Als Anonymus vom Kainachtal oder Anonymus von der Veitbauernkapelle wird der zu Beginn des 19. Jahrhunderts tätige Maler bezeichnet, der die Wände mehrerer Bauernhäuser und einer Kapelle in der nördlichen Weststeiermark mit Heiligendarstellungen bemalt hat. Namensgebend für den unbekannten Maler ist seine Tätigkeit im oberen Kainachtal sowie an der Veitbauernkapelle bei Graden.

Leben und Forschung mini|Darstellungen der Mariazeller Madonna und des heiligen Aloisius an der Ablasserhube Der Name sowie Details über das Leben des Malers sind nicht bekannt. Die Tätigkeit des Anonymus lässt sich in die Zeit zwischen 1810 und 1830 verorten. Soweit bekannt, schmückte der Maler in diesem Zeitraum zehn Bauernhäuser sowie die Veitbauernkapelle mit Darstellungen von in der Bevölkerung beliebten Heiligen. Die einfachen, naiv gehaltenen Darstellungen reichen dabei von Einzelbildern bis hin zu ganzen Bilderwänden. Für die Ausführung verwendete der Anonymus hauptsächlich Ockergelb und Ziegelrot als Farben, Schwarz und Grau kamen nur sparsam zum Einsatz. Der Maler und Bildhauer Franz Weiss, der einige Farbkopien der Werke des Anonymus anfertigte, äußerte die Vermutung, dass dieser Hinterglasbilder als Vorlage verwendet haben könnte, da die Darstellungen ihn stark an Risse oder Vorlagen dazu erinnerten. Die vom Anonymus bemalten Gebäude hatten häufig schon ältere, aus der Zeit zwischen 1770 und 1790 stammende Dekorationsmalereien.

Die Werke des Künstlers waren im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten und vielfach übermalt worden. Franz Weiss zufolge könnten die Übermalungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Einfluss der Malschule der Nazarener erfolgt sein. Die Nazarener bevorzugten warme Farbtöne und eine feierliche, ernste Figurenzeichnung. Dem standen einfache und im Vergleich armselig dargestellte Heiligenfiguren eines Anonymus aus dem Kainachtal gegenüber, die somit nicht mehr dem Zeitgeist entsprachen. Die Forschung wurde 1982/83 auf den Maler aufmerksam, als bei der Renovierung der Veitbauernkapelle bei Graden die unter sieben Farbschichten verborgenen Wandbilder entdeckt worden waren. In der Folge begab sich der Heimatforscher Ernst Lasnik auf die Suche nach weiteren, bis dahin unbekannten Werken des Künstlers. Dabei konnten insgesamt zehn Bauernhäuser ausfindig gemacht werden, deren Ausschmückung dem Anonymus zugeschrieben werden.

Zugeschriebene Werke Insgesamt werden neben der Verzierung der Veitbauerkapelle auch die Wandmalereien an zehn Bauernhäusern der Hand des Anonymus zugeschrieben. Einige dieser Werke gingen allerdings bereits kurz nach ihrer Entdeckung verloren, da die Gebäude abgetragen wurden. + Zugeschriebene Werke Name und Ort Motiv Entstehungs­zeit Erhaltungs­zustand & Verbleib Anm. Bild Veitbauernkapelle auf der Wolfleiten bei Graden (Gemeinde Köflach), Giebelseite die Heiligen Aloisius, Florian und Leonhard und die Muttergottes von Lankowitz um 1810 bis 1820 Die Malereien wurden nach ihrer Freilegung 1982/83 von Franz Dampfhofer restauriert. Bauernhaus beim vulgo Kliegl in Kemetberg (Gemeinde Maria Lankowitz), straßenseitige Fassade Bilderwand mit fünf Einzeldarstellungen: die Heiligen Florian und Leonhard (oder ein Bischof), ein Gnadenstuhl, Erzengel Michael sowie die Madonna von Lankowitz oder Mariazell 1812 Franz Weiss fertigte im Winter 1984/85 Farbkopien an. Das Haus und damit auch die Bilder wurden 1990 abgetragen.Seccotechnik Bauernhaus beim vulgo Schabl in Hochgößnitz (Gemeinde Maria Lankowitz), Westmauer die Heiligen Florian und Leonhard, die Lankowitzer oder Mariazeller Madonna, ein Gnadenstuhl sowie ein Reiter mit Dudelsack Bilder 2001 durch den Restaurator Hubert Schwarz abgenommen, restauriert und zum Weßhof nach Graden übertragen Bei der Entdeckung der Bilder im Winter 1997/98 hatte der Besitzer bereits mit Abbrucharbeiten am Haus begonnen. Ablasserhube in Hochgößnitz (Gemeinde Maria Lankowitz), Ostseite die Heiligen Aloisius, Leonhard und Florian, die Mariazeller Madonna, ein Gnadenstuhl sowie das Fragment einer Pietà 1828 1998 bei Renovierungsarbeiten entdeckt und von Hubert Schwarz restauriert umfangreichste bekannte Arbeit des Anonymus; Pietà durch den nachträglichen Einbau einer Tür großteils zerstört 200px| Bauernhaus vulgo Hölli in Niedergößnitz (Gemeinde Maria Lankowitz) zwei Heilige im nachbarocken Stil (nicht näher identifizierbar), ein Gnadenstuhl vor 1836 1836 übermalt, noch in Resten erkennbar Gnadenstuhl über ein vorhandenes Bild gemalt, ähnelt den Werken des Anonymus Stöckl beim vulgo Raggam in Oswaldgraben (Gemeinde Kainach bei Voitsberg), Kellerbereich Heiliger Florian, Gnadenstuhl 1828 von Raymonde Marcher Greinix restauriert Stöckl beim vulgo Rauchegger in Gallmannsegg (Gemeinde Kainach bei Voitsberg), Kellerbereich die Heiligen Florian und Leonhard sowie Muttergottes von Lankowitz oder Mariazell 1811 oder 1821 von Raymonde Marcher Greinix restauriert Bauernhaus vulgo Mittlerer Mailly am Hemmerberg (Gemeinde Kainach bei Voitsberg) Bauernhaus vulgo Weiß in Breitenbach (Gemeinde Kainach bei Voitsberg), Giebelseite Bilderwand aus drei oder vier Darstellungen, eine davon möglicherweise der Heilige Florian bruchstückhaft, da Ruine Bauernhaus vulgo Mattl in Edelschrott (Gemeinde Edelschrott) Heiliger Florian sowie Inschrift mit Segensspruch Bild nur als Fragment erhalten; Segensspruch teilweise in Lautschrift Bauernhaus vulgo Poschuster am Schrapfberg (Gemeinde Bärnbach) ein unbekannter Bischof, Urheberschaft ungesichert 1990 zerstört

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Österreich) Kategorie:Notname Kategorie:Person (Steiermark)