mini|Bronzeplastik Bianchis am Grabmal für die Familie Gianini, 1965, Monumentalfriedhof Lugano Pietro Bianchi (* 1889 in Ligornetto; † 1965 in Lugano) war ein Schweizer Bildhauer.

Leben Bianchi stammte aus Ligornetto, einer kleinen Gemeinde bei Mendrisio, die bereits einige renommierte Bildhauer wie Vincenzo Vela und Apollonio Pessina hervorgebracht hatte. Er studierte an der École nationale des arts décoratifs in Paris bei Paul Lefèvre. Nach seiner Rückkehr ins Tessin eröffnete er ein Atelier in Bellinzona. Er schuf einige öffentliche Werke, war aber vor allem auf Grabmäler spezialisiert, von denen die meisten im Bezirk Bellinzona stehen. Neben seiner Tätigkeit als freier Bildhauer arbeitete er auch als Zeichenlehrer.Simona Martinoli, Cristina Palma, Lucia Pedrini-Stanga, Diana Rizzi: Il cimitero di Bellinzona. GSK, Bern 2009, ISBN 978-3-85782-857-7, S. 54.

1929 gewann er beim Wettbewerb für das Schlachtdenkmal von Giornico den ersten Preis. Gemeinsam mit dem Architekten A. Fogliardi hatte er drei Entwürfe eingereicht; der erste sah einen Obelisken auf Felsen vor, von denen ein Löwe zum Angriff herabsteigt, der zweite einen Adler auf Felsen unter einem romanischen Bogen und der dritte mit dem Titel La difesa drei vorstürmende Jünglinge.F. Bdt.: Das Schlachtdenkmal von Giornico. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 1841, 26. September 1929, S. 5 (online). Bianchis Siegerprojekt wurde indes nie ausgeführt. Stattdessen entschied sich die Jury 1930 für einen neuen Entwurf von Apollonio Pessina.Denkmal für Giornico. In: Neue Berner Zeitung. Band 12, Nr. 10, 13. Januar 1930, S. 2 (online).

1940 gründete Bianchi mit acht weiteren «Rebellen» die Künstlervereinigung Famiglia artistica.

1948 schenkte Bianchi der Stadt Bellinzona eine von ihm geschaffene Statue einer Basketballspielerin. Die Gemeinde nahm das Geschenk unter der Verpflichtung an, die Figur auf der Säule am Eingang des im Jahr zuvor eröffneten Stadio Comunale aufzustellen. Stattdessen wurde die Skulptur zunächst bei einer landwirtschaftlichen Ausstellung gezeigt und danach im Hof des technischen Amtes eingelagert. Trotz wiederholter Aufforderungen Bianchis unterblieb die vereinbarte Aufstellung; die Statue wurde im Gewahrsam zudem so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr im Freien ausgestellt werden konnte. Der daraus entstandene Rechtsstreit führte 1954 zu einem Entscheid des Bundesgerichts. Dieses bestätigte eine Entschädigung von 1000 Franken für den entgangenen öffentlichen Nutzen der Aufstellung. Es erkannte ausdrücklich an, dass die fehlende Präsentation dem Künstler schadete, dessen berufliche Stellung wesentlich von der öffentlichen Anerkennung seines Werks abhing.

Bianchi starb 1965 im Alter von 75 oder 76 Jahren in Lugano. Auch wenn er, insbesondere in der Zwischenkriegszeit, vom lokalen Bürgertum sehr geschätzt wurde, geriet sein Werk nach seinem Tod rasch in Vergessenheit.Lucia Pedrini-Stanga: Tomba famiglia Pietro Ulrich, scultore Pietro Bianchi, 1937. In: Simona Martinoli, Cristina Palma, Lucia Pedrini-Stanga, Diana Rizzi: Il cimitero di Bellinzona. GSK, Bern 2009, ISBN 978-3-85782-857-7, S. 35 f.

Werk Gemäss Lucia Pedrini-Stanga pflegte Bianchi einen realistischen, bisweilen ins Süsslich-Larmoyante gehenden Stil mit Anklängen an Apollonio Pessina, ohne aber dessen Originalität zu erreichen. Modernistischen Strömungen gegenüber sei er verschlossen geblieben. Ausserdem zählte sie ihn wie Pietro Andreoletti zu den «mit Inspiration begabten» Steinmetzen des Tessins, die oft Vorbilder akademisch gebildeter Tessiner Künstler imitierten, die sich wiederum an bekannteren Werken Norditaliens orientierten.

Auf dem Friedhof von Bellinzona sind Bianchis Grabmäler für die Familien Bomio-Confaglia (1929), Gallino (1929), Colombi (1934), Molo (1933–1936), Ulrich (1937), Ghiringhelli-Bomio (1937), Lepri (1937), Lussi (1937), Barili (1939) und Enderli (1953) belegt.Simona Martinoli, Cristina Palma, Lucia Pedrini-Stanga, Diana Rizzi: Il cimitero di Bellinzona. GSK, Bern 2009, ISBN 978-3-85782-857-7, S. 60.

Auf dem Monumentalfriedhof Lugano stehen die von ihm geschaffenen Grabmale für Plinio Vassalli (um 1961) und die Familie Bucher (1964)Arte sulle tombe. In: Giornale del Popolo. 27. Oktober 1964, S. 2 (online). sowie eine weibliche Figur, welche die Annahme des Kreuzes darstellt, am Grabmal der Familie Gianini (1965).Una preghiera e un fiore su ogni tomba. In: Giornale del Popolo. 3. November 1965, S. 3.

Literatur Simona Martinoli, Cristina Palma, Lucia Pedrini-Stanga, Diana Rizzi: Il cimitero di Bellinzona. GSK, Bern 2009, ISBN 978-3-85782-857-7, S. 35 f., 54, 60.

Einzelnachweise

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