Die jordanisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Jordanien und Portugal. Seit 1972 unterhalten die Länder diplomatische Beziehungen.Übersicht zu den diplomatischen Beziehungen zu Jordanien, diplomatisches Institut des portugiesischen Außenministeriums, abgerufen am 19. Juni 2026

Die Beziehungen der beiden Staaten, die eine ähnlich große Bevölkerung und Fläche haben, gelten als stabil und sehr freundschaftlich, obwohl sie noch nicht sehr stark ausgeprägt sind. So kreuzten sich ihre Wege historisch häufiger, aber selten tiefgreifend. Wichtigste Verbindungsglieder sind heute ihre gegenseitigen politischen Konsultationen und ihr Warenaustausch, den beide Seiten ausbauen wollen. Daneben sind ihre kleinen gegenseitigen Diasporas und der Austausch in Kultur und Sport zu nennen, zudem ist Jordanien bei kulturinteressierten portugiesischen Touristen bekannt. Im Jahr 2021 waren 459 jordanische Staatsbürger in Portugal registriert und 53 Personen beim portugiesischen Konsulat in Jordanien gemeldet.

Geschichte Vorgeschichte bis 1972 Das heutige Portugal wurde ab 206 v. Chr. Teil des Römischen Reiches. Als das heutige Jordanien um 106 n. Chr. ebenfalls Teil des Römischen Reichs wurde, waren sie erstmals Teil eines gemeinsamen Herrschaftsgebiets. Sie blieben beide unter römischer Herrschaft, bis zum Untergang des Römischen Reiches im 5. Jh. Jordanien war danach oströmisch, bis zur Schlacht am Jarmuk im August 636, in der muslimische Araber die Region eroberten. Ab 711 wurde auch Portugal von den Arabern erobert, und sie waren damit erneut Teil eines gemeinsamen Reiches. Beide Gebiete gehörten danach lange zum Arabischen Reich, bis Portugal im Verlauf seiner Reconquista 1139 ein unabhängiges Königreich wurde. mini|hochkant|Das Arabische Reich (grün, um 880) während der Arabisch-Byzantinischen Kriege: Jordanien und Portugal gehörten beide lange dem Römischen und dann dem Arabischen Reich an. Im Rahmen der Kreuzzüge kamen auch portugiesische Ritter in den Nahen Osten. Insbesondere im Johanniter-Hospitaliterorden und späteren Malteserorden spielten Ritter aus Portugal eine bedeutende Rolle.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006, S. 786 (ISBN 972-47-2935-4) Im heutigen Jordanien lagen Kreuzritterburgen wie Montreal oder auch das Königreich Jerusalem, einer der vier Kreuzfahrerstaaten. Vermutlich waren dort auch portugiesische Ritter tätig, bis nach 1250 die Kreuzfahrer endgültig aus dem heutigen Jordanien vertrieben wurden. Damit verließen auch die letzten portugiesischen Ritter die Region.

Während das unabhängige Königreich Portugal seit dem 15. Jahrhundert sein eigenes Weltreich aufbaute, wurde Jordanien 1517 Teil des Osmanischen Reichs. Zwar sahen sich die portugiesischen Eroberer mit dem Beginn der Portugiesischen Expansion teils weiter im Geiste der Kreuzzüge agieren, als Eroberer der Säulen des Herakles und damit des westlichen Endes des Mittelmeeres als Verlängerung des östlichen Mittelmeers und des heiligen Landes. Jedoch richtete die portugiesische Führung ihre Aufmerksamkeit immer stärker auf den Handel und betrieb diesen mit Afrika und vor allem Asien, so dass es kaum zu direkten Berührungspunkten zwischen Portugal und dem heutigen Jordanien kam. Möglicherweise standen sich jordanische Soldaten auf osmanischer Seite und portugiesisches Militär bei ihren Konflikten im 16. und 17. Jh. im Roten Meer oder zwischen dem persischen Golf und Indien gegenüber, wohl gelegentlich auch auf dem Balkan (wo Portugiesen in Diensten des Eugen von Savoyen 1716 an der Schlacht von Peterwardein gegen ein osmanisches Heer teilnahmen) oder im östlichen Mittelmeer (etwa bei der Seeschlacht vor Kap Matapan 1717).

Bis zum Ersten Weltkrieg 1914 blieb Jordanien osmanisch und kam danach, ab 1918, unter britische Verwaltung, bis zu seiner Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich am 25. Mai 1946, die Portugal danach, zu einem ungenannten Datum, anerkannte.

Seit 1972 1972 nahmen Jordanien und Portugal diplomatische Beziehungen auf. Am 5. Juli 1972 akkreditierte sich mit Augusto Henrique Coelho Lopes, Portugals Botschafter in Beirut, erstmals ein Vertreter Portugals in Jordanien.

1980 schlossen sie ein erstes bilaterales Abkommen, der am 13. Mai 1980 in Amman unterzeichnete Vertrag über die Kooperation in Handel, Wirtschaft und Technologie, mit einem zeitgleich abgeschlossenen Vertrag über die Zusammenarbeit im Tourismus. Eine weitergehende Annäherung fand dann erst in den 2000er Jahren statt. So kam Portugals Außenminister Luís Amado am 21. August 2006 zum Staatsbesuch nach Amman, bevor Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva am 16. Februar 2008 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Jordanien reiste. Bereits am 16. März 2009 kam Jordaniens König Abdullah II. zum Gegenbesuch nach Portugal. mini|hochkant|Eine Gulfstream Aerospace der jordanischen Regierung 1988 am Flughafen Faro: Jordanien und Portugal pflegen gute und stabile politisch-diplomatische Beziehungen. Der Handelsvertrag von 1980 wurde am 17. Februar 2008, wieder in Amman, von einem neuen Handelsabkommen abgelöst. Am 16. März 2009 folgte in Lissabon die Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Technologie und Hochschulen, Kultur, Jugend, Sport und Medien. Sie unterzeichneten dabei auch ein Memorandum of Understanding über politische Konsultationen der Außenministerien beider Staaten. Am Folgetag, den 17. März 2009, schlossen sie zudem ein gegenseitiges Investitionsschutzabkommen.

Außenminister Amado kam am 14. Mai 2009 und erneut am 27. Februar 2011 zum Staatsbesuch nach Jordanien, bevor sein jordanischer Amtskollege Ayman al-Ṣafadī am 27. Mai 2021 Portugal besuchte.

Nach Beginn des israelisch-iranischen Kriegs am 13. Juni 2025 blieb der größte Teil des Luftraums über Jordanien gesperrt, so dass die portugiesischen Touristen, die sich zu dem Zeitpunkt im Land aufhielten, fest saßen. Am 17. Juni gelang 37 und damit den meisten von ihnen die organisierte Ausreise per Fähre nach Ägypten und von dort über Istanbul der Heimflug nach Portugal.Alguns dos portugueses retidos na Jordânia já regressaram a Portugal - „Einige der festsitzenden Portugiesen in Jordanien sind bereits nach Portugal zurückgekehrt“, Artikel vom 18. Juni 2025 des Nachrichtenportals des portugiesischen öffentlich-rechtlichen Senders RTP, abgerufen am 21. Juni 2026

Im Rahmen ihrer vereinbarten regelmäßigen gegenseitigen Außenministerkonsultationen empfing der portugiesische Außenminister Paulo Rangel am 18. Mai 2026 sein jordanisches Gegenüber Ayman al-Ṣafadī in Lissabon. Sie schlossen dabei eine Vereinbarung zur Kooperation ihrer diplomatischen Institute, besprachen die problematische Situation im Nahen Osten, und erklärten übereinstimmend, direkte Flugverbindungen zwischen ihren Hauptstädten zu wollen, wovon sich beide Seiten engere wirtschaftliche Beziehungen versprechen.Portugal e Jordânia defendem ligação aérea direta entre as duas capitais - „Portugal und Jordanien wollen direkte Flugverbindungen zwischen ihren beiden Hauptstädten“, Artikel vom 18. Mai 2026 des Nachrichtenportals des portugiesischen öffentlich-rechtlichen Senders RTP, abgerufen am 21. Juni 2026 Dabei bedankte sich Safadi auch für die (am 21. September 2025 erfolgte) Anerkennung des Staates Palästina durch Portugal und für die steten Bemühungen des Landes um mehr Frieden in der Region und der Stärkung der regelbasierten internationalen Verständigungspolitik. Rangel bestätigte im Gegenzug die starke Freundschaft beider Länder und hob die wichtige Rolle Jordaniens für Stabilisierung und Friedensprozesse im Nahen Osten hervor. Beide Länder setzen sich für eine Zweistaatenlösung ein und teilten sehr ähnliche Auffassungen in Bezug zu internationaler Politik, Verteidigung des Multilateralismus, der Charta der Vereinten Nationen und der Lösung von Konflikten mit diplomatischen Mitteln. Jordanien und Portugal seien zwei gute Freunde mit starken historischen Bändern, so Rangel.Chefe da diplomacia jordana agradece a Portugal reconhecimento da Palestina e pede cooperação pela paz no Médio Oriente - „Chef der jordanischen Diplomatie bedankt sich bei Portugal für die Anerkennung Palästinas und bittet um Mitarbeit für Frieden im Nahen Osten“, Artikel vom 19. Mai 2026 der portugiesischen Online-Zeitung Observador, abgerufen am 21. Juni 2026 mini|hochkant|Portugals Botschafterin Madalena Fischer 2016 als Vertreterin in Kairo, womit sie bis 2019 auch die Vertreterin Portugals in Jordanien war. Diplomatie Portugal unterhält keine eigene Botschaft in Jordanien, das Land gehört zum Amtsbezirk des portugiesischen Botschafters in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. In der jordanischen Hauptstadt Amman ist ein portugiesisches Honorarkonsulat eingerichtet

Jordanien unterhält ebenfalls keine eigene Botschaft in Portugal, sondern ist dort mit seinem Vertreter in der schweizerischen Hauptstadt Bern doppelakkreditiert. Auch Konsulate hat Jordanien in Portugal nicht eingerichtet (alles Stand 2025).

Wirtschaft mini|hochkant|Petrochemische Industrieanlagen im jordanischen Zarqa: der Austausch chemischer Erzeugnisse hat einen großen Anteil am jordanisch-portugiesischen Handel. Das Handelsvolumen zwischen Jordanien und Portugal belief sich im Jahr 2024 auf 56,914 Mio. Euro, mit einem traditionellen Handelsbilanzüberschuss zu Gunsten Portugals von diesmal 47,962 Mio. Euro.Statistiken zum Außenhandel mit Jordanien des Gabinete de Estratégia e Estudos im portugiesischen Wirtschaftsministerium, abgerufen am 21. Juni 2026

Dabei exportierte Jordanien Waren und Dienstleistungen im Wert von 4,476 Mio. Euro nach Portugal (2023: 8,663 Mio.; 2022: 5,622 Mio.; 2021: 10,171 Mio.; 2020: 10,230 Mio.; 2019: 8,069 Mio.; 2018: 5,382 Mio.; 2017: 9,018 Mio.; 2016: 11,151 Mio.; 2015: 4,215 Mio.: 2010: 0 436 Mio.), zu 63,5 % chemische Produkte, 32,1 % Metallwaren, 1,7 % Maschinen und Geräte, 0,8 % Gummi und Kunststoffe, und 0,6 % Lebensmittel.

Portugal führte zeitgleich Waren und Dienstleistungen in Höhe von 52,438 Mio. Euro nach Jordanien aus (2023: 58,408 Mio.; 2022: 65,362 Mio.; 2021: 49,638 Mio.; 2020: 40,366 Mio.; 2019: 37,096 Mio.; 2018: 38,053 Mio.; 2017: 40,744 Mio.; 2016: 34,220 Mio.; 2015: 28,992 Mio.; 2010: 24,895 Mio.), davon 34,9 % Obst und Gemüse, 26,5 % chemische Produkte, 18,8 % Papier und Zellulosepaste, 4,3 % Maschinen und Geräte, 3,9 % Fahrzeuge und 3,2 % verarbeitete Lebensmittel und Getränke.

Die portugiesische Außenhandelskammer AICEP unterhält kein Büro in Jordanien, die Betreuung erfolgt über die AICEP-Verbindung an der portugiesischen Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo oder auch über die AICEP-Niederlassung in der türkischen Hauptstadt Ankara.

Sport mini|hochkant|Nelo Vingada (2014). Der Portugiese war von 2007 bis 2009 jordanischer Nationaltrainer. Fußball Fußball gilt in beiden Ländern als populärste Sportart.

Die Jordanische und die Portugiesische Fußballnationalmannschaft der Männer sind bisher noch nicht aufeinander getroffen, auch die Jordanische und die Portugiesische Fußballnationalmannschaft der Frauen noch nicht (alles Stand Mai 2026).

Der Portugiese Nelo Vingada war 2007–2009 Trainer der Jordanischen Herren-Nationalmannschaft, der kapverdisch-portugiesische Trainer David Nascimento war 2021–2023 und nochmals 2025–2026 Coach der Jordanischen Frauen-Nationalelf.

Weblinks

Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Jordanien, Diplomatisches Institut des Außenministerium Portugals

Einzelnachweise