregen um sich verbreitete“.Arnold Wellmer (Bearbeitung), Karoline Bauer: Aus dem Leben einer Verstorbenen. 3. Band: Verschollene Herzensgeschichten (= Nachgelassene Memoiren von Karoline Bauer, Band 2). Louis Gerschel Verlagsbuchhandlung, Berlin 1880, S. 58 (Digitalisat) Seine Pseudonyme waren „Eulalia Meinau“ und „Gottlieb Poponius“.An den Patriarchen der deutschen Litteratur; von Eulalia Meinau, Protestantin. Rastadt (aber Leipzig, Gräff), 1798Iwan Bloch, Georg Loewenstein: Die Prostitution. 2. Band, 1. Hälfte, 1.–4. Auflage, Louis Marcus Verlagsbuchhandlung, Berlin 1925, S. 530, Fußnote 680 (Google Books) Seine Beiträge erschienen in der Zeitschriften Brennus und Berliner Dramaturgien. Unter dem Autorenkürzel „Fr. Sch.“ schrieb er für die Berliner Abendblätter. Von 1819 bis 1821 arbeitete er für die von Staegemann geleitete Allgemeine Preußische Staatszeitung. Ab 1820 schrieb er ferner für die Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. Johann Wolfgang von Goethe goutierte seine Kritiken und seine Geschichte des Berliner Theaters.
Schulz war Mitglied in Achim von Arnims Deutscher Tischgesellschaft.
Der Schriftsteller Ludwig Rellstab verwies in seiner Geschichte Henriette oder die schöne Sängerin (1826) über die Sängerin Henriette Sontag durch die Figur des „Puckbulz“ auf ihn, indem er dessen Beinamen „Spuck-Schulz“ verfremdete.Massimiliano Poselli, Burkhard Mojsisch, Klaus J. Schmidt: Ein neu entdeckter Hegel-Brief vom 22. März 1826. In: Consecutio Temporum. Rivista critica della postmodernità. Numero 8 (November 2015), S. 8 (PDF)
Der Schriftsteller Friedrich Wilhelm Adami charakterisierte Schulz, der als Berliner Original galt und über den zahlreiche Anekdoten kursierten, als „ein wanderndes Raritäten-Kabinett der buntesten Kenntnisse, geistvoll in der Unterhaltung, ein gesuchter, beliebter Gesellschafter, anziehender und anregender noch in der mündlichen Rede als in der Schriftsprache“.Friedrich Wilhelm Adami: Friedrich Schulz. Eine Federzeichnung. In: Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf das Jahr 1845. Berlin 1846, S. 71–79, hier S. 73, 78–82. Zitiert nach: Hermann F. Weiss: Gerüchte vom Heldentod des Dichters. Unbekannte Zeugnisse zu Heinrich von Kleist vom Jahre 1809. In: Kleist-Jahrbuch 1998. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-476-01626-3, S. 270 (Google Books)
Der Schriftsteller Friedrich Wilhelm Gubitz äußerte sich über Schulz wie folgt:Friedrich Wilhelm Gubitz: Erlebnisse. Nach Erinnerungen und Aufzeichnungen. 3 Bände, Berlin 1868–1869. Zitiert nach: Hermann F. Weiss: Gerüchte vom Heldentod des Dichters. Unbekannte Zeugnisse zu Heinrich von Kleist vom Jahre 1809. In: Kleist-Jahrbuch 1998. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-476-01626-3, S. 270 (Google Books)
Die Schauspielerin Karoline Bauer beschrieb Schulz „als wunderlichste(n) Theaterschwärmer, der ihr in ihrer Theaterlaufbahn vorgekommen“ sei:Arnold Wellmer (Bearbeitung), Karoline Bauer: Aus dem Leben einer Verstorbenen. 3. Band: Verschollene Herzensgeschichten (= Nachgelassene Memoiren von Karoline Bauer, Band 2). Louis Gerschel Verlagsbuchhandlung, Berlin 1880, S. 58 (Digitalisat)
Literatur Schulz (Friedrich). In: Gelehrtes Berlin im Jahre 1825. Ferdinand Dümmler, Berlin 1826, S. 251 f. (Digitalisat). Friedrich Schulz. In: Neuer Nekrolog der Deutschen. 23. Jahrgang (1845), 1. Teil, Weimar 1847, S. 283–286 (Digitalisat). Johann Caspar Friedrich Schultz. In: Karl Goedeke, Edmund Goetze: Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band 9: Vom Weltfrieden bis zur französischen Revolution 1830. Achtes Buch, zweite Abteilung, bearbeitet von Alfred Rosenbaum, Verlag von L. Ehlermann, Dresden 1910, S. 429–431 (Google Books). Meinau, Eulalia; Schulz, Johann Caspar Friedrich. In: Paul S. Ulrich: Deutschsprachige Theater-Almanache (1772–1918). Register, Hollitzer Verlag, Wien 2023, ISBN 978-3-99094-134-8, S. 330, 452 (Google Books).
Weblinks Johann Kaspar Friedrich Schulz, Eintrag im Personenverzeichnis des Portals berlinerklassik.bbaw.de (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) Schulz, Friedrich, Eintrag im Personenverzeichnis des Portal kleist-digital.de (Günter Dunz-Wolff)
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