Der Scaleup Europe Fund ist ein geplanter europäischer Wachstums- und Spätphasenfonds zur Finanzierung von Technologieunternehmen in strategischen Sektoren. Er wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit institutionellen Investoren initiiert und soll europäische Jungunternehmen mit größeren Eigenkapitalinvestitionen unterstützen. Das Zielvolumen des Fonds liegt bei rund 5 Milliarden Euro; erste Investitionen werden nach Angaben des European Innovation Council für Herbst 2026 erwartet. Mit der Zeit soll das Fondsvolumen eventuell auf bis zu 20 Milliarden Euro ansteigen.

Hintergrund Der Fonds entstand vor dem Hintergrund einer in der Europäischen Union häufig bemängelten Finanzierungslücke bei jungen Technologieunternehmen in späteren Wachstumsphasen. Während in Europa zahlreiche Start-ups und forschungsnahe Unternehmen entstehen, haben diese nach Einschätzung der Europäischen Kommission häufig Schwierigkeiten, ausreichend große Finanzierungsrunden innerhalb Europas abzuschließen. Dadurch seien Unternehmen bei der Skalierung oftmals auf Kapital aus anderen Weltregionen angewiesen. Ein Grund dafür ist die fehlende Größe der meisten europäischen Wagniskapitalgeber und fehlende Erfahrung bzw. Zurückhaltung bei institutionellen Investoren wie Pensionsfonds. Bedeutende Start-ups wie Spotify, UiPath oder Klarna wurden in Europa gegründet, jedoch an der Börse von New York gelistet.

Die Initiative ist Teil der europäischen Startup and Scaleup Strategy. Reuters ordnete die Ankündigung des Fonds 2025 in den Versuch der EU ein, den Rückstand Europas gegenüber den Vereinigten Staaten und China bei der Finanzierung schnell wachsender Technologieunternehmen zu verringern.

Funktionsweise Der Scaleup Europe Fund ist als öffentlich-privates Anlagevehikel konzipiert. Die Europäische Kommission beteiligt sich als Gründungsinvestor, während weitere Mittel von privaten und institutionellen Investoren kommen sollen. Der Fonds ist in die bestehende Dachstruktur des EIC Fund eingebunden, soll jedoch von einem unabhängigen, privatwirtschaftlich organisierten Fondsmanager verwaltet werden.

Im Mai 2026 wurde die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT als bevorzugter Investmentberater und Fondsmanager ausgewählt. Nach Angaben von EQT soll der Fonds in europäische Technologieunternehmen in der Europäischen Union und in mit Horizont Europa assoziierten Ländern investieren. Genannt wurden unter anderem digitale Systeme, industrielle Technologien und Life-Sciences-Unternehmen.

Zu den Gründungsinvestoren zählen neben der Europäischen Kommission unter anderem Novo Holdings, EIFO, CriteriaCaixa, Santander/Mouro Capital, Fondazione Compagnia di San Paolo, Intesa Sanpaolo, Fondazione Cariplo, APG Asset Management im Auftrag des niederländischen Pensionsfonds ABP, Wallenberg Investments und Allianz. Novo Holdings kündigte im Juni 2026 eine Beteiligung von 500 Millionen Euro an dem Fonds an. Insgesamt 20 Prozent des Startkapitals in Höhe von 5 Mrd. Euro stammt von dem Horizont-Europa-Programmteil des European Innovation Council und die restlichen 80 Prozent von privaten Investoren.

Zweck Zweck des Fonds ist es, größeren europäischen Technologieunternehmen Zugang zu Wachstumskapital zu verschaffen und sie dadurch stärker in Europa zu verankern. Laut dem European Innovation Council soll der Fonds größere europäisch geführte Finanzierungsrunden ermöglichen und die Abhängigkeit europäischer Scale-ups von außereuropäischen Investoren verringern. Der Fonds soll vorrangig in Unternehmen der Wachstums-, Spätwachstums- und Vorbörsenphase investieren. Typische Investitionsgrößen sollen bei mehr als 100 Millionen Euro einschließlich Anschlussfinanzierungen liegen. Die Beteiligungen sollen überwiegend als direkte Eigenkapitalinvestitionen erfolgen; angestrebt werden substanzielle Minderheitsbeteiligungen und aktive Rollen in den Portfoliounternehmen.

Der Fonds richtet sich auf strategische Technologiebereiche aus. Der European Innovation Council nennt unter anderem Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Halbleiter, Robotik und autonome Systeme, Energietechnologien, Raumfahrt, Biotechnologie, Medizintechnik, fortgeschrittene Materialien und Agrartechnologien. Damit verfolgt der Fonds neben der Finanzierung einzelner Unternehmen auch industrie- und technologiepolitische Ziele, insbesondere die Stärkung europäischer Wettbewerbsfähigkeit in Schlüsseltechnologien.

Rezeption Das Jacques Delors Centre bewertete den Scaleup Europe Fund als mögliches Brückeninstrument zur Schließung einer wichtigen Finanzierungslücke im europäischen Wagniskapitalmarkt. Der Fonds könne große Eigenkapitalinvestitionen mit einer stärkeren Ausrichtung auf strategisch relevante Sektoren verbinden. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass der Fonds allein die strukturellen Schwächen des europäischen Wagniskapital- und Kapitalmarktumfelds nicht beheben könne. Es müssen weitere politische Maßnahmen ergriffen werden, um das Wagniskapital-Ökosystem der EU weiterzuentwickeln, die Notierung an lokalen Börsen attraktiver zu gestalten und grenzüberschreitende Investitionen zu erleichtern.

Das Fachmedium ScienceBusiness beschrieb den Fonds im Juni 2026 als einen besonders schnell aufgesetzten europäischen Scale-up-Fonds und hob hervor, dass er deutlich größere Investitionen ermöglichen solle als bisherige EIC-Instrumente. Kritisch wurde in der Debatte unter anderem diskutiert, ob Mittel aus dem Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa zugunsten des Fonds umgelenkt werden sollten. ScienceBusiness berichtete, dass die türkische Forschungsagentur TÜBİTAK entsprechende Pläne kritisierte, da assoziierte Staaten bei einer solchen Verwendung möglicherweise weniger direkten Zugang zu Fördermitteln hätten.

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