Simon Ritter Biedermann von Turony (* 18. April oder 28. August 1804 in Wien; † 24. April 1864 ebd.) war ein österreichischer Großhändler, königlich württembergischer Konsul, Bankier, Gründer des Bankhauses M. L. Biedermann & Co und Direktor der Österreichischen Nationalbank.Georg Gaugusch: Was einmal war – Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800 bis 1938, Teil 1 (A–K). (= Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“ – Wien. Dritte Folge, Band 16). Amalthea, Wien 2011. S. 198.Rudolf von Granichstaedten-Czerva, Josef Mentschl, Gustav Otruba (alle Hrsg.): Alt-österreichische Unternehmer: 110 Lebensbilder (= Österreich-Reihe, Bände 365–367). 1969. S. 18.Weimarer historisch-genealoges Taschenbuch des gesamten Adels jehudäischen Ursprunges, Band 1. Kyffhäuser-Verlag, Weimar 1912. S. 103–104. (Volltext)
Leben und Wirken Herkunft und Familiäres
Biedermann war das viertälteste der zwölf Kinder des Michael Lazar Biedermann und dessen Frau Charlotte Goldstein (1784–1838). Er hatte zwei ältere Schwestern, sein älterer Bruder erreichte das erste Lebensjahr nicht. Er war Teilerbe des Nachlasses seines Vaters in Höhe von 16 Millionen Gulden.
Simon Biedermann, dessen Vorfahren und nähere Familienmitglieder eigentlich jüdischen Glaubens waren, ließ sich am 16. September 1844, dem Tag seiner Hochzeit in Püspök (Ungarn), katholisch taufen. Er heiratete an diesem Tag Amelie Gratze (1812–1885), Tochter des k. k. Majors Konrad Gratze und der Theresia Boutscheck. Ihre fünf zwischen den Jahren 1845 und 1854 in Wien bzw. Baden bei Wien geborenen Kinder wurden ebenso katholisch getauft.Georg Gaugusch: Was einmal war – Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800 bis 1938, Teil 1 (A–K). (= Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“ – Wien. Dritte Folge, Band 16). Amalthea, Wien 2011. S. 200–203.
Ritterstand Kaiser Franz Joseph I. ernannte ihn zum Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse. Am 25. März 1860 wurde Biedermann in den österreichischen Ritterstand von Turony erhoben, was bis 1884 üblicherweise mit der Verleihung dieses Ordens einherging.Johann Stolzer und Christian Steeb: Österreichs Orden vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz 1996, ISBN 3-201-01649-7, S. 146–162. Turony ist eine südungarische Gemeinde unweit seiner Besitztümer.
mini|Simon Biedermanns Wohnhaus, Burg-Ring Nr. 1 in Wien Wohnsitz Biedermann war seit dem Jahr 1860 Hausbesitzer in Wien (Ecke Burgring-Eschenbachgasse) und Herr auf Üszögh und Moszgó bei Pécs.Gothaisch Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Band 57. 1907. S. 57. (Volltext)
Berufliches Im Jahrbuch für Handel, Industrie und spekulatives Interesse (1845) von Eduard Schwarzmann wurde Biedermann Censor der österreichischen Nationalbank genannt. Später sei er dann königlich württembergischer Konsul geworden. Dem Adressen-Buch der Handlungs-Gremien und Fabriken der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien (1847) zufolge war er Direktor der Kaiser Ferdinands-Nordbahn und „Censor der privil. österr. Nationalbank“.
Als Aktionär bei der österreichischen Nationalbank wurde er unter einigen anderen zur Teilnahme an einer Ausschuss-Versammlung am 14. Januar 1861 eingeladen.
Im Illustrierten Kalender für 1866. Jahrbuch der Ereignisse. wurde Biedermann als Vizepräsident der Börsenkammer bezeichnet,
Direktor der Österreichischen Nationalbank In den Jahren 1851 bis 1863 sei Biedermann nach einer Veröffentlichung (1975) von den österreichischen (Wirtschafts-)Historikern Franz Baltzarek, Alfred Hoffmann und Hannes Stekl zufolge Direktor der Österreichischen Nationalbank gewesen. Als Quelle wird hierbei auch auf das Allgemeine Verwaltungsarchiv (AVA) verwiesen. Auf seinem Adelsdiplom (25. März 1860) steht in Kurrentschrift: „Ritterstandsdiplom – Der Direktor der kk. priv: Nationalbank – Simon Ritter Biedermann von Turony“. Im Jahr 1873 in der Heraldisch-Genealogischen Zeitschrift „Adler“ wurde Biedermann als Direktor der Österreichischen Nationalbank und zudem auch als Börsenrat bezeichnet. Auch dem Gothaisch Genealogischen Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser (1907) zufolge war er „Director der priv. österr. Nationalbank“.
Tod Er starb an Gedärmbrand und wurde auf dem Währinger Kommunalfriedhof bestattet.
Literatur Biedermann, Hr. Simon in: Adressen-Buch der Handlungs-Gremien und Fabriken der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien. Wien 1846. S. 50. Das Gremium der k. k. privil. Großhändler. (Volltext). Biedermann, Simon in: Handels- und Gewerbs-Schematismus von Wien und dessen nächster Umgebung, Band 4. Wien 1847. S. 290. Großhändler. (Volltext) Biedermann-Turony, Simon Ritter von, in: Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Band 22 (1870): Pergen – Podhradszky und Nachträge (III. Folge), S. 483 (literature.at). Simon Biedermann. In: Gothaisch Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Band 57. 1907. S. 57. Simon Biedermann. In: Weimarer historisch-genealoges Taschenbuch des gesamten Adels jehudäischen Ursprunges, Band 1. Kyffhäuser-Verlag, Weimar 1912. S. 103–104. (Volltext) Simon Biedermann. In: Rudolf von Granichstaedten-Czerva, Josef Mentschl, Gustav Otruba (Hrsg.): Alt-österreichische Unternehmer: 110 Lebensbilder (= Österreich-Reihe, Bände 365–367). 1969. S. 18. (Vorschau) Simon Ritter Biedermann von Turony. In: Georg Gaugusch: Was einmal war – Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800 bis 1938, Teil 1 (A–K). (= Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“ – Wien. Dritte Folge, Band 16). Amalthea, Wien 2011. S. 201.
Einzelnachweise
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