Der Hirschkäfer ist ein Kurzfilm von Ulrich K. T. Schulz von 1921. Er war der erste Kulturfilm der UFA, der in Kinos gezeigt wurde.
Inhalt Ein sachkundiger Naturkenner führt einen jüngeren interessierten Mann durch einen Eichenwald und weist ihn auf einen Hirschkäfer, den größten deutschen Käfer hin. Sie nehmen ihn mit und untersuchen ihn in einem Raum. Danach wird dessen Entwicklung gezeigt, von der Paarung, über die Eiablage und Larvenbildung bis zum Wachstum. Dramatischer Höhepunkt ist der Kampf zweier männlicher Hirschkäfer, die sich gegenseitig ihre Zangen in den Leib zu stechen versuchen. Am Ende werden der siegende und der unterlegene tote Käfer gezeigt.
Die Untertitel sind teilweise dramatisch formuliert, wie Daseinskampf und Sieg – und Tod.Malli, 2009, S. 180f., mit detaillierten Inhaltsangaben
Hintergründe Der 23-jährige promovierte Zoologe Ulrich Schulz war Anfang 1920 zur neuen UFA gekommen, um dort eine Abteilung für biologische Kulturfilme aufzubauen. Seine ersten Versuche von Aufnahmen mit Menschenflöhen scheiterten, da diese unter dem heißen Licht sofort starben.Malli, 2009, S. 180, mit Angaben über seine ersten Filmversuche Sein erster kurzer Film gelang ihm über Maden. Danach wählte er den Hirschkäfer als ein robusteres Insekt aus und gestaltete mit ihm eine Geschichte, die zuerst belehrende Einführungen, danach die anthropomorphe (dem Menschen ähnliche) Darstellung seines Lebens zeigten. Dabei wurde dieser zwischendurch in Großaufnahme über die gesamte Leinwand mit geschicktem halbdunklen Schattenspiel furchteinflößend mit Bewegungen gezeigt.Von Flöhen und Fischen Filmwissen, mit kurzem Filmausschnitt Auch der Kampf der beiden Männchen wurde dramatisch inszeniert. Die Untertitel waren geprägt durch sozialdarwinistische Konzepte vom ständigen Überlebenskampf und dem Recht des Stärkeren, wobei auch die Erfahrungen aus dem erst kurz vorher beendeten Ersten Weltkrieg eine Rolle spielten.Ramón Reichert, Tierfilme im 'Dritten Reich, in Carsten Würmann, Ansgar Warner (Hrsg.), Im Pausenraum des 'Dritten Reiches'. Populärkultur im nationalsozialistischen Deutschland, Lang, Bern 2008, S. 49f.; wies auf die besonderen ideologischen Merkmale dieses Films hin; ebenso Kerstin Stutterheim, Die Tier- und Naturfilme, in Kreimeier et al., 2005, S. 173
Die Außenaufnahmen wurden im Dubrow, einem Waldgebiet im südlichen Brandenburg gemacht, die Innenaufnahmen in einer Waschküche einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Köthener Straße in Berlin-Kreuzberg, die damals der biologischen Kulturfilmabteilung als Labor diente.Der Hirschkäfer von Ulrich K. T. Schulz. 100 Jahre Naturfilm im Naturpark Dahme-Heideseen Naturpark Dahme-Heideseen, 2021; auch Malli, 2009, S. 180 (zur Waschküche)
Der Film Der Hirschkäfer wurde der erste Kulturfilm der UFA, der als Vorprogramm in Kinos gezeigt wurde. 2001 wurde er beim Filmfestival in München wieder gezeigtTierfilme bei der UFA Artechock und 2007 im Zeughauskino in BerlinKunst des Dokuments. Tiere sehen dich an Zeughauskino, zum 20. September 2007 .
Ulrich K. T. Schulz drehte danach etwa 400 weitere biologische Kulturfilme, von denen auch einige spätere durch hierarchisierende oder sozialdarwinistische Vorstellungen geprägt waren.
Literatur
Doreen Malli: Der Facettenblick. Insekten vor der Kamera. In: Maren Möhring et al. (Hrsg.): Tiere im Film, Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2009, S. 180–181, mit einigen Hintergrundinformationen
Klaus Kreimeier, Antje Ehmann, Jeanpaul Goergen (Hrsg.): Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Teil 2. Weimarer Republik 1918–1932. Stuttgart 2005. S. 173, 648
Weblinks Von Flöhen und Fischen Filmwissen, mit Fotos
Der Hirschkäfer Murnau-Stiftung
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1921 Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Tierfilm Kategorie:Hirschkäfer als Thema