Der Roman Eine Liebe in Deutschland wurde zuerst 1978 vom Rowohlt Verlag in Hamburg herausgegeben, 1980 folgte in der DDR eine Ausgabe im Verlag Volk und Welt. Ihnen folgten zahlreiche Neuauflagen.

Inhalt und Handlung

Eine Liebe in Deutschland ist ein Tatsachenroman des deutschen Schriftstellers Rolf Hochhuth. Er handelt von einer verbotenen Liebe zwischen der deutschen Gemüsehändlerin Pauline Krop und dem polnischen Zwangsarbeiter Stanislav Zasadek zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte beruht auf einem authentischen Fall. Das Ende ist tragisch: Die verheiratete Deutsche wird wegen ihrer Romanze mit der Einweisung ins KZ Ravensbrück bestraft, der junge Pole wird zum Tode verurteilt und erhängt. Ort der Handlung ist das südbadische Dorf Brombach (Lörrach) nahe der Schweizer Grenze. Die Handlung spielt 1941. Hochhuth schildert in vielen fiktiven Dialogen, worauf die gegenseitige Faszination des ungleichen Paares (er ist 15 Jahre jünger als sie und spricht nur gebrochen Deutsch) beruht, wie ihre sporadischen Treffen ablaufen und daraus schließlich beidseitig eine große Liebe wird. Als Autor greift Hochhuth immer wieder direkt in den Handlungsablauf ein. Dies in Extra-Kapiteln, die in den Roman integriert sind. Darin werden zahlreiche Fakten aus der Geschichtsforschung zur Entstehung des Nationalsozialismus und dessen Terrorregime in Erinnerung gerufen. Zusätzlich legt der Autor im Buch seine eigenen Recherchen zum konkreten Fall vor Ort offen, also in Süddeutschland Ende der 1970er Jahre. Es gelang ihm, mit noch lebenden Zeitzeugen zu sprechen. Mechanismen wie Denunziantentum, Neid und Wichtigtuerei inklusive deren Hintergründe werden im Roman immer wieder bildhaft veranschaulicht. Die Handlungsträger und -trägerinnen sind auch hier, wie oft in Hochhuth Werken, die sog. „kleinen Leute“.

Montageroman

Es handelt sich um einen Montageroman, bestehend aus 24 kurzen Kapiteln, mit zahllosen eingestreuten Kommentaren. Diese stammen von einer Erzählinstanz, die sich teilweise mit dem Autor deckt. So werden die Handlungen im Umfeld des Geschehens erklärt, ohne dass sie gerechtfertigt würden. Paulines Nachbarin ist Maria, der im Roman die Rolle der Denunziantin und Profiteurin zufällt. Ihr abstoßendes Verhalten wird anhand der eingesetzten Kommentare erhellt und so psychologisch erläutert. Marias Mann, ein Pilot, gilt kriegsbedingt seit zwei Jahren als vermisst. Von ihr heißt es, sie sei zunächst von einem „schnüffelndem Interesse“, später von einer Art Heißhunger angetrieben worden. Dieser findet auf der „obersten Sprosse“ der Führung des Deutschen Reiches in der „Annexionsgier“ nach der unerwartet raschen Niederlage Frankreichs 1940 seine Entsprechung. Hitlers Annexions-Appetit sei in einem bestimmten Moment ins vollends Lächerliche gewachsen. Von Reichspropagandaminister Goebbels heißt es, dass er die Rolle des Hampelmanns gespielt habe, der alles mitgeschrieben habe. Auch in andern Kommentaren werden Ansichten zum Kriegsverlauf formuliert, die in der Romanhandlung keine direkte Entsprechung finden. Der britische Politiker und Staatsmann Churchill etwa wird – folgend dem Diktum seines Leibarztes über ihn – als „rothaariger Faun“ charakterisiert, der allen, die ihm über den Weg liefen, „eine Nase gedreht“ habe.

Rezeption

Der Vorabdruck des Romans 1978 in der Zeit führte zu einem Skandal, der eine Debatte über die Rolle des Baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger in der NS-Zeit auslöste. Dieser trat in der Folge zurück.Zentralrat würdigt Rolf Hochhut, Jüdische Allgemeine, 14. Mai 2020

Im Herbst 2000 wurde in Baden-Württemberg im Landtag beantragt, den Roman ab 2002 nicht mehr als Pflichtlektüre fürs Abitur im Fach Deutsch zu verwenden. Dies, da dazu nicht genügend didaktisch ausgerichtete Sekundärliteratur verfügbar sei.Protokoll Landtag vom 26. Oktober 2000,

2006 erstellte ein freies Theater, das theater 89 aus Naugarten in der Uckermark, eine Theaterfassung des Romans und führte das daraus entstandene Stück mehrmals an verschiedenen Orten auf. Vorausgegangen waren Gespräche der Kulturschaffende mit Hochhuth über den Stoff des Romans. Dabei gab der Autor, der lange mit seiner Familie in Basel lebte an, seine Zugehfrau aus Lörrach sei damals als Zeugin bei der Hinrichtung des verurteilten Polen anwesend gewesen und habe ihm davon erzählt. Das habe ihn dazu motiviert, darüber zu recherchieren und ein Buch darüber zu schreiben.„Theater 89 spielt Rolf Hochhuth. Eine Liebe in Deutschland“,

Verfilmung

Ein auf der Romanhandlung basierender Film wurde 1982 gedreht: Eine Liebe in Deutschland. 1983 wurde er auf der Biennale in Venedig uraufgeführt.

Weblinks Eine Liebe in Deutschland PDF Pauline Kropf; Kurzbiografie auf der Website der Stadt Lörrach Stanislaw Zasada; Kurzbiografie auf der Website der Stadt Lörrach

Einzelnachweise

Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Kriegsroman Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Rolf Hochhuth Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Literarisches Werk