Finn Blytt (geb. 2. März 1904 in Bergen; gest. 1. Februar 1944 im Gestapohaus in Bergen) war ein norwegischer Wasserspringer, Schwimmer, Wasserballer, Skispringer und Widerstandskämpfer der Milorg während der deutschen Besatzung Norwegens.
Leben und sportliche Laufbahn Finn Blytt wuchs in Bergen mit drei Brüdern und zwei Schwestern auf und war seit seiner Kindheit ein vielseitiger Sportler. Er war im Turnverein aktiv und schloss sich auch dem Bergens Svømme Club (BSC) an. 1916 trat er dem Buekorps Nygards Bataljon bei. 1923 beendete er erfolgreich die Ausbildung am Handelsgymnasium Bergen. Anschließend studierte er ein Jahr an der Handelshochschule Mannheim, arbeitete danach in Marseille und London und kehrte 1925 nach Bergen zurück, wo er Leiter der Sportabteilung des Kaufhaus Wallendahl wurde.
Schwimmsport Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre nahm er für den BSC an mehreren Norwegischen Schwimmmeisterschaften teil und war dabei insbesondere im Wasserspringen mit zwei nationalen Titeln erfolgreich. Als Schwimmer stellte er mit der Staffel Vestlands-Rekorde auf und war Teil der Wasserball-Teams.
Skisport Finn Blytts Vater Johan Nicolay Lieske Blytt war die treibende Kraft hinter der Errichtung der ersten Skisprungschanze Bergens (Bergensbakken) und Finn galt eine Zeit lang als bester Skispringer der Umgebung. Er trat später unter anderem bei Wettkämpfen am Holmenkollen an und gewann 1924 das Internationale Feldberg-Springen.Ergebnislisten bei skisprungschanzen.com. (PDF), abgerufen am 22. Juni 2016
Auch im Skilanglauf und der Nordischen Kombination war Blytt aktiv und erfolgreich.Finn Blytt var bestemann i hopprennet og ble tildelt "Bergens Tidende"s pokal. Bergens Tidende, 6. März 1933
Andere Sportarten 1934 erhielt Blytt den "Eichenkranz" des Turnvereins Bergen, 1939 die goldene Medaille des Ruderclubs Bergen und war zudem ausgebildeter Segelflieger.Fortegnelse over utdannede glideflyvere i tiden 1.april-1.aug. 1938. In: FLY Luftfartsbladet, 1938, 6. Jg., Nr. 8
Widerstandskampf mini|Gedenkstein für Finn Blytt Nach der Besetzung Norwegens engagierte sich Finn frühzeitig bei der Widerstandsorganisation Milorg. Er organisierte unter anderem Grenzanwohnerausweise und Reisebewilligungen zur Unterstützung des Shetland Bus. Am 26. August 1941 wurde er ein erstes Mal verhaftet und sollte eigentlich vor einem deutschen Kriegsgericht angeklagt werden, doch das Verfahren wurde am 6. November 1941 eingestellt. Nach einer zweiten Verhaftung im Jahr 1944 wurde Blytt in die Gestapo-Zentrale Veiten 3 in Bergen gebracht, wo er sich während eines Verhörs aus einem Fenster des fünften Stocks stürzte und am 1. Februar 1944 verstarb, wovon seine Familie erst im November 1944 durch das Rote Kreuz erfuhr.
Ein in den Bürgersteig eingelassener Gedenkstein vor dem Gestapomuseum Bergen erinnert heute an Finn Blytt. Seine Arbeitskollegen im Kaufhaus Wallendahl stifteten dort zu seinen Ehren eine Büste Blytts, angefertigt von Bildhauer Sofus Madsen.Finn Blytts minne hedres. Bergens Arbeiderblad, 1. Februar 1946
Familie Im Januar 1940 heiratete er Johanne Steen, mit der er zwei Kinder bekam: Finn (* 12. September 1941) und Sissel, die am 13. Juli 1944, fast ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Vaters, zur Welt kam. Sein Sohn Finn nahm als Jugendlicher ebenfalls an Skispringen teil.Gide skihoppere. Bergens Arbeiderblad, 11. Februar 1952
Die Kunsthistorikerin und Politikerin Aslaug Blytt (1899–1966) war seine ältere Schwester. Sein Cousin Per Evald Blytt war Pilot der Norwegischen Luftstreitkräfte und starb beim Absturz seiner Maschine vor den Shetland-Inseln am 20. März 1944.
Finn Blytt Pokal Die Zeitung Morgenavisen vergab ab 1945 über viele Jahre den Finn Blytts Pokal für die beste oder überraschendste Leistung eines Bergenser Sportlers oder Vereins. Jahr Name/Mannschaft Sportart/Disziplin Leistung/Grund der Auszeichnung 1946 Knut Nordgren Leichtathletik Sprung von 7,01 Meter im Länderkampf gegen Dänemark 1947 Carl H. Frønsdal Rudern Teilnahme am Rudereinzel-Finale der Henley Royal Regatta 1947 1948 Achter des Fana Ruderclub (1) Rudern Bronzemedaille bei den Olympische Sommerspielen 1948 1949 Harry Hansen Boxen Nationaler Boxtitel im Bantamgewicht 1950 SK Brann (1) Fußball Finalteilnahme bei der Norgesmesterskap i fotball 1950 1951 Vierer ohne Steuermann des Fana Ruderclub (2) Rudern Erreichen des Halbfinales der Ruder-EM in Mâcon, Frankreich 1953 Stanley Kvamme Schießsport Gewinn des Titels „Skyttarkonge“ (Landesweiter Schützenkönig) 1956 Christian EvaldtArne Hamarsland (1) Leichtathletik Weltrekord im StandweitsprungErfolge im 1500-Meter-Lauf 1958 Arne Hamarsland (2) Leichtathletik 2. Auszeichnung; Nordischer Rekord von 3:39,8 Minuten über 1500 Meter 1960 Leni KristiansenRolf Birger PedersenRoald «Kniksen» Jensen SchwimmenFußball Leistungen als SchwimmerinLeistungen als FußballnationalspielerLeistungen als Fußballnationalspieler 1961 Svein Hove Leichtathletik Norwegischer Meister im Zehnkampf 1962 SK Brann (2) Fußball 2. Auszeichnung; Meistertitel der Norwegischen Liga 1962 1963 Øyvind Hopland Leichtathletik Norwegischer Weitsprungrekord von 7,40 Meter 1964 Jan Erik Korsvold Schwimmen Mehrere norwegische Meistertitel 1965 Inger Johanne Alfstad Schwimmen Norwegische Schwimmrekorde 1965 1966 Åge Hadler Orientierungslauf Weltmeistertitel im Orientierungslauf 1967 Ørjan Madsen Schwimmen Mehrere norwegische Meistertitel 1968 Arne Risa Leichtathletik 8. Platz bei den Olympischen Sommerspielen 1968 1969 Per Kristian Vik Leichtathletik Gewinn der norwegischen Meisterschaft im Hochsprung 1970 Sverre Kile Schwimmen Für seinen Einsatz bei den Schwimmeuropameisterschaften 1970 1971 Sverre Sørnes Leichtathletik Gewinn der norwegischen Meisterschaft im 3000-Meter-Hindernislauf 1972 SK Brann (3) Leichtathletik 3. Auszeichnung; Gewinn des Norwegischen Fußballpokals der Männer 1972 1974 Jan Fjærestad Orientierungslauf Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften im Orientierungslauf 1981 Ulf Rasmussen Tischtennis Überraschungssieg gegen Josef Dvořáček In den Jahren 1952, 1954, 1955, 1957 und 1959 wurde der Pokal aufgrund mangelnder geeigneter Kandidaten nicht vergeben.
Weblinks Finn Blytt. Information in Norsk digitalt fangearkiv (Digitales Gefangenenarchiv (norwegisch))
Literatur Blad av svømmingens historie : 1908-1958 : Bergens svømme club 50 år. Bergen, 1958 Truls Synnestvedt: Litt Hitler i Bergen: Nazisme på norsk i 1930-årene. Bodoni Verlag, 2020, S. 97–99. ISBN 978-82-8403-067-8 Haakon J. Henrikssen: "Her kommer vi...." : Bergens handelsgymnasiums kull 1923 ved 25 års jubileet 1948. Redaksjonskomitéen, 1948 Arnfinn Haga: Dette er vinteren. Eide Verlag, 1976, S. 161–169 & S. 180–181
Einzelnachweise
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